Keine „femme libre“: die Musikerin Fanny Hensel

Fanny Mendelssohn Bartholdy gezeichnet von ihrem späteren Ehemann Wilhelm Hensel (gemeinfrei)

„Materielle Genüsse waren ihr ziemlich gleichgültig: gut Essen und Trinken, Bequemlichkeiten, Toilette. Luxus aller Art waren nicht zu ihrem Leben notwendig; wohl aber Umgang mit gebildeten, klugen Menschen, im kleineren Kreis, und Kunstgenüsse. Ihr Freiheitssinn wurzelte tief in ihrer Natur: gegen den Adel und alle Prätentionen der Geburt und des Geldbeutels verhielt sie sich sehr zurückhaltend.“ Diese Beschreibung der Eigenschaften einer der größten Komponistinnen des 19. Jahrhunderts stammt von ihrem Sohn Sebastian.  Die Rede ist von Fanny Hensel, geb. Mendelssohn Bartholdy. Diese Frau traf ich im Leipziger Mendelssohn-Haus, wo für den Besucher ihre Musik und ihre Biografie lebendig werden. In ihr hat sich ein für das Jahrhundert typisches Schicksal erfüllt, dass von einem sehr eigeengten und in seinen Möglichkeiten begrenzten Frauenbild geprägt war. Fanny war die ältere Schwester von Felix, Tochter eines Bankiers und Enkelin des großen, jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn. Erstaunlicherweise war gerade dieser Mann ein Wegbereiter der jüdischen Aufklärung und zu Lebzeiten von Fanny bereits ein weltberühmter Philosoph. Die „Epoche der Vernunft“, in die Fanny hineingeboren worden war, begehrte für alle Bürger das Recht auf Selbstbestimmung und Emanzipation.

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Tortas de Aceite – eine Gaumen-Verführung aus Andalusien

6er-Packung von Tortas de Aceite Ines Rosales

Als ich Ende der 60-iger-Jahre zusammen mit meinem Freund „Ecki“ meine allererste Reise auf die Iberische Halbinsel unternahm, herrschten dort noch faschistische Diktatoren, was uns beide aber damals nur sehr wenig kümmerte. Was in der Erinnerung an diese Reise blieb, war die pittoreske Armut des Landes. Da wir kein Spanisch und so gut wie kein Spanier Deutsch oder Englisch sprachen, blieb unser Kontakt mit der Bevölkerung auf deren Beobachtung  vom Straßenrand beschränkt. Viel Geld hatten wir nicht und daher mussten wir auch an unserer Ernährung Abstriche machen. Ich hatte damals in Spanien die wunderbaren Dosen der Marke „Palacio de Oriente“ mit weißem „Bonito“, einer besonderen Thunfischart, – im Englischen „scipjack-tuna“ genannt – entdeckt und zu meinem täglichen Mahl erkoren. Daneben konnte man in kleineren „Comestibles“-Läden gelegentlich in glänzendes, fettabweisendes Papier verpackte „Tortas de Aceite“ der Ines Rosales kaufen, die den Kohlehydratanteil meiner Reisenahrung und gleichzeitig einen großartigen Nachtisch darstellten.  ….  bitte lesen Sie hier weiter: Tortas de Aceite – eine Gaumen-Verführung aus Andalusien

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Lasst Euch nicht lumpen, hoch mit dem Humpen!

Für einen pensionierten Eisenbahner geschaffener (und geschmacklich fragwürdiger) Jubiläums-Humpen (Pixabay)

Unsere Trinkkultur hat über die Jahrhunderte in ihrer Entwicklung ein kleines Wunder vollbracht: die Größe der Trinkgefäße hat sich sehr genau an den vorgesehenen Inhalten orientiert. Schnapsgläser sind kleiner als Weingläser und diese wiederum kleiner als Bierkrüge. Setzt man den Alkoholgehalt der jeweiligen Getränke in Relation zum potentiellen Inhalt der Behältnisse, kommt man zu dem Schluss, dass in allen ungefähr die gleiche Menge Alkohol vorhanden ist. Deswegen können Gesundheitsbehörden bei ihren Trinkempfehlungen heute von „Alkoholeinheiten“ reden und meinen damit jeweils ein entsprechendes Glas. Einzig und allein die Biergläser machen eine häufige Ausnahmen von der Regel. Das berühmte bayerische „Maß“ – 1-Liter-Standardgröße, z.B. beim Münchner Oktoberfest –  enthält dreimal so viel Bier wie die klassische Einheit von 0,3 Litern. Das mag mit der Soziologie der Biertrinker zusammenhängen, bei denen häufig mehr der Akt des Trinkens und die konsumierte Alkoholmenge als der Genuss des Getränks im Vordergrund stehen. Neben der außergewöhnlichen „bayerischen Maß“ mit ihrem historisch festgelegten 50 Kubikzoll-Inhalt (genau genommen 1,07 Liter) gibt es, sozusagen als „Reichsantwort“ den ebenso großen, deutschen „Humpen“ (gelegentlich auch „Seidel“ genannt) , über den ich im Folgenden berichten möchte.  ….  bitte lesen Sie hier weiter: Lasst Euch nicht lumpen, hoch mit dem Humpen!

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Sind Impfgegner Neo-Romantiker?

Edward Jenner, der Vater der ersten Pockenschutzimpfung in Schottland.

Eines der größten Probleme der gegenwärtigen Gesundheitspolitik ist die große Zahl der Verweigerer der Covid-19-Impfung. Knapp ein Drittel der bundesdeutschen Bevölkerung lassen sich nicht impfen und die Politik kapituliert vor dieser Tatsache. Das wird gelegentlich als „Staatsversagen“ apostrophiert und manche reden gar von einem „Kulturkampf“ zwischen Geimpften und Ungeimpften. Da werden von den Impfgegnern wieder Begriffe wie „persönliche Freiheit und Selbstbestimmung“ sowie „Menschenrechte und Menschenwürde“ ins Feld geführt. Das erinnert doch sehr an die bekannten Forderungen der „Aufklärung“ am Beginn des 19. Jahrhunderts! Die Medizin erlebte genau zu dieser Zeit einen bedeutsamen Paradigmenwechsel und um zu verstehen welchen Einfluss dies noch auf unser heutiges medizinisches Denken hat, lohnt sich ein Blick auf die Geschichte. Seit Jahrhunderten galt die antike „Säftelehre“ als Grundlage allen medizinischen Handelns. Diese sog.  Humoralpathologie gründete sich auf das ausgewogene oder gestörte Verhältnis der vier Grundsäfte des Körpers „sanguis“ (Blut), dcholera (gelbe Galle), „melancholia“ (schwarze Galle) und „phlegma“ (Schleim). Krankheit bedeutete ein Vorherrschen eines oder mehrerer dieser vier Elemente. Die Behandlung der Krankheiten bestand entsprechend immer aus dem „Ausleiten“ des jeweils im Übermaß vorhandenen Saftes.  ….  bitte lesen Sie hier weiter: Sind Impfgegner Neo-Romantiker?

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Spaniens Umgang mit seiner jüngeren Geschichte

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Krieg ist keine Indianer-Romantik und erfordert Bewältigung von den Verlierern (Bild: Pixabay)

Zwei Anlässe haben mir in den letzten Monaten mal wieder ein Thema nahegebracht, mit dem ich mich vor Jahren schon einmal intensiv beschäftigt hatte: der Spanische Bürgerkrieg zwischen 1936 und 1939. In seinem großartigen Buch „Die Nacht der Erinnerungen“ ( La Noche de los Tiempos) beschreibt Antonio  Muñoz Molina den Irrsinn des Bürgerkrieges im Detail und als Leser ist man von den Gräuel, die Menschen des gleichen Volkes sich gegenseitig antun konnten, angewidert und man frägt zum x-ten Male wie so etwas in Europa passieren konnte..  Nach dem Krieg, regierten die Faschisten als Sieger das Land noch über 40 Jahre lang und verhinderten, vermutlich ganz bewusst aus eigener Scham, die Aufarbeitung und emotionale Verarbeitung der Kriegsgeschehnisse. Selbst die Wende (Transición) nach dem Tod des Diktators Francisco Franco hin zur Demokratie und dem Rechtsstaat hat zunächst keine Änderung der offiziellen Haltung gegenüber der jüngsten Vergangenheit gebracht. Heute forciert die sozialistische Minderheitsregierung die sog. „Memoria historica“, die Erinnerung an die Geschichte.  ….  bitte lesen Sie hier weiter: Spaniens Umgang mit seiner jüngeren Geschichte

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