 Die Amalienburg (Foto: bjs-1 bei Wikipedia)
In der Landschaft Arkadiens gibt es zeitlose Ruhe, die von goldenem Licht durchstrahlt und von Hirten mit ihren Schafen bewohnt wird. In dieser beschaulichen Idylle herrscht Frieden – wir befinden uns offensichtlich in einem Vorraum des Paradieses. Seit der Antike nennt sich ein bergiger Landstrich in der Mitte des Peloponnes „Arkadien“. Auf seinem kargen und spärlich bewachsenen Boden lebten vorwiegend Schafhirten, die wegen der geografischen Abgeschlossenheit ihrer Region lange von äußeren Einflüssen verschont geblieben sind. Die griechische Mythologie machte aus diesem isolierten Land jenes harmonische Gefilde mit seiner unberührten Natur, welches in der europäischen Kunst und Literatur bis heute als Sehnsuchtsort für ein unbeschwertes Leben ohne soziale Zwänge fortlebt. Der Gott Pan herrschte hier mit seiner Flöte über Nymphen, Hirten, die Tiere und die verschiedenen Naturgeister der Wildnis. Das mythische Land galt als verlorenes Paradies und wurde zu einem kulturellen Symbol für glückliches Leben. Es ist bis heute verknüpft mit dem Werk des antiken Dichters Theiokritos (ca. 270 v. Chr.), der aus dem arkadischen Geist die bukolische Poesie erschaffen hatte. Die altgriechische Bukolik (Hirtendichtung) wurde zu einer künstlerischen, und insbesondere literarischen, Gattung im 18. und 19. Jahrhundert in ganz Europa. Auch die Architektur der Königs- und Fürstenhäuser wurde durch diese geistige Strömung stark beeinflusst. Die Herrschenden wollten sich ihr persönliches Arkadien mit dem Bau von Jagd- und Lustschlössern verwirklichen. Das Münchener Schlösschen Amalienburg wurde vom Architekten François de Cuvilliés (1695 – 1768) für den bayerischen Kurfürsten Karl Albrecht (1726 – 1745) im Park von Nymphenburg erbaut und ist ein außerordentlich reizvoller Prototyp seiner Art. …. bitte lesen Sie hier weiter: Arkadien – das (für immer?) verlorene Paradies
 Franz von Lenbach: Clara Schumann (Pastell 1878)
In meinem Bewusstsein ist Clara Haskil (1895 – 1960) die erste Frau, deren Klavierspiel mich mitgerissen hatte. In meiner frühen Schallplattensammlung gab es viele Klavierkonzerte von Mozart, die von ihr gespielt wurden. Ich erinnere mich an die behagliche Wärme und bezaubernde Melancholie in den Klängen des großen Meisters aus Salzburg, die mir von dieser begnadeten Pianistin vermittelt wurden. Haskil war eine in Bukarest geborene, sephardisch-rumänische Pianistin, die sich bereits früh einen Namen als Interpretin Mozarts machte und sie galt später als eine der führenden Pianistinnen ihrer Zeit. Neben ihrem Spiel der Musik Mozarts war sie auch eine großartige Interpretin Beethoven‘ und Schumann’scher Klaviermusik. In den ersten Jahren meiner Musikbegeisterung verleitete mich die Liebe zu Clara Haskils Klavierspiel zu der Annahme, dass Frauen eine ganz besondere Begabung für Klaviermusik haben müssten und meine spätere Bewunderung von Martha Argerich, Alicia de Larrocha, Hélène Grimaud, Khatia Buniatishvili und Beatrice Rana scheinen diese Hypothese zu stützen. …. bitte lesen Sie hier weiter: Eine Hommage an die großen Pianistinnen
 Dekorative Chili-Schoten (Pixabay, mit Dank an bluebeens)
Freunde mexikanischer Küche schwärmen vom Nationalgericht des Landes, der „Mole poblano“. Ihren Geschmack zu beschreiben, fällt aufgrund der enormen Komplexität dieser Sauce außerordentlich schwer. Zwei Zutaten bestimmen den Charakter der aus der Region Puebla stammenden „Mole“: zum einen sind da die verschiedenen Chilisorten, die neben der Schärfe auch für sehr unterschiedliche Geschmacksnoten verantwortlich sein können. Diese reichen von rauchig, wie bei den Chipotles, bis fruchtig, wie bei den Habaneros oder grünen Jalapeños. Sie bringen neben dem spezifischen Aroma auch Struktur in die Mole. Dabei werden sie von dunkler Schokolade unterstützt, diese verdickt nicht nur die Sauce, sondern verleiht ihr auch reiche, samtige Tiefe sowie Rauch- oder Holznoten und einen zarten Umami-Bitterton. Hinzu kommen in die Sauce noch allerhand Gewürze, die den Geschmack zusätzlich bereichern. Die cremige Mole wird mit Hähnchen oder unterschiedlichem Fleisch gegessen. Ein wahrhaftiges Geschmacksabenteuer ist auch Mole mit großen Garnelen. Der Name „Mole“ kommt übrigens vom Nahuatl-Wort (aztekisch) mōlli, was „Sauce“ oder „Mischung“ bedeutet und auf den kulturellen Hintergrund des Gerichtes weist. …. bitte lesen Sie hier weiter: Schokolade und Chili sind ein Gschmacksabenteuer
 Kino-Annonce von 2022
Drei Frauen haben großes Kino gemacht: die Australierin Sophie Hyde als Regisseurin, die Engländerin Katy Brand als Drehbuchautorin und die wunderbare Emma Thompson als Hauptdarstellerin. „Meine Stunden mit Leo“ heißt der Film in der deutschen Version und „Good Luck to You, Leo Grande„ in der englischen Originalversion (hier der deutsche Trailer). Ein Streifen, der mich restlos begeistert hat, weil er auf eine unheimlich sympathische Weise das Tabu der ästhetischen und kosmetisch makellosen Körper als Sexualobjekte durchbricht. In dem Kammerspiel von etwas über 90 Minuten kommen nur drei Personen vor: Nancy Stokes, eine Witwe und pensionierte Religionslehrerin, Leo Grande, ein junger Sexarbeiter, den Nancy für einen Besuch in einem Hotelzimmer gebucht hat und schließlich noch Becky eine ehemalige Schülerin von Nancy, die als Kellnerin in der Lobby des gleichen Hotels die Gäste bedient. Während ihrer ersten Begegnung erzählt Nancy Leo von ihrer sexuell völlig unerfüllten Ehe, sie habe in ihrem Leben bisher noch nie einen Orgasmus gehabt. Leo zeigt sich offen für die Probleme seiner Klientin und beginnt von sich zu erzählen. Seine Familie wisse nichts von seinem Job und glaube, er arbeite auf einer Bohrinsel. Seine Arbeit sieht er positiv, denn die Begegnung mit Menschen schaffe ihm große Befriedigung. Behutsam versucht er Nancys Sinne zu stimulieren, aber diese reagiert auf jede körperliche Annäherung abweisend und fängt an über ihre Kinder zu reden, von denen sie offenbar ausgesprochen wenig hält. …. bitte lesen Sie hier weiter: „Meine Stunden mit Leo“ – ein herrlich anständiger Sex-Film
 Goyas letzte Palette
Neben Vermeer, Tizian , Turner, Friedrich und Monet gehört Francisco de Goya y Lucientes zu meinen ganz großen Lieblingen unter den europäischen Malern. Kein Wunder also, dass es mich bei meinem letzten Besuch in Madrid auf die Calle Alcalá und dort in die Königliche Akademie der Schönen Künste von San Fernando (Real Academia de Bellas Artes de San Fernando) gezogen hatte. Goya war einst daselbst als königlicher Hofmaler stellvertretender Direktor für Malerei. In einem der unendlich vielen Säle entdeckte ich ein Kuriosum, welches mich völlig unvorbereitet emotional berührte: in einem ovalen Rahmen aus geschnitzten und vergoldeten Lorbeerblättern war Goyas letzte Palette zu sehen, sorgfältig von den Farbresten seines zuletzt gemalten Bildes gereinigt. Die Vorstellung, dass ein Daumen dieser begnadeten Künstlerhände durch das Loch auf dem flachen Holzstück vor mir gegriffen hatte und der Ballen auf dem darauf befestigten Metallstück ruhte, während der Maler in einem genialen Schaffensprozess seinen Pinsel über die Leinwand führte, brachte mich ein wenig aus der Fassung. …. bitte lesen Sie hier weiter: Goyas letzte Palette und die Herzogin von Alba
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Vortrefflicher Witz
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard
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