Die Liebe begann mit Jazz

Louis Armstrong (Pixabay)

Die raue, rauchige Stimme von Louis Armstrong und die ungezügelten Rhythmen mit den glasklaren Tönen seiner Trompete faszinierten mich als 13-jähriger Junge dermaßen, dass ich mir das damals gerade erschienene „Jazzbuch“ von Joachim-Ernst Berendt besorgte. Dieses Taschenbuch und ein kleiner Philips-Koffer-Plattenspieler waren für mich das Tor in eine faszinierende Welt der Töne, den Jazz. Gleichzeitig damit wurde der Wissensdurst für die Geschichte dieser Musik angeregt. Meine Begeisterung konnte selbst von der unerhörten Bemerkung meiner Mutter, dass dies ja „Negermusik“ sei, nicht geschmälert werden (welches rassistische Gedankengut dahinter steckte, ahnte ich damals natürlich noch nicht). Mein Musikempfinden wurde zunächst vom Jazz geprägt und das erzeugte in meiner Pubertät ein ganz besonderes Lebensgefühl. Ich empfand bei diesen Tönen Freiheit, Unabhängigkeit und eine gewisse Eigenständigkeit und spürte deutlich, dass ich ohne Musik nicht würde leben mögen. Ich wollte unbedingt Musiker werden!  ….  bitte lesen Sie hier weiter: Die Liebe begann mit Jazz

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Das Geschmackserlebnis Wein findet im Kopf statt

Das Innere der Walnuss ähnelt der Struktur des Gehirns. Bild von Ulrike Leone auf  Pixabay. 

Als Veranstalter und Durchführender von Weinproben habe ich über die Jahre festgestellt, dass Geschmacks- und Geruchsempfindungen enorm manipulierbar sind. Wenn man mit der Autorität des „Fachmannes“ eine bestimmte Sensorik vorgibt, wird diese von den Probenteilnehmern in den meisten Fällen auch erlebt. Wenn man in einem Chardonnay zarte Mango-Nuancen anmerkt ohne sie tatsächlich zu spüren, wird immer der einer oder andere beipflichten. Diese Tatsache ist ein wichtiger Hinweis darauf, dass der Geschmack nicht in den Sinneszellen auf der Zunge oder am Gaumen entsteht sondern irgendwo weiter oben, z.B. im Gehirn.

Die Grundlage der Geschmackswahrnehmungen sind nur eine ganz kleine Gruppe von Geschmäckern für die es entsprechende Rezeptoren gibt (an den Geschmacksknospen im Mund- und Rachenbereich). Diese Qualitäten sind süß, sauer, salzig, bitter und umami. Daneben gibt es, mit dem Blick auf Wein, noch andere Rezeptor-vermittelte Qualitäten der Geschmacksempfindung, allen voran der Geruch. Man kann davon ausgehen, dass über 80 % unsres Geschmackserlebnisses beim Wein über seinen Duft vermittelt wird. Auch die Aktivierung von Schmerzrezeptoren kann, z.B. beim Erkennen von alkoholischer Schärfe im Wein, eine Rolle spielen. Mechanorezeptoren erkennen die Viskosität des Weins, eine für das Qualitätsempfinden meist unterschätzte Eigenschaft. Schließlich ist die Temperatur des Weins für die Geschmacksempfindung von ganz wesentlicher Bedeutung, so kann sich z.B. Süße im Wein bei niedrigen Temperaturen kaum entfalten.  ….  bitte lesen Sie hier weiter: Das Geschmackserlebnis Wein findet im Kopf statt

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Ein kleiner Beitrag zur MeToo-Debatte

“Frauenrechte”: selbstbeschreibende Karikatur aus dem niederländischen “Uilenspiegel”, 1873

Bereits während der Französischen Revolution (1789 – 1793) wurden von den sog. „Frauenclubs“ volle Bürgerrechte für Frauen gefordert. Allerdings dauerte es bis ins 20. Jahrhundert, dass es zu einer gesetzlich garantierten Gleichstellung von Mann und Frau kam und die Frauen das Wahlrecht erhielten. Am 23. Mai 1949 trat das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in Kraft. In Artikel 3 Absatz 2 Satz 1 der neuen deutschen Verfassung steht seitdem kurz und bündig geschrieben: “Männer und Frauen sind gleichberechtigt.” Für genau jene fünf Worte hatten Generationen von Feministinnen gekämpft. Nun standen diese Buchstaben zwar auf dem Papier, aber in der Lebenswirklichkeit der Gesellschaft war ihr Inhalt deswegen noch längst nicht angekommen. Die Gesellschaft blieb, wie eh und je, patriarchalisch strukturiert. Die Dominanz der Männerwelt nahm weiterhin viele, z.T. auch sehr bizarre, Formen an und fast immer kam die gleichzeitige Herabsetzung der Frau in ihrer Beziehung zur Gefühls- und Geisteswelt des Mannes hinzu. Überhaupt, nichts schien sich in der Sichtweise des Mannes geändert zu haben, die die Frau weiterhin als frei verfügbares Erotik- oder Sexualsubjekt wahrnahm.

Die berüchtigten Namensregister des Leporello in Mozarts Oper „Don Giovanni“ hatten Eintritt in die Phantasiewelt der jungen Machos überall auf der Welt gehalten und das Selbstwertgefühl der Jungens war direkt proportional der Länge der eigenen Liste  ….  bitte lesen Sie hier weiter: Ein kleiner Beitrag zur MeToo-Debatte

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Wein im Traum

Der persönliche Traum von den Monstern des Francisco de Goya

‘Der Wein schläfert die Sorgen ein wie der Alraun die Menschen, den Frohsinn weckt er so wie das Öl die Flamme.’  das können wir in der anmutigen Schrift des Xenophon mit dem Titel „Das Gastmahl“ (2,24) aus dem frühen Athen der großen Philosophen, lesen. Darin geht es eigentlich um die Knabenliebe der Protagonisten Kallias und Autolykus, eine klassische Huldigung an den Gott Eros. Die Alterumsforschung nimmt an, dass das Vorbild für Xenophon das berühmte Werk „Symposium“ von Platon war. In der späteren Sichtweise auf das altgriechische Symposium wurde die ursprüngliche Idee des Gastmahls inhaltlich in zwei verschiedene Zweige mit unterschiedlicher Bedeutung, nämlich (1) dem Saufgelage und (2) der wissenschaftlichen Versammlung geteilt. Wenn die von Xenophon erwähnten Sorgen, die von übermäßigem Nachdenken noch verstärkt werden, vom Weinkonsum eingeschläfert werden und damit aus dem Bewusstsein verschwinden, können sich neue Ideen zu Träumen formieren. „Ein Gott ist der Mensch, wenn er träumt, ein Bettler, wenn er nachdenkt“ hat uns Friedrich Hölderlin (1770 – 1843), in seinem „Hyperion“ ins Stammbuch geschrieben. Aus dem Bisherigen ergibt sich zwangsläufig, dass uns auch der Wein durch Träume vom Bettlerdasein in die Nähe des Göttlichen emporhebt! Welcher Genießer würde das wohl bestreiten?  ….  bitte lesen Sie hier weiter: Wein im Traum

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Lob der Faulheit

Titelblatt von Paul Lafargues Schrift “Das Recht auf Faulheit” von 1883 (Wickimedia, gemeinfrei)

Wie spannend die Suche nach Synonymen für einen bekannten Begriff sein kann zeigt das Wort „Faulheit“.  Da werden einem beispielsweise Bezeichnungen wie Arbeitsscheu, Arbeitsunlust, Bequemlichkeit, Müßiggang, Passivität und Trägheit vorgeschlagen. Das schönste von allen, weil so wunderbar deskriptiv und menschlich, ist aber die deutsche Umschreibung „Anstrengungsvermeidung“. Der Faule ist also ein Anstrengungsvermeider. Während das Eigenschaftswort „faul“ eine eher negative Bedeutung hat, klingt „anstrengungsvermeidend“ deutlich schmeichelhafter. Im Lateinischen fällt  die Faulheit unter den Begriff „acedia“ und wird, ebenfalls etwas verharmlosend, häufig mit „Trägheit“ übersetzt. Die „acedia“ gehört zu den sieben Hauptsünden der Menschheit und damit ist eine endgültige ethische Bewertung dieses Seinszustandes durch die Gesellschaft der Glaubensbrüder erfolgt. Man muss deshalb jedoch kein Atheist sein um das Lied auf die Faulheit singen zu dürfen, insbesondere wenn wir die Faulheit mit Muße, dem süßen Nichtstun, gleichsetzen. Für diese Denkungsart haben wir einen großartigen Bundesgenossen im römischen Philosophen, Schriftsteller und Redner Marcus Tullius Cicero (106 v.Chr. – 43 v.Chr.). Dieser wurde auch zu tiefst vom Aufklärer Voltaire („Der Wein ist die Nachtigall unter den Getränken“) verehrt. „Otium cum dignitate“ (Muße mit Würde) nannte Cicero den erstrebenswerten Zustand und dieser war die Grundlage für die sog. „vita contemplativa“.  ….  bitte lesen Sie hier weiter: Lob der Faulheit

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