 Dank DMDC kann die Süße der Trauben im Wein bleiben
Unter kriminalistischen Aspekten könnte man bei der Chemikalie „Dimethyldicarbonat“ (DMDC) von der perfekten Mordwaffe sprechen. Nachdem sie ihre abscheuliche Wirkung getan hat, verschwindet sie spurlos aus der Welt und ist auch mit subtilen Methoden nicht mehr nachweisbar. Die Opfer von DMDC sind Gärhefen in Fruchtmosten und -säften, also auch im Wein und seinen verwandten Produkten wie Cooler, Sekt, Likörweinen u.v.m. Das DMDC dringt in die Hefezellen ein und zerstört dort wichtige Proteine bzw. Enzyme. Die Substanz, selbst eine Flüssigkeit, reagiert zusammen mit Wasser und zerfällt in den Alkohol Methanol und das Gas Kohlendioxyd („Kohlensäure“). So lange sich das Molekül DMSC im Originalzustand befindet ist es ein starkes Fungizid (Pilzvernichtungsmittel) und Entkeimungsmittel, tötet also Hefen und Bakterien und Schimmelpilze im Produkt, dem es zugegeben wurde. In der Originalform ist es auch giftig für dem Menschen! Das entstandene Methanol wird, bei richtiger Dosierung von DMDC, in so geringen Mengen gebildet, dass es den natürlich vorhandenen Methanolgehalt im Most bzw. im Wein nur unwesentlich erhöht und toxikologisch völlig unbedenklich bleibt. …. bitte lesen Sie hier weiter: Was ein „Verschwindestoff“ im Wein alles bewirken kann
 Hector Berlioz, Karikatur von Étienne Carjat, veröffentlicht in Le Boulevard 1863 (Wikimedia Commons, gemeinfrei)
Was ist eigentlich „Programmmusik“? Um die Antwort auf diese Frage wirklich verstehen zu können sollte man sich vielleicht den Begriff der „absoluten Musik“ vergegenwärtigen. Diese ist frei von Geschehnissen, die außerhalb der Musik liegen, d.h. dass der Komponist in seiner Musik keine konkrete Geschichte erzählen oder Bilder erzeugen will und die Interpretation seines Werkes alleine dem Zuhörer überlässt. Die großen Sinfonien Beethovens, Schuberts, Brahms´, Bruckners und meist auch Mahlers sind Protagonisten der absoluten Musik. Denen gegenüber steht die „Programmusik“ mit einem Inhalt, der jenseits des musikalischen Ausdrucks liegt und im jeweiligen Titel des Stückes beschrieben wird. Der Erzromantiker Franz Liszt hat die Gattung der „Sinfonischen Dichtung“ als Bezeichnung seiner inhaltlich mit Programm versehenen Musik in die Konzertsäle gebracht, beispielsweise die Stücke „Les Préludes“, die „Faust-Sinfonie“ und „Hungaria“. Diese stehen auch am Anfang einer musikalischen Entwicklung, die in Frankreich mit Berlioz und später Debussy, Franck, Dukas und Saint-Saëns als „Programmmusik“ einen künstlerischen Höhepunkt erreicht hat (siehe u.a. im blog hier). Mittels musikalischer Nachahmung von Geräuschen und Tönen aus einem völlig anderen Kontext oder der sog. „Tonmalerei“, in der visuelle Wahrnehmungen dem …. bitte lesen Sie hier weiter: Aufwühlend: „der Tod der Kleopatra“ von Hector Berlioz
 Alkohol-Entsorgung während der Prohibition im Straßengully unter den Augen der Polizei (Foto: Wikimedia, gemeinfrei)
Im Dezember 1917 verabschiedete der amerikanische Kongress das 18. Amendment (den 18. Verfassungszusatz) mit einer Zweidrittelmehrheit, allerdings gegen das Veto des Präsidenten Woodrow Wilson. Es sollte noch zwei Jahre dauern, bis das Gesetz alle parlamentarischen Hürden genommen hatte: am 16. Januar 1920, also vor ziemlich genau 100 Jahren, trat es offiziell in Kraft. Die vielen Organisationen und Verbände, die jahrzehntelang für ein generelles Alkoholverbot in den USA gekämpft hatten, schienen am Ziel angelangt zu sein. Die „Herstellung, der Verkauf und Transport sowie die Ein- und Ausfuhr berauschender Getränke“ war ab sofort verfassungswidrig. In den Vereinigten Staaten hatte die Prohibition begonnen. Der schon von den „Mayflower“-Pilgrim Fathers importierte englische Puritanismus hatte in der amerikanischen Gesellschaft einen vermeintlichen Sieg errungen, aber eben nur einen „vermeintlichen“. Das nicht nur von Soziologen als „The Noble Experiment“ bezeichnete Alkoholverbot war von Anfang an zum Scheitern verurteilt, denn es gab überhaupt keine effiziente staatliche Kontrollmöglichkeit zu seiner Durchsetzung. …. bitte lesen Sie hier weiter: Ein fragwürdiges Jubiläum: der Beginn der Prohibition in den USA
 Die ursprünglichen Trauben waren vermutlich immer rote
War es der Hochmut der deutschen Weinfreunde in der Vergangenheit, dass sie alles was irgendwie mit der Trauben-Frucht zusammenhing mit dem Präfix „Wein-“ versahen und dies der Sprache aufgezwungen haben? Die Frucht wird Wein-Traube genannt und wo sie am Wein-Stock wächst sind die Wein-Berge. Die Wein-Flaschen werden im Wein-Keller im Wein-Regal gelagert und schließlich aus einem Wein-Glas getrunken. Unsere geographischen Nachbarn jenseits der Landesgrenzen haben diese linguistische Präzision nicht: beispielsweise sind die Traube schlichtweg „uva/grape/grappe/grappolo“, der Weinkeller ist „bodega/cellar/cave/cantina“ und die Weinlese „vendimia/vintage/récolte/vendemmia“ jeweils auf spanisch, englisch französisch und italienisch. Steht hinter diesem Sprachphänomen der deutsche Hang zur Genauigkeit im Ausdruck oder die sprachliche Huldigung des von Menschenhand mühsam erzeugten Endproduktes mit seiner langen Geschichte? Über deren Anfänge, die von Historikern im Nahen Osten vermutet werden, werde ich im Folgenden ein wenig nachdenken. …. bitte lesen Sie hier weiter: Von der Wildtraube zur europäischen Weinkultur
 Lopez de Heredia: Traditionelle Werte beim Wein und bei der Architektur
Eine Legende besagt, dass ein Enkel des Sintflutschiffers Noah in den frühen Tagen der Menschheit einst mit einer kleinen Gefolgschaft in einem Boot von Osten kommend das Mittelmeer überquerte. Vor der Küste Spaniens, an der Ebromündung, erlitten sie Schiffbruch und stürzten in den geheimnisvollen Fluss. Als sie der Strömung auf wundersame Weise wieder entstiegen, waren sie in der heutigen Rioja, wo die Schönheit der Landschaft die fremden Seeleute derart in Erstaunen versetzte, dass sich einige von Ihnen entschlossen hier zu bleiben, während der Rest weiter in die Kantabrischen Berge und ins Baskenland zog. Diese Mär soll vermutlich zeigen, dass die Vergangenheit der Rioja bis in biblische Zeiten zurückreicht.
Wer heute an einem lichten Frühsommer- oder pastellfarbenen Herbsttag durch das Ebrotal zwischen Haro und Logroño reist, wird den Entschluss der biblischen Männer leicht nachvollziehen können. Dem Reiz der Landschaft kann man sich nicht entziehen und es scheint wie ein Wunder, dass die Rioja, im Gegensatz zu anderen großen Weinbaugebieten dieser Welt, vom Massentourismus noch nicht völlig verunstaltet ist. Vielleicht haben wir dies dem …. bitte lesen Sie hier weiter: Ein Essay über die Ursprünge der Rioja und ihrer Weine
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Vortrefflicher Witz
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard
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