 Ausschnitt aus dem Gemälde von Murillo „Die Hochzeit von Kana“ (Wickimedia Commons, gemeinfrei)
Der große spanische Maler des Barock, Bartolomé Esteban Murillo, wurde 1618 in Sevilla geboren. Anlässlich seines 400sten Geburtstages hat man in seiner Geburtsstadt in den Sälen der von ihm selbst mitgegründeten Akademie der Schönen Künste (Real Academia de Bellas Artes de Santa Isabel de Hungría) eine repräsentative Ausstellung seiner Werke gezeigt. Dabei handelte es sich im Wesentlichen um die Darstellungen religiöser Sujets, die aber in zeitgenössische Alltagssituationen projiziert waren. Daher entpuppte sich die ganze Ausstellung als eine faszinierende Schau des barocken Lebens in der Stadt Sevilla, die zu Murillos Zeiten eines der führenden Handelszentren der iberischen Halbinsel war. Die engen Verbindungen der andalusischen Stadt zu den amerikanischen Kolonien sorgten damals dort für eine weltoffene und stimulierend kosmopolitische Atmosphäre.
Dass auch Luxus und Wohlstand Bestandteil dieser Gesellschaft waren, zeigte Murillos Bild „die Hochzeit zu Kana“ (Joh.2,1-12). Der Inhalt dieser Geschichte aus dem Neuen Testament ist schnell zusammengefasst: …. bitte lesen Sie hier weiter: Der Maler Murillo als Zeuge der Geschichte des Weins
 Alkoholisierter Elephant? Aus dem Calwer historischen Bilderbuch, Tafel 60, 1883
Von uns Menschen wissen wir nur zu genau, dass die Bedeutung des Trinkens und auch des Essens weit über die Bereitstellung von Nährstoffen für den täglichen Kalorienbedarf hinaus geht. Essen und Trinken sind wesentliche Bestandteile der Lebensfreude und des Genusses. Beinahe so alt wie die Menschheit selbst ist die Erkenntnis, das zucker- oder stärkehaltige Flüssigkeiten bei warmer Temperatur vergären können und danach noch höheren Lustgewinn erzeugen. Bei exzessivem Genuss alkoholischer Getränke entstehen Rauschzustände, die die Konsumenten „angeheitert, torkelnd und kommunikativ“ erscheinen lassen. Wir glauben vielfach, dass diese Alkohol-bedingten Rauschzustände etwas sehr spezifisch Menschliches seien und, dass komplette Nüchternheit nur bei Tieren vorkommen würde. Dass dies mitnichten so ist zeigen zwei willkürlich ausgewählte Beispiele:
Manche Vögel lieben den Traubenmost – sowohl in seinem fruchtigen Original, wie in seinem vergorenen Zustand. So sehr, dass Schwärme von Vögeln im Herbst die Trauben ganzer Weinberge gierig in ihren Schnäbeln verschwinden und die Weinbauern ohne Ernte dastehen lassen. Als Ergebnis von Gärprozessen finden sich Spuren von Alkohol praktisch immer bereits in den reifen Trauben und zeigen damit den Vögeln an, dass die Beeren zum Verzehr geeignet sind. Sie benötigen in ihrer Nase das biologische „o.k.” des vergorenen Mostes um sich dem Genuss hingeben zu können. …. bitte lesen Sie hier weiter: Darwins Abstammungslehre und der Alkoholgenuss
 Der individuelle Fruchtgeschmack wird u.a. durch Thiol-Verbindungen vermittelt. Bild von suju auf Pixabay
Chemisch betrachtet sind Thiole (vom griechischen “ theío“ = Schwefel) organische Verbindungen, die den Alkoholen ähneln, aber statt des Sauerstoffatoms ein Schwefelatom enthalten, daher werden sie auch als Thioalkohole bezeichnet. Sie sind ein ganzer Strauß von chemisch leicht abgewandelten Molekülen, die sehr geruchsintensiv sein können und z. B. verantwortlich für den aggressiven Duft der Stinktiere (Mephitidae), ebenso wie für den der Zwiebel und den des Knoblauchs sind. Wegen der geruchlichen Missempfindung, die diese Substanzen beim Menschen erzeugen können, werden sie auch im Gaswerk dem Haushaltsgas als olfaktorisches Warnsignal beigemengt. Auch der charakteristische Geruch von Milchprodukten, einschließlich des überreifen Käses, wird von Thiolen mitbestimmt. Andererseits können Thiole auch sehr positive Geruchsempfindungen auslösen, man denke nur an die Grapefruit-, Zitronen- und Limettenaromen beim Sauvignon Blanc und der Scheurebe. Die Passionsfrucht- und Muskat-Aromen der Traminer-Familie sowie die schwarze Johannisbeere beim Cabernet Sauvignon sind ebenfalls durch spezifische Thiole mit bedingt. Auch Feuersteinaromen, die im Wein gelegentlich den Eindruck von großer Mineralität vermitteln können (z.B. beim „Fino“ aus Jerez de la Frontera), sind strukturell wiederum Thiole.
…. bitte lesen Sie hier weiter: Was Thiole im Wein alles bewirken.
 Die 7 Hauptsünden. Von Hieronymus Bosch oder Nachahmer – www.museodelprado.es : Home : Info : Pic, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1170708
Im Madrider Prado hängen unendlich viele Meisterwerke der europäischen Kunstgeschichte und eines davon ist die 120 x 150 cm große Tischplatte mit der auf das Holz gemalten Darstellung der „Sieben Hauptsünden“ und der „vier letzten Dinge“ vermutlich von Hieronymus Bosch (1450? – 1516) oder einem namenlosen – aber offensichtlich talentierten – Zeitgenossen gemalt. Philip II. von Spanien soll dieses Objekt für sein Schlafzimmer im Escorial gekauft haben. Später hat man es den „Tisch der Weisheit“ genannt. Darauf sieht man folgende Szenen: innerhalb eines Strahlenkranzes in der Mitte des Bildes, der einer riesigen Iris entsprechen könnte und in deren blauer Pupille sich ein Christus-Bild spiegelt, steht geschrieben „Cave, cave, Dominus videt“. (Sieh dich vor, Gott sieht alles). Rings um dieses Gottesauge ordnen sich sieben Darstellungen je einer der im Mittelalter definierten Todsünden (Hauptsünden) an.
Jedem Bild ist die schriftliche lateinische Erklärung seines Inhaltes beigegeben. „Superbia“ = Hochmut, Stolz, Eitelkeit, „Avaritia“ = Geiz,Habgier, Habsucht, „Luxuria“ = Wollust, Ausschweifung, Genusssucht, Unkeuschheit, „Ira“ = Zorn, Jähzorn, Wut, Rachsucht, „Gula“ = Völlerei, Gefräßigkeit, Maßlosigkeit, Selbstsucht, „Invidia“ = Neid, Eifersucht, Missgunst und „Acedia“ = Feigheit, Ignoranz Überdruss Trägheit des Herzens. …. bitte lesen Sie hier weiter: Passt die Welt des Hieronymus Bosch noch zum Zeitgeist?
 Geliebt und verehrt: buttrige Nuancen im Weißwein.
Verehrer weißer Burgunder können beim Gedanken an die buttrigen Töne im Glas ins Schwärmen geraten. Es duftet nach frisch gebackenem Croissant unterlegt mit fruchtigen und kräutrigen Noten. In dem Strauß der komplexen Aromen stechen dezent Töne von Vanille und Buttercreme hervor. Eine symphonische Geruchs- und Geschmacksdichtung der ganz besonderen Art! Aber leider geht es auch ganz anders: manch ein Chardonnay stinkt unangenehm nach ranziger bzw. karamellisierter Butter, was als eindeutiger Weinfehler eingestuft werden muss. Hier gilt wieder die alte Regel der Pharmakologie „die Dosis bestimmt die Wirkung“. Im Falle des Butter-Aromas reden wir aus Sicht der Chemiker vom sog. „Diacetyl“. Diese relativ einfache chemische Substanz, ein sog. Di-Keton, ist ein Stoffwechselprodukt, welches während der durch Saccharomyces cerevisiae oder in noch viel höherem Maße durch Milchsäurebakterien induzierten Gärung entsteht und für den Geschmack nach den typischen gerösteten Buttertönen verantwortlich ist und zwar sowohl in Weiß- als auch in Rotweinen. …. bitte lesen Sie hier weiter: Butter im Wein?
|
Vortrefflicher Witz
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard
|