Wein und Musik: das sensorische Erinnerungsvermögen

Gerrit van Honthorst 1592-1656): Der fröhliche  Geiger mit einem Weinglas (1624, Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid)

Das Zusammenspiel von Geruchs und Geschmackssinn mit dem akustischen Erlebnis der Musik kann große Emotionen erzeugen und gehört für mich zu den absoluten Höhepunkten sinnlicher Erfahrungen. Es ist das Nasen- und Gaumenerlebnis des Weins gepaart mit der Tonkunst klassischer Musik, was mich in seiner Kombination tief bewegen kann. Bei beiden Wahrnehmungen, der gustatorisch-olfaktorischen (Gaumen/Nase) wie bei der akustischen (Gehör), habe ich seit meiner Jugend das Problem eines sehr geringen Langzeit-Erinnerungsvermögens. Es fällt mir nicht schwer meine akuten sinnlichen Eindrücke zu beschreiben, aber in recht absehbarer Zeit nach dem Genuss beider, habe ich die Details der erlebten Empfindungen „vergessen“. Konkret bedeutet dies, dass es mir schwer fällt selbst mehrfach probierte Weine bei einer späteren Gelegenheit wiederzuerkennen und nicht anders geht es mir mit der Musik. Wie ich den „Kirschgarten“ Spätburgunder vom Pfälzer Weingut Knipser eigentlich jederzeit wiedererkennen müsste es mir aber nicht gelingt obwohl ich ihn schon vielfach genossen habe, erkenne ich beim Reinhören die oft gehörte 6te von Mahler auch nicht, selbst nach längeren Taktfolgen. Die Erinnerungsspuren sowohl zum Geschmack und Duft als auch zur Musik haben sich in den Stürmen meines sensorischen Gedächtnisses verwischt. Dies gilt natürlich nur für die „Kunstmusik“ bzw. die komplexere Weinaromatik. Einen bekannten Gassenhauer der Beatles oder den Geschmack von Coca-Cola würde ich vermutlich ohne Schwierigkeiten jederzeit wiedererkennen.  ….  bitte lesen Sie hier weiter: Wein und Musik: das sensorische Erinnerungsvermögen

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Gerald Brenan und die Entdeckung der Alpujarras

Gerald Brenan

Selbst die Bewohner haben es vergessen: das hundertjährige Jubiläum der Ankunft des englischen Schriftstellers Gerald Brenan in ihrem Dorf namens Yegen im Januar des Jahres 1920. Dieser Brenan war in jeder Hinsicht eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Er entstammte einer britischen Offiziersfamilie und der Besuch der Militärakademie im südenglischen Sandhurst sollte ihm, dem Wunsch des Vaters gemäß, die gleiche Laufbahn eröffnen. Aber der junge Gerald war nach seiner Teilnahme am ersten Weltkrieg, dermaßen abgestoßen vom Militär und seiner englischen Heimat mit ihren „verknöchterten Standesdünkel und strengen Konventionen“, dass er den festen Wunsch entwickelte auszuwandern. Das damals im europäischen Kontext rückständige Spanien bot sich dem jungen, potentiellen Emigranten an, denn es hatte sich ein „gewisses Maß an Anarchie und Aufsässsigkeit“ bewahrt und damit die „wesentlichen Bedürfnisse der menschlichen Natur höher geschätzt als die technische Organisation“. Zudem kam Brenan durch seinen Freund Ralph Partridge, den er in den Schützengräben an der Somme kennen gelernt hatte, mit der damals sehr aktiven „Bloomsbury Group“ in Kontakt, in der sich so illustre Geister wie Virginia Woolfe,  Lytton Strachey, Dora Carrington, E. M. Forster u. v. a. zur gemeinsamen Gesellschaftskritik zusammengefunden hatten. Schließlich hat Gerald Brenan sein erstes Jahrzehnt andalusischer Beobachtungen und Erfahrungen  ….  bitte lesen Sie hier weiter: Gerald Brenan und die Entdeckung der Alpujarras

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Die Liebe begann mit Jazz

Louis Armstrong (Pixabay)

Die raue, rauchige Stimme von Louis Armstrong und die ungezügelten Rhythmen mit den glasklaren Tönen seiner Trompete faszinierten mich als 13-jähriger Junge dermaßen, dass ich mir das damals gerade erschienene „Jazzbuch“ von Joachim-Ernst Berendt besorgte. Dieses Taschenbuch und ein kleiner Philips-Koffer-Plattenspieler waren für mich das Tor in eine faszinierende Welt der Töne, den Jazz. Gleichzeitig damit wurde der Wissensdurst für die Geschichte dieser Musik angeregt. Meine Begeisterung konnte selbst von der unerhörten Bemerkung meiner Mutter, dass dies ja „Negermusik“ sei, nicht geschmälert werden (welches rassistische Gedankengut dahinter steckte, ahnte ich damals natürlich noch nicht). Mein Musikempfinden wurde zunächst vom Jazz geprägt und das erzeugte in meiner Pubertät ein ganz besonderes Lebensgefühl. Ich empfand bei diesen Tönen Freiheit, Unabhängigkeit und eine gewisse Eigenständigkeit und spürte deutlich, dass ich ohne Musik nicht würde leben mögen. Ich wollte unbedingt Musiker werden!  ….  bitte lesen Sie hier weiter: Die Liebe begann mit Jazz

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Das Geschmackserlebnis Wein findet im Kopf statt

Das Innere der Walnuss ähnelt der Struktur des Gehirns. Bild von Ulrike Leone auf  Pixabay. 

Als Veranstalter und Durchführender von Weinproben habe ich über die Jahre festgestellt, dass Geschmacks- und Geruchsempfindungen enorm manipulierbar sind. Wenn man mit der Autorität des „Fachmannes“ eine bestimmte Sensorik vorgibt, wird diese von den Probenteilnehmern in den meisten Fällen auch erlebt. Wenn man in einem Chardonnay zarte Mango-Nuancen anmerkt ohne sie tatsächlich zu spüren, wird immer der einer oder andere beipflichten. Diese Tatsache ist ein wichtiger Hinweis darauf, dass der Geschmack nicht in den Sinneszellen auf der Zunge oder am Gaumen entsteht sondern irgendwo weiter oben, z.B. im Gehirn.

Die Grundlage der Geschmackswahrnehmungen sind nur eine ganz kleine Gruppe von Geschmäckern für die es entsprechende Rezeptoren gibt (an den Geschmacksknospen im Mund- und Rachenbereich). Diese Qualitäten sind süß, sauer, salzig, bitter und umami. Daneben gibt es, mit dem Blick auf Wein, noch andere Rezeptor-vermittelte Qualitäten der Geschmacksempfindung, allen voran der Geruch. Man kann davon ausgehen, dass über 80 % unsres Geschmackserlebnisses beim Wein über seinen Duft vermittelt wird. Auch die Aktivierung von Schmerzrezeptoren kann, z.B. beim Erkennen von alkoholischer Schärfe im Wein, eine Rolle spielen. Mechanorezeptoren erkennen die Viskosität des Weins, eine für das Qualitätsempfinden meist unterschätzte Eigenschaft. Schließlich ist die Temperatur des Weins für die Geschmacksempfindung von ganz wesentlicher Bedeutung, so kann sich z.B. Süße im Wein bei niedrigen Temperaturen kaum entfalten.  ….  bitte lesen Sie hier weiter: Das Geschmackserlebnis Wein findet im Kopf statt

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Ein kleiner Beitrag zur MeToo-Debatte

“Frauenrechte”: selbstbeschreibende Karikatur aus dem niederländischen “Uilenspiegel”, 1873

Bereits während der Französischen Revolution (1789 – 1793) wurden von den sog. „Frauenclubs“ volle Bürgerrechte für Frauen gefordert. Allerdings dauerte es bis ins 20. Jahrhundert, dass es zu einer gesetzlich garantierten Gleichstellung von Mann und Frau kam und die Frauen das Wahlrecht erhielten. Am 23. Mai 1949 trat das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland in Kraft. In Artikel 3 Absatz 2 Satz 1 der neuen deutschen Verfassung steht seitdem kurz und bündig geschrieben: “Männer und Frauen sind gleichberechtigt.” Für genau jene fünf Worte hatten Generationen von Feministinnen gekämpft. Nun standen diese Buchstaben zwar auf dem Papier, aber in der Lebenswirklichkeit der Gesellschaft war ihr Inhalt deswegen noch längst nicht angekommen. Die Gesellschaft blieb, wie eh und je, patriarchalisch strukturiert. Die Dominanz der Männerwelt nahm weiterhin viele, z.T. auch sehr bizarre, Formen an und fast immer kam die gleichzeitige Herabsetzung der Frau in ihrer Beziehung zur Gefühls- und Geisteswelt des Mannes hinzu. Überhaupt, nichts schien sich in der Sichtweise des Mannes geändert zu haben, die die Frau weiterhin als frei verfügbares Erotik- oder Sexualsubjekt wahrnahm.

Die berüchtigten Namensregister des Leporello in Mozarts Oper „Don Giovanni“ hatten Eintritt in die Phantasiewelt der jungen Machos überall auf der Welt gehalten und das Selbstwertgefühl der Jungens war direkt proportional der Länge der eigenen Liste  ….  bitte lesen Sie hier weiter: Ein kleiner Beitrag zur MeToo-Debatte

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