 Die klassische GAGGIA, wie sie auch in vielen spanischen Café-Bars anzutreffen ist (Foto: Gaggia S.p.A., Milano)
„Por favor, un café solo!”. Diese Worte lösen beim Barista seine sofortige Hinwendung zur großen, chromglänzenden GAGGIA-Kaffeemaschine aus. Was kurz danach vor einem auf dem Tresen steht ist aber kein Espresso sondern die spanische Variante davon, eben der café solo: mehr Flüssigkeit, weniger „Crema“ und geschmacklich deutlich milder und weicher. Spanischer Kaffee schmeckt anders als der Maschinenkaffee in unseren Breitengraden. Forscht man nach den Gründen für diese Unterschiede landet man bei der Prozedur des Kaffeeröstens, also jenes Vorganges, der aus einer rohen Kaffeebohne durch deren mehr oder weniger starkes Erhitzen am Ende einen helleren oder einen dunkleren Kaffee hervorbringt. In Spanien wird zusätzlich noch das sog. „Torrefacto“-Verfahren angewandt. Dabei wird während der Röstung Zucker beigefügt, die Kaffeebohnen werden also regelrecht karamellisiert. Dieser Torrefacto-Kaffee wird dann mit Kaffee aus konventioneller Röstung gemischt und als „mezcla“ (Mischung) in einem marktüblichen Verhältnis von etwa 20 % Torrefacto- und 80% normalgerösteten Bohnen in den Verkehr gebracht. Fast immer werden Arabica-Bohnen mit Anteilen von Robusta für spanischen Kaffee verwandt. Durch das „Torrefacto“-Verfahren (span.: torrefacto = geröstet) wird die Säure im Kaffee geschmacklich deutlich reduziert und die Bittertöne werden weitgehend neutralisiert. Ein zusätzlicher Vorteil der Karamellisierung der Kaffeebohnen ist deren längere Haltbarkeit und die Bewahrung der Kaffeearomen durch die „Versieglung“ der Kaffeebohnenoberfläche durch die Karamellschicht – im warmen, mediterranen Klima nicht ganz unbedeutend! …. bitte lesen Sie hier weiter: Café español, Spanien, dein Kaffee!
 Wiesenblumen im Sommerwind
Wie sein baltischer Komponistenkollege Arvo Pärt (geb. 1935) aus Estland ist der lettische Komponist Pēteris Vasks (geb. 1946) ein großer Verehrer langsamer Tempi. In „ZEIT-online“ vom 28.04.2009 wird er mit folgenden Sätzen zitiert: „In meinen Werken stehen die schnellen Sätze immer für das Aggressive, Brutale, für die dunkle Seite der Menschheit. Das Ideale kommt langsam, piano, als Gesang. Ganz wenige meiner Werke enden im Fortissimo. Meine Musik ist der Choral. Ich komponiere am liebsten stille Musik.“ Stille Musik ist auf den ersten Blick natürlich ein Wiederspruch in sich, ganz ähnlich dem Begriff „tönende Stille“. Entgegen aller Vernunft gibt es ihn aber. Die Dynamik, d.h. die Stärke eines Tons vom „piano“ zum „forte, bzw. in der Steigerung vom „pianissimo“ zum „fortissimo“, ist eine der intensivsten Möglichkeiten zur Gestaltung eines Musikstückes durch den Solisten und/oder Dirigenten. Ein wunderbares Beispiel dafür und für die musikalische Darstellung der Stille findet sich gleich zu Beginn von Anton Weberns (1883 – 1945) farbenfrohem, symphonischen Gedicht „Im Sommerwind“: die Musik steigt pianissimo aus dem stillen Nichts, wie die Morgensonne aus der Dämmerung.
Weißt du, sinnende Seele,
Was selig macht?
Unendliche Ruhe!
So heißt es in dem Poem von Bruno Wille (1860 – 1928) „Im Sommerwinde“, welches die Vorlage für Weberns Musik war. Mir gefällt an diesen Zeilen besonders der Begriff der „sinnenden Seele“ als …. bitte lesen Sie hier weiter: Betrachtungen zum Thema „Musik, Stille und Todesweh“
 Die Kalifenstadt Madinat az-Zahra bei Cordoba war auch der Wohnsitz von Almansor (Foto-Quelle: Cordobapedia)
Der Traum von der „Convivencia“, dem friedlichen Zusammenleben verschiedener Religionsgemeinschaften war im maurischen al Andalus, wenigstens zeitweise, annähernd verwirklicht. Das Kalifat von Cordoba erreichte unter der Herrschaft der Umayyaden einen spektakulären kulturellen Höhepunkt , existierte aber nur knapp über hundert Jahre und war 1031 beendet. Einer seiner Totengräber war der ehrgeizige Kämmerer des minderjährigen Thronfolgers al-Hakam II. namens Abu Amir Muhammad ibn Abdallah ibn Abi Amir al-Mansur, im christlichen Spanien Almansor genannt. Nachdem er das Militär reformiert und mit meist streng Islamorthodoxen Berbern aus Nordafrika verstärkt hatte, begann er eine militärische Expansion sondergleichen. In mehr als 50 Feldzügen gegen den christlichen Norden des Landes wurden dessen Dörfer und Städte überfallen, geplündert und teilweise verwüstet. 981 wurde die Stadt Zamora zerstört und zum unbewohnten Grenzland zwischen al Andalus und den christlichen Königreichen erklärt. Erst unter Ferdinand I. wurde sie ein Jahrhundert später wieder aufgebaut und neu besiedelt. …. bitte lesen Sie hier weiter: Historische Wurzeln des Islamismus auch in Spanien?
 Ein erotischer Hit, der mein Leben umkrempelte
Ich hatte mir im Internet ein antiquarisches Taschenbuch bestellt und als es schließlich kam fand ich es in einem Umschlag vor, zusätzlich stoßsicher eingewickelt in die Seiten einer alten Tageszeitung . Gerade wollte ich den Verpackungsmüll in den Papierkorb verfrachten, da fiel mein Blick auf eine kleine Überschrift auf einer Zeitungsseite: „Jane Birkin gestorben“. Warum erfahre ich dies erst jetzt und nur rein zufällig, war diese Sängerin nicht eines der ganz großen Idole meiner Jugend? „Je t’aime, moi non plus“ war eine der intimen Hymnen in meiner sexuellen Befreiung. Die gestöhnte Lust der jungen Engländerin und die ermunternd gehauchten Worte Ihres Lebensgefährten Serge Gainsbourg waren für mich einer der Schlüssel in die sinnliche Welt des Sex. Es mag das Weihnachsfest 1970 gewesen sein als sich die gesamte Familie auf dem Landsitz meiner Großeltern versammelte, um die „stille und heilige Nacht“ gemeinsam zu begehen. Ich hatte die Platte von Jane Birkin mitgebracht …. bitte lesen Sie hier weiter: Spätes Gedenken: Jane Birkin

 Blick von Troldhaugen in nördlicher Richtung
Wir sitzen auf dem Deck eines kleinen Passagierschiffes und fahren von Ålesund durch die Buchten und breiten Fjorde an der norwegischen Küste und biegen schließlich in den schmalen Geirangerfjord ab. Die Kulisse wird dramatisch: hohe, beinahe senkrecht in die Höhe steigende Felswände säumen unseren Weg durch das Wasser. Ich stelle den offiziellen Touristenführer im Kopfhörer ab und suche mir in einem Streamingdienst Griegs Klavierkonzert. Da ist es: ein ganz leise beginnender Paukenwirbel schwillt schnell zu einem explosionsartigen Höhepunkt den das Klavier mit im fortissimo abstürzenden Akkorden unterbricht und mir die gewaltige Landschaft in der ich mich gerade befinde, bewusst macht. Die Holzbläser stellen das Hauptthema des ersten Satzes vor und ich erkenne im Zusammenspiel von Klavier und Orchester die Wasserfälle mit ihren im Sonnenlicht glitzernden Schleiern aus Sprühwasser, die grünen Büsche an den Steilwänden, die weißen Schaumkronen auf dem Wasser und die Schneereste oben auf den Bergen. Später im zweiten, Adagio bezeichneten, Satz spielen die Streicher eine wunderbar eingängige, verträumte Melodie, die vom Klavier aufgegriffen wird und meinen Blick in den blauen Himmel richtet. Das helle Stahlblau steht im Kontrast zu dem schattigen und kühlen Fjord-Ambiente, durch das unser Boot steuert. Die Gedanken verlieren sich in der Unendlichkeit des Raumes, bis Klavier und Orchester im Dialog sie energisch zurück auf das Schiff bringen. Anschließend gehen wir musikalisch wieder an Land, in ein Dorf, wo die Leute feiern und tanzen. Zu Beginn des dritten Satzes sind die Anklänge an den „Halling“, einem norwegischen Springtanz deutlich zu hören. Danach wird es wieder still und der Duft einer Sommerwiese breitet sich aus. Dann wird der Tanz erneut aufgenommen und mit Kraft und Energie zu Ende gebracht. …. bitte lesen Sie hier weiter: Edvard Grieg – Musik und Landschaft
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Etwas über uns … Im Blog "Spaniens Weinwelten" hat der Journalist und Weinkritiker Thomas Götz unter dem Titel „Los Barrancos – der Wein, der Vogel und die schönen Künste“ unser „Vogel-Projekt“ sachkundig beschrieben und kommentiert.
Und hier "Spanischer Biowein, Buchlesung und Kaminfeuer auf Langeoog“ finden Sie zusätzliche Informationen über unsere Aktivitäten.
Kreativität und Wein
In meinem „önosophischen Blog“ widme ich mich im weitesten Sinne kulturellen Themen und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Weingeniessers gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum versuchen die unterschiedlichen Thematiken meiner Beiträge auszudrücken, wobei mir der Wein gelegentlich schöpferisch zu Hilfe kommt.
Wein trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene) , wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung der beiden Schlegels ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können natürlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein. „Vortrefflichen Witz“ hat auch Antonio Machado, Spaniens bedeutendster Lyriker des 20. Jahrhunderts mit einem wunderschönen, schnörkellosen Gedicht zustande gebracht (meine holprige Übersetzung bitte ich zu entschuldigen):
Un vino risueño me dijo el camino
Yo escucho los áureos consejos del vino
Que el vino es a veces escala de ensueño.
Abril y la noche y el vino risueño
Cantaron en coro su salmo de amor
Ein lächelnder Wein wies mir den Weg
Ich vernahm seine goldenen Ratschläge
Denn der Wein ist manchmal eine Stufe zu den Träumen.
Der April, die Nacht und der lächelnde Wein
Sangen gemeinsam ihren Psalm der Liebe
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog und an unserer kleinen und exklusiven Auswahl spanischer Weine haben.
Peter Hilgard
Wir meinen, Wein ist eine Kultur des moderaten Genusses
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