 Max Slevogt: Die Champagnerarie mit Francisco d´Andrade als Don Giovanni (Wikimedia Commons, gemeinfrei)
Sylvester war für mich mal wieder Anlass eine Flasche Cava zu entkorken um auf das Neue Jahr 2021 anzustoßen. Früher einmal war ich ein großer Fan dieses Getränks und habe es sogar, wie in Katalonien so beliebt, als Essensbegleiter verehrt. Im Laufe der Jahre haben sich meine Geschmackssinne und deren Verknüpfungen im Gehirn vermutlich so verändert, dass mir Schaumweine nicht mehr viel zu sagen haben. Es ist nicht lange her, als ich auf einem Empfang ein Glas Champagner in die Hand gedrückt bekam und mich nach dem ersten Schluck verwundert fragte: was für ein langweiliges „Prickelwasser“ das denn sei? Um mich herum wurde dagegen ein Diskurs über Finesse, Perlage, Aroma, Cremigkeit, Frische und Harmonie initiiert, dem ich nur bedingt folgen konnte. Mein erster Gedanke dazu war: typisch Champagner, mehr Schein als Sein! Die begnadeten Marketingexperten zwischen Épernay und Reims haben um den auf Flaschen gezogenen Fehler eines Kellermeisters ein Image aufgebaut, dem Kaiser, Könige und Zaren sowie deren adeliges Fußvolk, in ganz Europa mit Begeisterung auf den Leim gegangen sind. Erfolg wird immer plagiiert und so haben clevere Unternehmer die Welt mit prickelndem Sekt, Cava, Spumante, Crémant und Ähnlichem beglückt, dabei haben sie nicht vergessen ihrem jeweiligen Getränk die magischen Kräfte des Vorbilds, nämlich ein Luxusgut zu ein, anzudichten, dessen Bedeutung für Feiern im großen oder kleinen Kreise nicht überschätzt werden kann. …. bitte lesen Sie hier weiter: Mozart und meine „Freude“ am Champagner
 Fremd bei uns, heimisch in Indien: Hindu-Frauen (Jeder von uns ist fast überall auf der Welt ein Ausländer). Bildausschnitt aus dem „Calwer historischen Bilderbuch der Welt“. Stuttgart & Calw, 1883.
Die eingeschränkte physische Mobilität im sog. „Lock-down“ regt verstärkt zum Denken an: wenn man einer früheren Erhebung der Universität Leipzig Glauben schenken will, muss man sich damit abfinden, dass 27 % der Deutschen die Meinung vertreten, die Bundesrepublik sei durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet. Während in dieser Statistik Antisemitismus in unserem Land nur von etwa 10 % der Befragten gutgeheißen wird geht die Ablehnung von Sinti und Roma sowie Muslimen wesentlich weiter und wird von etwa der Hälfte der Befragten geteilt. Alleine diese paar Zahlen lassen bereits vermuten, dass es in unserem Land tatsächlich ein ernst zu nehmendes Problem mit der Diskriminierung von Mitmenschen gibt. Insbesondere Personen mit Migrationsgeschichte leiden häufiger als die sog. „Einheimischen“ unter Behinderung der Verwirklichung ihrer Freiheiten und Chancen. Man denke nur an die Vergabe von Ausbildunggsplätzen an Jugendliche mit fremdländischen Namen; das gilt gleichermaßen beim Kontakt mit Vermietern bei der Wohnungssuche. Aber nicht nur Migranten und deren Nachkommen werden diskriminiert, die unterschiedlichen Löhne für gleiche Arbeit bei Männern und Frauen …. bitte lesen Sie hier weiter: Gesellschaftliche Diskriminierungen und die eigene Nase
 Die Rose ist die Namensgeberin des Roséweins
Nur noch sehr selten hört man den Begriff „Klarett“ als Bezeichnung eines bestimmten Weintyps. Wo kommt der Name her und was bedeutet er? Der Ursprung ist das lateinische „clarus“, was so viel wie klar, hell, leuchtend oder glänzend bedeutet. Dem lateinischen Wort entsprechend wurde in der Region um Bordeaux in Frankreich ein etwas dunklerer Rosé als „clairet“ bezeichnet. Diesen Weintyp gibt es seit dem Mittelalter und er war damals das Ergebnis eines nur sehr kurzen Kontaktes roter und weißer Schalen mit dem gärenden Most. Aufgrund der relativ hohen Temperaturen während des Gärprozesses, war die „stürmische Gärung“ ausserordentlich intensiv und dauerte meist nur knapp zwei Tage. Dann wurde der junge, rosafarbene Wein sofort von der Maische getrennt und in Fuder, oder andere Behälter gefüllt. Von dort wurde er, nach unterschiedlichen Reifezeiten, an die Kunden in Kannen, kleinen Holzfässern oder großen dickbauchigen Glasflaschen verkauft. …. bitte lesen Sie hier weiter: Verwirrung über den Namen „Klarett“-Wein
 Reife Rispentomaten (Foto von Julia auf Pexels)
Ich habe bemerkt, dass ich bislang noch nicht über das, aus meiner Sicht, schönste Gemüse überhaupt geschrieben habe: die Tomate. Was haben Weintrauben und Tomaten eventuell gemeinsam? Auf den ersten Blick überhaupt nichts anderes als ihren guten Geschmack, ihre runde Fruchtform und ihre große Beliebtheit. Sie kommen aus entgegengesetzten Richtungen dieser Welt. Während die Heimat des Weins im Vorderen Orient zu suchen ist, stammt die Tomate aus den Anden-Regionen Südamerikas. Ende des 15. Jahrhunderts brachte Christoph Kolumbus die kleinen Früchte von „Nueva España“, jenseits des großen Atlantischen Ozeans, in seine spanische Heimat mit. Da dieses in Europa unbekannte Gemüse in jenen Tagen eine goldgelbe Farbe hatte nannte man sie zunächst „Goldäpfel“, ein Name, der sich im Italienischen (pomodoro) noch erhalten hat. Ursprünglich war die Skepsis gegenüber der Tomate (abgeleitet von ihrem Namen „xictomatl“ in der Inka-Sprache) sehr groß. Man hielt sie nämlich für die Paradiesfrucht, mit der Eva den Adam verführt haben soll. Angeblich war sie ein Aphrodisiakum und ihr Verzehr daher jungen Mädchen streng untersagt – eine klassische Verbotssituation in der einstigen Männergesellschaft. …. bitte lesen Sie hier weiter: Ist die Tomate noch ein „Goldapfel“?
 Aussichten von dem Landhause des Horaz in den Sabiner Bergen (Jacob Philipp Hackert, 1737 – 1807)
Von Horaz wusste ich bislang nur, dass er ein römischer Dichter zur Zeit des Kaisers Augustus war und Verse in mir nur sehr schwer zugänglichen, daktylischen Hexametern schrieb. Erst in meinem schon sehr fortgeschrittenen Alter schenkte mir ein lieber Freund eine aktuelle Ausgabe der Briefe (Epistulae) in der völlig neuen und zeitgemäßen Übersetzung von Christoph Schmitz-Scholemann (Horaz: „Und zum Glück fehlt mir nichts – nur Du“, Elsinor Verlag, Coesfeld 2020). Diese 115 Seiten habe ich im andalusischen Herbst regelrecht verschlungen. Das Gedankengut eines wahrhaft großen Mannes war in eine Sprache gegossen, die nichts mehr mit der starren literarischen Form des römischen Vorbildes in der Übersetzung von Johann Heinrich Voss aus dem 19. Jahrhundert gemein hatte, sondern spannungsreich und klar ihre Inhalte in einer modernen Sprache übermittelte.
Horaz, sein kompletter Name ist „Quintus Horatius Flaccus“, wobei flaccus „der Schlappe“ bedeutet, ist eines der frühen Beispiele für einen aus einem extrem bildungsfernen Milieu stammenden großen Denker und Schriftsteller: …. bitte lesen Sie hier weiter: Horaz und der Wein – die Übersetzung macht´s!
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Kreativität und Wein In meinem „önosophischen Blog“ widme ich mich im weitesten Sinne kulturellen Themen und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Weingeniessers gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum versuchen die unterschiedlichen Thematiken meiner Beiträge auszudrücken, wobei mir der Wein gelegentlich schöpferisch zu Hilfe kommt.
Wein trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene) , wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung der beiden Schlegels ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können natürlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein. „Vortrefflichen Witz“ hat auch Antonio Machado, Spaniens bedeutendster Lyriker des 20. Jahrhunderts mit einem wunderschönen, schnörkellosen Gedicht zustande gebracht (meine holprige Übersetzung bitte ich zu entschuldigen):
Un vino risueño me dijo el camino
Yo escucho los áureos consejos del vino
Que el vino es a veces escala de ensueño.
Abril y la noche y el vino risueño
Cantaron en coro su salmo de amor
Ein lächelnder Wein wies mir den Weg
Ich vernahm seine goldenen Ratschläge
Denn der Wein ist manchmal eine Stufe zu den Träumen.
Der April, die Nacht und der lächelnde Wein
Sangen gemeinsam ihren Psalm der Liebe
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog und an unserer kleinen und exklusiven Auswahl spanischer Weine haben.
Peter Hilgard
Wir meinen, Wein ist eine Kultur des moderaten Genusses
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