 Reste einer kulturellen und gastrosophischen Blütezeit: das Forum Romanum in Rom (Pixabay)
Entsprechend der geographischen Ausbreitung des Römischen Reiches über die Zeit wandelte sich dessen Küche von ursprünglich sehr einfachen, rustikalen Zubereitungen zu einer höchst raffinierten „haute cuisine“ in den letzten Jahrhunderten des Kaiserreiches. Im Vergleich zur heutigen Situation hatten die römischen Köche und Köchinnen mit einem kaum zu überwindenden Problem zu kämpfen: Kräuter und Gewürze standen nur in sehr beschränktem Maße zur Verfügung und, wenn es sie überhaupt gab, waren sie außerordentlich teuer. Wer auf die Idee kam aus den reichlich vorhandenen Fischen des Mittelmeeres ein flüssiges Gewürz herzustellen ist nicht überliefert, aber es wurde bei Arm und Reich unter dem Namen „Garum“ zum kulinarischen Hit im gesamten Herrschaftsbereich der Römer. Die Herstellung des Garum nahm rasch industrielle Maßstäbe an, die Archäologen berichten uns von Ausgrabungen bei denen große Garum-Manufakturen in Pompeji und Neapolis gefunden wurden. Vermutlich gab es noch sehr viele andere Orte in denen die Würzsoße produziert wurde. Wir müssen uns die Bedeutung des Garum in römischen Haushalten vorstellen etwa wie den obligatorischen Gebrauch von Soja-Soße in manchen asiatischen Ländern. …. bitte lesen Sie hier weiter: Das untergegangene „Garum“
 Leere Gläser als Vorbereitung einer Weinprobe im Freien (Pixabay)
Mit Sinnsprüchen, die der Abwechslung im Leben huldigen, könnte man Bücher füllen. Sie alle gehen irgendwie zurück auf den antiken „Orestes“ des Euripides (ca. 480 – 406 v. Chr.), in dessen lateinischer Übertragung der schlichte Aphorismus „variatio delectat“ (Abwechslung erfreut) zu finden ist. Was damit gemeint sein könnte, das hat uns Hermann Hesse (1877 – 1962) später noch näher erläutert: „ich bin ein Verehrer der Untreue, des Wechsels, der Phantasie. Ich halte nichts davon, meine Liebe an irgendeinen Fleck der Erde festzunageln. Ich halte das, was wir lieben, immer nur für ein Gleichnis. Wo unsere Liebe hängenbleibt und zur Treue und Tugend wird, da wird sie mir verdächtig“ schrieb er um 1917 in „Die Wanderung“. Obwohl ich diese Einsicht seit meiner Jugend immer geteilt habe, sind mir ihre Schattenseiten auch öfter begegnet: unter „der Qual der Wahl“ habe ich bei vielen Gelegenheiten gelitten. Sich für eine unbekannte unter lauter unbekannten Alternativen entscheiden zu müssen, gehört oft genug zu den Stresssituationen des Lebens. Kriterien festlegen um die zur Verwirklichung des eigenen Ziels beste Option zu finden muss zwangsläufig am Beginn eines jeden Entscheidungsprozesses stehen. So ist es beim Einkauf von Kleidung, Lebensmitteln, Büchern und natürlich auch Wein. …. bitte lesen Sie hier weiter: Manchmal ein Dilemma für Konsumenten: die Diversität der Weine
 Kupferstich von William Hogarth (16t97 – 1764): Gin Lane
Die Sonne steht tief im Westen über den Bergkuppen, ihr Licht lässt die Landschaft mit ihren Mandel- und Olivenbäumen golden aufleuchten, ich sitze auf der Terrasse und denke mir, dass es Zeit für einen Gin-Tonic wäre. Genüsslich bereite ich mir das Glas mit Eis und einer Limettenscheibe vor, schütte reichlich Gin dazu und fülle das Ganze mit sehr kaltem Tonic Wasser auf. Bereits der erste Schluck nimmt die angestaute Hitze des Tages aus den Gliedern und ein wohliges Gefühl macht sich breit. Was ich hier tue ist nicht der spezielle Genuss meiner Person sondern eine weit verbreitete Mode der Hedonisten in aller Welt. Um dem Geschmacksbedürfnis der unterschiedlichen Genießer-Soziologien Rechnung zu tragen sind im letzten Jahrzehnt unendlich viele Gin-Marken erschienen, die neben dem klassischen Wacholder lokale Kräuter und Gewürze enthalten. Ja, sogar die Kräuter der Frankfurter „grünen Soße“ sind im Gin verarbeitet worden! Eine ganz ähnliche Entwicklung hat bei den Tonic-Wässern stattgefunden: manche sind gefärbt, andere enthalten zusätzlich zum Chinin verschiedene, weitere Aromen, so dass es eine schier unüberschaubare Kombinationsmöglichkeit zwischen Gin- und Tonic Geschmacksnuancen gibt. …. bitte lesen Sie hier weiter: Die dunkle Geschichte eines großen Trinkvergnügens
 Caspar David Friedrich: Friedhof im Schnee Museum der Bildenden Künste, Leipzig
Den drei Berliner Architekten Karl Hufnagel, Peter Pütz und Michael Rafaelian gebührt der Ruhm eines der imposantesten und aufregendsten – und natürlich auch meist kritisierten – Museen in unserem Land gebaut zu haben, das Museum der Bildenden Künste in Leipzig. Dort befindet sich im zweiten Stockwerk eine kleine, aber dennoch repräsentative Abteilung von Malerei der deutschen Romantik. Diese Bilder ziehen mich magisch an und eine Fahrt nach Leipzig beinhaltet daher immer eine Fahrstuhlfahrt in den 2. Stock des MdbK auf der Katharinenstraße 10. Neben Gemälden von Carus, Richter, Boecklin, Spitzweg und vielen anderen, faszinieren mich ganz besonders zwei Ölgemälde ungefähr gleichen, kleinen Formats. Beide sind von Caspar David Friedrich (1774 – 1840) und betitelt „Friedhof im Schnee“ sowie „Seestück bei Mondschein“. Obwohl es sich um zwei völlig unterschiedliche Sujets handelt liegen beide Bilder inhaltlich sehr nahe beieinander. Beide stammen aus der gleichen Schaffensperiode zwischen den Jahren 1825 und 1927. …. bitte lesen Sie hier weiter: Romantische Malerei in Leipzig
 Hans Holbein der Jüngere. Erasmus von Rotterdam
Eines der ganz großen Portraits der deutschen Renaissance-Malerei stammt von Hans Holbein dem Jüngeren (1498 – 1543) und stellt den einflußreichen, zeitgenössischen Humanisten und Schriftsteller Erasmus von Rotterdam (1469-1536) dar. Erasmus war als Philologe, Theologe und Philosoph mit seinen kirchlichen Reformideen ein Wegbereiter Martin Luthers. Auf dem Portrait (National Gallery, London) wird er vom Künstler ganz bewusst als feinsinniger Gelehrter idealisiert. Sein kultivierter und aufgeklärter Charakter, der aus seinen Gesichtszügen spricht, überträgt sich auf den Betrachter, der sofort Vertrauen in die Person von Erasmus fasst. Oben rechts im Bild erkennt man hinter einem halb aufgezogenen, grünen Vorhang und auf einem kleinen Holzregal an der Wand, eine Art Vanitas-Stillleben: ein paar Bücher, mit offensichtlich unbedeutenden Titeln und eine ganz typisch geformte, aber leere, Weinkaraffe. …. bitte lesen Sie hier weiter: Eine leere Weinkaraffe als „Vanitas“-Symbol
|
Vortrefflicher Witz
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard
|