 Rebgarten in Bordeaux (Château Pape Clemént) als Kultivierungsort für Apiculatuas-Hefen
In vielen Bereichen der Önologie gibt es eine Tendenz zur methodischen Nostalgie: alte, längst ersetzte – weil vermeintlich unzulängliche – Verfahren werden wieder ausgegraben und mit modernen Techniken kombiniert oder in ihrer alten Form einfach nur zum Leben wiedererweckt. Rebbau und Vinifikation sind Bereiche in denen diese Philosophie gegenwärtig Hochkonjunktur hat. Längst ausgestorbene Rebsorten, die Mostgewinnung durch Barfußtreten und die Spontangärung sind nur drei Beispiele für den Historismus beim Weinmachen. Über wiederentdeckte Rebsorten und das barfüßige Traubenpressen sowie die frühe Geschichte der Weinbereitung habe ich mich an dieser Stelle bereits ausgelassen. Jetzt soll es um die „Spontangärung“ gehen! Was ist denn das wird sich mancher Weinliebhaber fragen? Für die etwas älteren Semester unter uns mag diese Frage tatsächlich berechtigt sein, denn bis in die 70-iger Jahre des vergangenen Jahrhunderts gab es nur eine einzige Art der Gärführung und diese beruhte auf den natürlichen Hefen, die auf den Traubenschalen und im Keller vorhanden sind und beim Zusammentreffen mit dem zuckerhaltigen Most temperaturabhängig spontan beginnen, unter Freisetzung von Kohlendioxid, den gewünschten Alkohol zu produzieren. …. bitte lesen Sie hier weiter: Was ist eigentlich „Spontangärung“?
 Fanny Mendelssohn Bartholdy gezeichnet von ihrem späteren Ehemann Wilhelm Hensel (gemeinfrei)
„Materielle Genüsse waren ihr ziemlich gleichgültig: gut Essen und Trinken, Bequemlichkeiten, Toilette. Luxus aller Art waren nicht zu ihrem Leben notwendig; wohl aber Umgang mit gebildeten, klugen Menschen, im kleineren Kreis, und Kunstgenüsse. Ihr Freiheitssinn wurzelte tief in ihrer Natur: gegen den Adel und alle Prätentionen der Geburt und des Geldbeutels verhielt sie sich sehr zurückhaltend.“ Diese Beschreibung der Eigenschaften einer der größten Komponistinnen des 19. Jahrhunderts stammt von ihrem Sohn Sebastian. Die Rede ist von Fanny Hensel, geb. Mendelssohn Bartholdy. Diese Frau traf ich im Leipziger Mendelssohn-Haus, wo für den Besucher ihre Musik und ihre Biografie lebendig werden. In ihr hat sich ein für das Jahrhundert typisches Schicksal erfüllt, dass von einem sehr eigeengten und in seinen Möglichkeiten begrenzten Frauenbild geprägt war. Fanny war die ältere Schwester von Felix, Tochter eines Bankiers und Enkelin des großen, jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn. Erstaunlicherweise war gerade dieser Mann ein Wegbereiter der jüdischen Aufklärung und zu Lebzeiten von Fanny bereits ein weltberühmter Philosoph. Die „Epoche der Vernunft“, in die Fanny hineingeboren worden war, begehrte für alle Bürger das Recht auf Selbstbestimmung und Emanzipation.
…. bitte lesen Sie hier weiter: Keine „femme libre“: die Musikerin Fanny Hensel
 6er-Packung von Tortas de Aceite Ines Rosales
Als ich Ende der 60-iger-Jahre zusammen mit meinem Freund „Ecki“ meine allererste Reise auf die Iberische Halbinsel unternahm, herrschten dort noch faschistische Diktatoren, was uns beide aber damals nur sehr wenig kümmerte. Was in der Erinnerung an diese Reise blieb, war die pittoreske Armut des Landes. Da wir kein Spanisch und so gut wie kein Spanier Deutsch oder Englisch sprachen, blieb unser Kontakt mit der Bevölkerung auf deren Beobachtung vom Straßenrand beschränkt. Viel Geld hatten wir nicht und daher mussten wir auch an unserer Ernährung Abstriche machen. Ich hatte damals in Spanien die wunderbaren Dosen der Marke „Palacio de Oriente“ mit weißem „Bonito“, einer besonderen Thunfischart, – im Englischen „scipjack-tuna“ genannt – entdeckt und zu meinem täglichen Mahl erkoren. Daneben konnte man in kleineren „Comestibles“-Läden gelegentlich in glänzendes, fettabweisendes Papier verpackte „Tortas de Aceite“ der Ines Rosales kaufen, die den Kohlehydratanteil meiner Reisenahrung und gleichzeitig einen großartigen Nachtisch darstellten. …. bitte lesen Sie hier weiter: Tortas de Aceite – eine Gaumen-Verführung aus Andalusien
 Für einen pensionierten Eisenbahner geschaffener (und geschmacklich fragwürdiger) Jubiläums-Humpen (Pixabay)
Unsere Trinkkultur hat über die Jahrhunderte in ihrer Entwicklung ein kleines Wunder vollbracht: die Größe der Trinkgefäße hat sich sehr genau an den vorgesehenen Inhalten orientiert. Schnapsgläser sind kleiner als Weingläser und diese wiederum kleiner als Bierkrüge. Setzt man den Alkoholgehalt der jeweiligen Getränke in Relation zum potentiellen Inhalt der Behältnisse, kommt man zu dem Schluss, dass in allen ungefähr die gleiche Menge Alkohol vorhanden ist. Deswegen können Gesundheitsbehörden bei ihren Trinkempfehlungen heute von „Alkoholeinheiten“ reden und meinen damit jeweils ein entsprechendes Glas. Einzig und allein die Biergläser machen eine häufige Ausnahmen von der Regel. Das berühmte bayerische „Maß“ – 1-Liter-Standardgröße, z.B. beim Münchner Oktoberfest – enthält dreimal so viel Bier wie die klassische Einheit von 0,3 Litern. Das mag mit der Soziologie der Biertrinker zusammenhängen, bei denen häufig mehr der Akt des Trinkens und die konsumierte Alkoholmenge als der Genuss des Getränks im Vordergrund stehen. Neben der außergewöhnlichen „bayerischen Maß“ mit ihrem historisch festgelegten 50 Kubikzoll-Inhalt (genau genommen 1,07 Liter) gibt es, sozusagen als „Reichsantwort“ den ebenso großen, deutschen „Humpen“ (gelegentlich auch „Seidel“ genannt) , über den ich im Folgenden berichten möchte. …. bitte lesen Sie hier weiter: Lasst Euch nicht lumpen, hoch mit dem Humpen!
 Edward Jenner, der Vater der ersten Pockenschutzimpfung in Schottland.
Eines der größten Probleme der gegenwärtigen Gesundheitspolitik ist die große Zahl der Verweigerer der Covid-19-Impfung. Knapp ein Drittel der bundesdeutschen Bevölkerung lassen sich nicht impfen und die Politik kapituliert vor dieser Tatsache. Das wird gelegentlich als „Staatsversagen“ apostrophiert und manche reden gar von einem „Kulturkampf“ zwischen Geimpften und Ungeimpften. Da werden von den Impfgegnern wieder Begriffe wie „persönliche Freiheit und Selbstbestimmung“ sowie „Menschenrechte und Menschenwürde“ ins Feld geführt. Das erinnert doch sehr an die bekannten Forderungen der „Aufklärung“ am Beginn des 19. Jahrhunderts! Die Medizin erlebte genau zu dieser Zeit einen bedeutsamen Paradigmenwechsel und um zu verstehen welchen Einfluss dies noch auf unser heutiges medizinisches Denken hat, lohnt sich ein Blick auf die Geschichte. Seit Jahrhunderten galt die antike „Säftelehre“ als Grundlage allen medizinischen Handelns. Diese sog. Humoralpathologie gründete sich auf das ausgewogene oder gestörte Verhältnis der vier Grundsäfte des Körpers „sanguis“ (Blut), dcholera (gelbe Galle), „melancholia“ (schwarze Galle) und „phlegma“ (Schleim). Krankheit bedeutete ein Vorherrschen eines oder mehrerer dieser vier Elemente. Die Behandlung der Krankheiten bestand entsprechend immer aus dem „Ausleiten“ des jeweils im Übermaß vorhandenen Saftes. …. bitte lesen Sie hier weiter: Sind Impfgegner Neo-Romantiker?
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Kreativität und Wein In meinem „önosophischen Blog“ widme ich mich im weitesten Sinne kulturellen Themen und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Weingeniessers gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum versuchen die unterschiedlichen Thematiken meiner Beiträge auszudrücken, wobei mir der Wein gelegentlich schöpferisch zu Hilfe kommt.
Wein trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene) , wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung der beiden Schlegels ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können natürlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein. „Vortrefflichen Witz“ hat auch Antonio Machado, Spaniens bedeutendster Lyriker des 20. Jahrhunderts mit einem wunderschönen, schnörkellosen Gedicht zustande gebracht (meine holprige Übersetzung bitte ich zu entschuldigen):
Un vino risueño me dijo el camino
Yo escucho los áureos consejos del vino
Que el vino es a veces escala de ensueño.
Abril y la noche y el vino risueño
Cantaron en coro su salmo de amor
Ein lächelnder Wein wies mir den Weg
Ich vernahm seine goldenen Ratschläge
Denn der Wein ist manchmal eine Stufe zu den Träumen.
Der April, die Nacht und der lächelnde Wein
Sangen gemeinsam ihren Psalm der Liebe
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog und an unserer kleinen und exklusiven Auswahl spanischer Weine haben.
Peter Hilgard
Wir meinen, Wein ist eine Kultur des moderaten Genusses
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