 Edward Jenner, der Vater der ersten Pockenschutzimpfung in Schottland.
Eines der größten Probleme der gegenwärtigen Gesundheitspolitik ist die große Zahl der Verweigerer der Covid-19-Impfung. Knapp ein Drittel der bundesdeutschen Bevölkerung lassen sich nicht impfen und die Politik kapituliert vor dieser Tatsache. Das wird gelegentlich als „Staatsversagen“ apostrophiert und manche reden gar von einem „Kulturkampf“ zwischen Geimpften und Ungeimpften. Da werden von den Impfgegnern wieder Begriffe wie „persönliche Freiheit und Selbstbestimmung“ sowie „Menschenrechte und Menschenwürde“ ins Feld geführt. Das erinnert doch sehr an die bekannten Forderungen der „Aufklärung“ am Beginn des 19. Jahrhunderts! Die Medizin erlebte genau zu dieser Zeit einen bedeutsamen Paradigmenwechsel und um zu verstehen welchen Einfluss dies noch auf unser heutiges medizinisches Denken hat, lohnt sich ein Blick auf die Geschichte. Seit Jahrhunderten galt die antike „Säftelehre“ als Grundlage allen medizinischen Handelns. Diese sog. Humoralpathologie gründete sich auf das ausgewogene oder gestörte Verhältnis der vier Grundsäfte des Körpers „sanguis“ (Blut), dcholera (gelbe Galle), „melancholia“ (schwarze Galle) und „phlegma“ (Schleim). Krankheit bedeutete ein Vorherrschen eines oder mehrerer dieser vier Elemente. Die Behandlung der Krankheiten bestand entsprechend immer aus dem „Ausleiten“ des jeweils im Übermaß vorhandenen Saftes. …. bitte lesen Sie hier weiter: Sind Impfgegner Neo-Romantiker?
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 Krieg ist keine Indianer-Romantik und erfordert Bewältigung von den Verlierern (Bild: Pixabay)
Zwei Anlässe haben mir in den letzten Monaten mal wieder ein Thema nahegebracht, mit dem ich mich vor Jahren schon einmal intensiv beschäftigt hatte: der Spanische Bürgerkrieg zwischen 1936 und 1939. In seinem großartigen Buch „Die Nacht der Erinnerungen“ ( La Noche de los Tiempos) beschreibt Antonio Muñoz Molina den Irrsinn des Bürgerkrieges im Detail und als Leser ist man von den Gräuel, die Menschen des gleichen Volkes sich gegenseitig antun konnten, angewidert und man frägt zum x-ten Male wie so etwas in Europa passieren konnte.. Nach dem Krieg, regierten die Faschisten als Sieger das Land noch über 40 Jahre lang und verhinderten, vermutlich ganz bewusst aus eigener Scham, die Aufarbeitung und emotionale Verarbeitung der Kriegsgeschehnisse. Selbst die Wende (Transición) nach dem Tod des Diktators Francisco Franco hin zur Demokratie und dem Rechtsstaat hat zunächst keine Änderung der offiziellen Haltung gegenüber der jüngsten Vergangenheit gebracht. Heute forciert die sozialistische Minderheitsregierung die sog. „Memoria historica“, die Erinnerung an die Geschichte. …. bitte lesen Sie hier weiter: Spaniens Umgang mit seiner jüngeren Geschichte
 So sah und empfand Francisco de Goya (1746 – 1828) vermutlich die Angst
In meinem frühen Leben war die Vernunft männlich und stand auf zwei Beinen. Sie war mein Vater, unter dessen Wahlsprüchen sich u.a. „Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste“ befand. Da sich meine Hände in der Kindheit vielfach sehr ungeschickt verhalten haben, wusste ich welche Tiraden der schieren Verzweiflung ein auf dem Fußboden zerbrochener Porzellanteller bei meiner Mutter auslösen konnte. Der Hinweis meines Vaters auf die Porzellankiste war für mich seinerzeit also sehr nachvollziehbar! Als ich während meiner Arbeit in England einmal auf Englisch den Hinweis auf den Umgang mit der Porzellankiste anbrachte, haben sich meine Kollegen schiefgelacht und mich verspottet: „That is typical of the German Angst“! Zugegeben, ich hatte bis dato noch nie etwas über eine spezifisch deutsche Angst gehört. Im Laufe der Zeit wurde mir aber das Fünkchen Wahrheit hinter dieser Aussage bewusst. Das Verhalten der deutschen Regierung in der Corona-Krise war zum Beispiel geprägt von eben jener „German Angst“. Während Regierungen und Bürger der meisten europäischen Länder viel entspannter als Deutschland mit ihren Infektionszahlen umgingen, bekamen die Mahnungen zur Vorsicht in unserem Land laute Stimmen. Wer schmunzelte nicht, wenn Karl Lauterbach in einer der vielen Talk-Shows seine rheinisch gefärbten Aufforderungen zur Vorsicht an die Verantwortlichen Funktionäre formulierte? Ich glaube , dass Lauterbach und seine vielen im Geiste Verbündeten in Politik, Medizin und Wissenschaft die Illusion hatten, dass eine effektive staatliche Kontrolle der Pandemie die sichere Apokalypse verhindern könne. Dieses Missverständnis gab es schon vielfach in der deutschen Politik. …. bitte lesen Sie hier weiter: German Angst
 Ist der Gebrauch von Barriques auch eine Manipulation des Weins?
Als passionierter Weingenießer und Öko-Winzer über Gentechnik zu schreiben scheint ein intellektueller und emotionaler Fauxpas sondergleichen zu sein. Trotzdem gibt es gute Gründe die Scheuklappen kurz abzulegen und sich wieder einmal mit der Thematik „Gentechnik und Wein“ ernsthaft auseinanderzusetzen. Bei genauem Hinsehen reduziert sich die wohlbekannte Kritik an der Gentechnik auf die Bereiche, in denen gentechnisch veränderte Organismen (gvO) in die Umwelt gelangen (z.B. der Freilandanbau von genetechnisch manipulierten Nutzpflanzen wie Soja, Tomaten, Mais, Raps etc. = „grüne Gentechnik“). Dem gegenüber steht die „weiße Gentechnik“, die vorwiegend gentechnisch veränderte Pilze oder Bakterien zur industriellen Produktion von Wirkstoffen für die Medizin und Pharmazie nutzt und dabei keine gvO in Bereiche außerhalb der jeweiligen Produktionsstätten bringt. Im diesem Fall sind die gvO Mittel zum Zweck, ein Beispiel dafür ist das von Diabetikern dringend benötigte Humaninsulin. Im Falle der grünen Gentechnik sind die gvO selbst der Zweck, d.h. optimierte Pflanzen, die der Ernährung des Menschen diesen. Es gibt noch deutlich mehr Bereiche in denen der Gentechnik eine große Zukunft vorausgesagt wird („graue und rote Gentechnik“), die ich aber in diesem Zusammenhang nicht erwähnen möchte.
Beim Versuch das Für und Wider der jeweiligen Gentechnik-Sparten aufzuzeigen, stellt sich das ganze Dilemma der unterschiedlichen Betrachtungsweisen dar. Sieht man zunächst einmal nur den Nutzen der „weißen und der „grünen“ Gentechnik, liegt er für die Medizin – wie erwähnt – auf der Hand. Neue, gentechnisch erzeugte Arzneistoffe können …. bitte lesen Sie hier weiter: Hedonistische Gentechnik bei der Vinifikation
 Auch für Dilettanten gültig: Schriftzug über dem Eingang zur Frankfurter Alten Oper
Mit dieser Tatsache muss ich leben: ich habe keine richtige Begabung für die Musik. So traurig das klingt: ich kann keine Noten lesen, ich spiele kein Instrument, kann nicht einmal singen, wiedererkenne nur schwerlich eine einmal gehörte und etwas komplexere Melodie und bin ein lausiger Tänzer. Aber ich liebe die Musik über alles, und das schon sehr lange! Dass ich mich als kompletter Laie dennoch immer wieder an die Peripherie der Musikwissenschaften herantraue, mögen mir die akademischen Schriftgelehrten verzeihen und dabei meine Herangehensweise gerne als dilettantisch einstufen. Hoffentlich erinnern sie sich dann aber auch daran, dass Dilettantismus einst überhaupt keine negative Bedeutung hatte und lediglich eine Beschäftigung bezeichnete, die in der Kunst (oder ggf. auch in der Wissenschaft) reine Liebhaberei sah, die den Betroffenen ausschliesslich zum Vergnügen diente. Der Dilettant hatte in seinem Fach keine Ausbildung und heute würden wir vielleicht den Begriff Amateur für ihn oder sie verwenden, was ja nichts anderes als Liebhaber (lat.: amator) besagt. …. bitte lesen Sie hier weiter: Önologischer und musikalischer Dilettantismus
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Vortrefflicher Witz
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard
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