 Fremd bei uns, heimisch in Indien: Hindu-Frauen (Jeder von uns ist fast überall auf der Welt ein Ausländer). Bildausschnitt aus dem „Calwer historischen Bilderbuch der Welt“. Stuttgart & Calw, 1883.
Die eingeschränkte physische Mobilität im sog. „Lock-down“ regt verstärkt zum Denken an: wenn man einer früheren Erhebung der Universität Leipzig Glauben schenken will, muss man sich damit abfinden, dass 27 % der Deutschen die Meinung vertreten, die Bundesrepublik sei durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet. Während in dieser Statistik Antisemitismus in unserem Land nur von etwa 10 % der Befragten gutgeheißen wird geht die Ablehnung von Sinti und Roma sowie Muslimen wesentlich weiter und wird von etwa der Hälfte der Befragten geteilt. Alleine diese paar Zahlen lassen bereits vermuten, dass es in unserem Land tatsächlich ein ernst zu nehmendes Problem mit der Diskriminierung von Mitmenschen gibt. Insbesondere Personen mit Migrationsgeschichte leiden häufiger als die sog. „Einheimischen“ unter Behinderung der Verwirklichung ihrer Freiheiten und Chancen. Man denke nur an die Vergabe von Ausbildunggsplätzen an Jugendliche mit fremdländischen Namen; das gilt gleichermaßen beim Kontakt mit Vermietern bei der Wohnungssuche. Aber nicht nur Migranten und deren Nachkommen werden diskriminiert, die unterschiedlichen Löhne für gleiche Arbeit bei Männern und Frauen …. bitte lesen Sie hier weiter: Gesellschaftliche Diskriminierungen und die eigene Nase
 Die Rose ist die Namensgeberin des Roséweins
Nur noch sehr selten hört man den Begriff „Klarett“ als Bezeichnung eines bestimmten Weintyps. Wo kommt der Name her und was bedeutet er? Der Ursprung ist das lateinische „clarus“, was so viel wie klar, hell, leuchtend oder glänzend bedeutet. Dem lateinischen Wort entsprechend wurde in der Region um Bordeaux in Frankreich ein etwas dunklerer Rosé als „clairet“ bezeichnet. Diesen Weintyp gibt es seit dem Mittelalter und er war damals das Ergebnis eines nur sehr kurzen Kontaktes roter und weißer Schalen mit dem gärenden Most. Aufgrund der relativ hohen Temperaturen während des Gärprozesses, war die „stürmische Gärung“ ausserordentlich intensiv und dauerte meist nur knapp zwei Tage. Dann wurde der junge, rosafarbene Wein sofort von der Maische getrennt und in Fuder, oder andere Behälter gefüllt. Von dort wurde er, nach unterschiedlichen Reifezeiten, an die Kunden in Kannen, kleinen Holzfässern oder großen dickbauchigen Glasflaschen verkauft. …. bitte lesen Sie hier weiter: Verwirrung über den Namen „Klarett“-Wein
 Reife Rispentomaten (Foto von Julia auf Pexels)
Ich habe bemerkt, dass ich bislang noch nicht über das, aus meiner Sicht, schönste Gemüse überhaupt geschrieben habe: die Tomate. Was haben Weintrauben und Tomaten eventuell gemeinsam? Auf den ersten Blick überhaupt nichts anderes als ihren guten Geschmack, ihre runde Fruchtform und ihre große Beliebtheit. Sie kommen aus entgegengesetzten Richtungen dieser Welt. Während die Heimat des Weins im Vorderen Orient zu suchen ist, stammt die Tomate aus den Anden-Regionen Südamerikas. Ende des 15. Jahrhunderts brachte Christoph Kolumbus die kleinen Früchte von „Nueva España“, jenseits des großen Atlantischen Ozeans, in seine spanische Heimat mit. Da dieses in Europa unbekannte Gemüse in jenen Tagen eine goldgelbe Farbe hatte nannte man sie zunächst „Goldäpfel“, ein Name, der sich im Italienischen (pomodoro) noch erhalten hat. Ursprünglich war die Skepsis gegenüber der Tomate (abgeleitet von ihrem Namen „xictomatl“ in der Inka-Sprache) sehr groß. Man hielt sie nämlich für die Paradiesfrucht, mit der Eva den Adam verführt haben soll. Angeblich war sie ein Aphrodisiakum und ihr Verzehr daher jungen Mädchen streng untersagt – eine klassische Verbotssituation in der einstigen Männergesellschaft. …. bitte lesen Sie hier weiter: Ist die Tomate noch ein „Goldapfel“?
 Aussichten von dem Landhause des Horaz in den Sabiner Bergen (Jacob Philipp Hackert, 1737 – 1807)
Von Horaz wusste ich bislang nur, dass er ein römischer Dichter zur Zeit des Kaisers Augustus war und Verse in mir nur sehr schwer zugänglichen, daktylischen Hexametern schrieb. Erst in meinem schon sehr fortgeschrittenen Alter schenkte mir ein lieber Freund eine aktuelle Ausgabe der Briefe (Epistulae) in der völlig neuen und zeitgemäßen Übersetzung von Christoph Schmitz-Scholemann (Horaz: „Und zum Glück fehlt mir nichts – nur Du“, Elsinor Verlag, Coesfeld 2020). Diese 115 Seiten habe ich im andalusischen Herbst regelrecht verschlungen. Das Gedankengut eines wahrhaft großen Mannes war in eine Sprache gegossen, die nichts mehr mit der starren literarischen Form des römischen Vorbildes in der Übersetzung von Johann Heinrich Voss aus dem 19. Jahrhundert gemein hatte, sondern spannungsreich und klar ihre Inhalte in einer modernen Sprache übermittelte.
Horaz, sein kompletter Name ist „Quintus Horatius Flaccus“, wobei flaccus „der Schlappe“ bedeutet, ist eines der frühen Beispiele für einen aus einem extrem bildungsfernen Milieu stammenden großen Denker und Schriftsteller: …. bitte lesen Sie hier weiter: Horaz und der Wein – die Übersetzung macht´s!
Die Deutsche Weinakademie (DWA) GmbH, mit Sitz in Bodenheim, ist eine Organisation, die die wissenschaftlichen Aspekte der Themenschwerpunkte Wein und Gesundheit sowie Wein und Gesellschaft bearbeitet. Ihre Gesellschafter sind das Deutsche Weininstitut, der Deutsche Weinbauverband, der Bundesverband der Deutschen Weinkellereien und des Weinfachhandels sowie der Deutsche Raiffeisenverband. In Ihrer monatlich erscheinenden Ärzte-Publikation „Vinomed“ wird, wissenschaftlich begründet, regelmäßig über die obige, vielfältige Thematik informiert. In der November-Ausgabe (2020) wurde dort vom Wissenschaftlichen Beirat der DWA zum Thema „Covid-19 und Wein“ Stellung bezogen. Da diese Publikation nicht allgemein zugänglich ist, der Inhalt des erwähnten Beitrages aber auch für meine Leser von Interesse ist, möchte ich ihn hier wortwörtlich zur Kenntnis bringen:
„COVID-19: WISSENSCHAFTLICHER BEIRAT DER DWA POSITIONIERT SICH KLAR
Seit Beginn der Corona-Pandemie sind viele, teils sehr unseriöse Pressemeldungen zu Wein und COVID-19 veröffentlicht worden. Da die DWA nur Kenntnisse vermittelt, die auf einer wissenschaftlichen Evidenz beruhen, distanziert sie sich klar von unbewiesenen Aussagen. Auf seiner Sitzung am 08. 10. 2020 positionierte sich der Wissenschaftliche Beirat der DWA deutlich dazu und bekräftigte seine bestehenden Leitlinien für einen verantwortungsvollen Weinkonsum, die selbstverständlich auch in Corona-Zeiten gelten. In der dazu formulierten Stellungnahme (1) hielt der Beirat folgende Punkte fest:
- Der Konsum von Wein schützt nicht vor COVID-19.
- Wein sollte nicht getrunken werden, um eine Infektion zu verhindern oder zu behandeln.
- Übermäßiger Alkoholkonsum schwächt das Immunsystem und verringert somit die Fähigkeit des Körpers, mit Infektionskrankheiten umzugehen.
- Unabhängig von Corona empfehlen wir den moderaten Weinkonsum gemäß den Wine in Moderation-Richtlinien. Dies bedeutet, dass der Weinkonsum nicht ein bis zwei Standardgläser (ca. 150 bis 300 ml) pro Tag überschreiten und am besten im Rahmen einer Mahlzeit erfolgen soll. Hingewiesen sei insbesondere auf die Lebenssituationen, in denen auf den Konsum alkoholischer Getränke jeglicher Art gänzlich verzichtet werden sollte
- Ein bis zwei Abstinenztage in der Woche sind empfehlenswert.
Quelle: www.deutscheweinakademie.de
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Vortrefflicher Witz
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard
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