 Jahrzehntelang das Non-Plus-Ultra des heimischen Musikgenusses: die Langspielplatte (Bild von Pexels auf Pixabay)
Die Schallplatte war meine erste Begegnung mit konservierter Musik. Meine Tante war nämlich im Besitz eines Vorkriegsplattenspielers, eines sog. Grammophons, und in den Kindertagen durfte ich nach den langweiligen Kaffekränzchen mich in ihr Schlafzimmer zurückziehen und damit Musik hören. Damals habe ich Bekanntschaft gemacht mit Rudi Schuricke und den Caprifischern sowie mit Zarah Leander, die immer noch wusste, dass einmal ein Wunder geschehen würde – obwohl es schon längst zu spät war. Aber das wirkliche Faszinosum waren die gerillten Schelllackplatten mit den exotischen Namen „Decca“, „Parlophone“ oder „His Masters Voice“, dazu der magische Arm mit der Membran und der Nadel, der sich auf der drehenden Platte langsam nach innen bewegte. Meinen ersten eigenen Plattenspieler bekam ich mit 13 Jahren. Er sah aus wie eine Hutschachtel und konnte die 45er sowie die großen 33er-Langspielplatten abspielen. Mit diesem Gerät der Firma „Philips“ und Mozarts kleiner Nachtmusik begann meine Liebe zur klassischen Musik. …. bitte lesen Sie hier weiter: Geliebte Musikkonserven: Von der Schallplatte zum Live-Stream
 „Kamel“ aus dem Bestiarium des Muhammad ibn Muhammad Shakir Ruzmah-‚i Nathani
Die Menschen des Mittelalters standen staunend vor einer Welt, deren Größe und Komplexität sie nur ahnen konnten, denn weder das Wissen über die Geographie der Erde noch die Fortbewegungsmöglichkeiten waren damals ausreichend um die Phantasievorstellungen von anderen Orten und deren belebter Natur zu überprüfen. Gerüchteweise hatten die Europäer von Tieren in Urwäldern jenseits der sie umgebenden Meere gehört, die sich ihrer Vorstellungskraft entzogen. Neugierde und Sensationslust motivierten Künstler und „Wissenschaftler“ am Beginn des Mittelalters ihrer Phantasie freien Lauf zu lassen und die unbekannten Tiere darzustellen. Der erste Lexikograph war Isidor, Bischof von Sevilla (560 -636), der in seiner 20-bändigen Enzyklopädie „Etymologiarum sive originum“ das Wissen seiner Zeit zusammenstellte. Im zwölften Buch werden die Tiere beschrieben und dieses Werk ist eines der ersten „Bestiarien“ (lat. bestia = das wilde Tier), die im Hochmittelalter, durch Auszüge und Abschriften des Originals, eine Art „Bestseller“ waren. …. bitte lesen Sie hier weiter: Kurios: die zoologischen Phantasien der „Bestiarien“ liebten den Wein
 Max Slevogt: Die Champagnerarie mit Francisco d´Andrade als Don Giovanni (Wikimedia Commons, gemeinfrei)
Sylvester war für mich mal wieder Anlass eine Flasche Cava zu entkorken um auf das Neue Jahr 2021 anzustoßen. Früher einmal war ich ein großer Fan dieses Getränks und habe es sogar, wie in Katalonien so beliebt, als Essensbegleiter verehrt. Im Laufe der Jahre haben sich meine Geschmackssinne und deren Verknüpfungen im Gehirn vermutlich so verändert, dass mir Schaumweine nicht mehr viel zu sagen haben. Es ist nicht lange her, als ich auf einem Empfang ein Glas Champagner in die Hand gedrückt bekam und mich nach dem ersten Schluck verwundert fragte: was für ein langweiliges „Prickelwasser“ das denn sei? Um mich herum wurde dagegen ein Diskurs über Finesse, Perlage, Aroma, Cremigkeit, Frische und Harmonie initiiert, dem ich nur bedingt folgen konnte. Mein erster Gedanke dazu war: typisch Champagner, mehr Schein als Sein! Die begnadeten Marketingexperten zwischen Épernay und Reims haben um den auf Flaschen gezogenen Fehler eines Kellermeisters ein Image aufgebaut, dem Kaiser, Könige und Zaren sowie deren adeliges Fußvolk, in ganz Europa mit Begeisterung auf den Leim gegangen sind. Erfolg wird immer plagiiert und so haben clevere Unternehmer die Welt mit prickelndem Sekt, Cava, Spumante, Crémant und Ähnlichem beglückt, dabei haben sie nicht vergessen ihrem jeweiligen Getränk die magischen Kräfte des Vorbilds, nämlich ein Luxusgut zu ein, anzudichten, dessen Bedeutung für Feiern im großen oder kleinen Kreise nicht überschätzt werden kann. …. bitte lesen Sie hier weiter: Mozart und meine „Freude“ am Champagner
 Fremd bei uns, heimisch in Indien: Hindu-Frauen (Jeder von uns ist fast überall auf der Welt ein Ausländer). Bildausschnitt aus dem „Calwer historischen Bilderbuch der Welt“. Stuttgart & Calw, 1883.
Die eingeschränkte physische Mobilität im sog. „Lock-down“ regt verstärkt zum Denken an: wenn man einer früheren Erhebung der Universität Leipzig Glauben schenken will, muss man sich damit abfinden, dass 27 % der Deutschen die Meinung vertreten, die Bundesrepublik sei durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet. Während in dieser Statistik Antisemitismus in unserem Land nur von etwa 10 % der Befragten gutgeheißen wird geht die Ablehnung von Sinti und Roma sowie Muslimen wesentlich weiter und wird von etwa der Hälfte der Befragten geteilt. Alleine diese paar Zahlen lassen bereits vermuten, dass es in unserem Land tatsächlich ein ernst zu nehmendes Problem mit der Diskriminierung von Mitmenschen gibt. Insbesondere Personen mit Migrationsgeschichte leiden häufiger als die sog. „Einheimischen“ unter Behinderung der Verwirklichung ihrer Freiheiten und Chancen. Man denke nur an die Vergabe von Ausbildunggsplätzen an Jugendliche mit fremdländischen Namen; das gilt gleichermaßen beim Kontakt mit Vermietern bei der Wohnungssuche. Aber nicht nur Migranten und deren Nachkommen werden diskriminiert, die unterschiedlichen Löhne für gleiche Arbeit bei Männern und Frauen …. bitte lesen Sie hier weiter: Gesellschaftliche Diskriminierungen und die eigene Nase
 Die Rose ist die Namensgeberin des Roséweins
Nur noch sehr selten hört man den Begriff „Klarett“ als Bezeichnung eines bestimmten Weintyps. Wo kommt der Name her und was bedeutet er? Der Ursprung ist das lateinische „clarus“, was so viel wie klar, hell, leuchtend oder glänzend bedeutet. Dem lateinischen Wort entsprechend wurde in der Region um Bordeaux in Frankreich ein etwas dunklerer Rosé als „clairet“ bezeichnet. Diesen Weintyp gibt es seit dem Mittelalter und er war damals das Ergebnis eines nur sehr kurzen Kontaktes roter und weißer Schalen mit dem gärenden Most. Aufgrund der relativ hohen Temperaturen während des Gärprozesses, war die „stürmische Gärung“ ausserordentlich intensiv und dauerte meist nur knapp zwei Tage. Dann wurde der junge, rosafarbene Wein sofort von der Maische getrennt und in Fuder, oder andere Behälter gefüllt. Von dort wurde er, nach unterschiedlichen Reifezeiten, an die Kunden in Kannen, kleinen Holzfässern oder großen dickbauchigen Glasflaschen verkauft. …. bitte lesen Sie hier weiter: Verwirrung über den Namen „Klarett“-Wein
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Vortrefflicher Witz
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard
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