Obwohl der Protagonist des Films „Hello I am David“ nur Coca-Cola und Tee trinkt ist es einer der schönsten Streifen, den ich in den letzten Jahren gesehen habe. Wie kein anderes Werk vermittelt er tiefe Einsichten über das Wesen der Musik. Unter den Künsten ist Musik ja die komplexeste, denn sie ist mit den Dimensionen unserer Wahrnehmungswelt alleine nicht zu verstehen. Während Malerei, Skulptur, Literatur und Poesie sich vermeintlich erlebbare Welten vorzustellen versuchen basiert die Musik nur auf Zeit und Gefühl und bleibt, trotz physikalisch messbarer Töne, immer abstrakt. Dies gilt in besonderem Maße für die „reine“ Musik, die ohne Gesangstext oder sonstigem Programm auskommen muss. Musik sind Klänge und Rhytmen, die in einem, vom Komponisten stammenden, mystischen Verhältnis zueinander stehen. Dies nachzuempfinden und dem Zuhörer deutlich zu machen ist die Aufgabe des musikalischen Interpreten. In ihm oder in ihr muss also ein Teil der Seele des Komponisten, dem Schöpfer des Musikstückes, zum Leben erweckt werden. Dass dies primär ein emotionaler Prozess sein muss zeigt nichts eindrucksvoller als das Klavierspiel von David Helfgott. …. bitte lesen Sie hier weiter: David Helfgott: Einsichten in das Wesen der Musik
Meine beiden Großeltern väterlicherseits stammten aus der Pfalz. Die Großmutter war aus „Lautre“ (Kaiserslautern) und mein Großvater war bekennender Bad Dürkheimer. Ich verbrachte als Kind unzählige Wochenende bei Ihnen auf ihrem Anwesen. In der Erinnerung an diese Tage ist mir, neben vielen Natur- und Landschaftserlebnissen, insbesondere die Küche meiner Großmutter geblieben. Sie ist noch heute das Maß aller kulinarischen Dinge in meinem Leben und immer wieder krame ich ihre Gerichte aus meinem sensorischen Gedächtnis hervor, um sie mit dem was mir die heutige Sterneküche gelegentlich bietet, zu vergleichen. Meistens schneidet meine Großmutter besser ab. Bis auf eine Ausnahme: die Weinsuppe. Die Misere fing schon mit der verbalen Einleitung meines Großvaters zum Mahl an. Genüsslich erzählte er allen am Tisch, dass in der Suppenschüssel eine ganze Flasche eines Forster Ungeheuers sei (für alle die es nicht wissen: das Forster Ungeheuer ist eine berühmte Reblage zwischen Deidesheim und Bad Dürkheim). Ich hatte damals gerade das Märchen der Brüder Grimm vom Geist im Glas gehört und nahm selbstverständlich an, dass das Ungeheuer in der Suppe etwas ganz ähnliches war. Ich wollte partout nichts davon zu mir nehmen. Erst als alle anderen davon gegessen hatten und die Teller leer waren ohne, dass etwas Fürchterliches passiert war, habe ich auch einen Löffel probiert. Es war eine „ungeheuerliche“ Tortur …. bitte lesen Sie hier weiter: Ein langer Weg zum Genusserlebnis: die Weinsuppe
Ziemlich genau vor einem Jahr hat der Chef und Önologe von Artadi, Juan Carlos López de la Calle verlauten lassen, dass sich ddie Bodega aus dem Kontrollorgan der Herkunftsbezeichnung „D.O.Ca. Rioja“ zurückziehen werde. Ich hatte an dieser Stelle darüber berichtet („Zerbricht die Einheit der D.O.Ca. Rioja?“). Vordergründig war der Streitpunkt die unzureichenden Möglichkeiten die Weine der Rioja nach Lagen zu charakterisieren. Artadi war bekanntlich Vorreiter der Einzellagen-Weine und Namen wie Valdeginés, La Poza de Ballesteros, El Carretil, Pagos Viejos, Grandes Añadas und Viña El Pisón haben sich tief im sensorischen Gedächtnis vieler Weinfreunde verankert. Schon bisher waren all diese Weine – auch über ihre teilweise sehr hohen Flaschenpreise – immer gut zu erkennen und kein Genießer hat sich meines Wissens je über mangelnde Kennzeichnung auf den Etiketten beklagt.
…. bitte lesen Sie hier weiter: Baskischer Nationalismus in der Flasche?
Insbesondere unter Weißweinfreunden ist das Thema „malolaktische Gärung“ (=biologischer Säureabbau) ein heiß dikutiertes. Bevor ich mich zu einem eigenen Diskussionsbeitrag verleiten lasse möchte ich ganz kurz umreißen was die Begriffe eigentlich bedeuten. Wie jeder Weinfreund weiß, spielen in der Weinbereitung Mikroorganismen eine ganz wesentliche Rolle. Die chemische Umwandlung von den Traubenzuckern Fruktose und Glucose zum Alkohol (Äthanol) ist das Herzstück der Gärung und wird von Hefen vom Stamm des Saccharomyces cerevisiae bewirkt. Wenn dieser Prozess, der ja vorwiegend im kalten Winter stattfindet, abgeschlossen ist und die Außentemperaturen wieder steigen, setzt spontan die „malolaktische Gärung“ (im Fogenden der Einfachheit halber „Malo“ genannt) ein, die die stechende „Äpfelsäure“ (lat. malum = Apfel) im Jungwein in die deutlich mildere „Milchsäure“ (lat. lactis = Milch) unter erneuter Kohlensäurebildung überführt. Verantwortlich dafür sind verschiedene Bakterien, die man zusammenfassend wegen ihres Endproduktes auch „Milchsäurebakterien“ nennt (u.a. auch der Oenococcus oeni). Diese stammen entweder aus dem Lesegut oder sind schon über die Jahre im Weinbereitungskeller heimisch geworden …. bitte lesen Sie hier weiter: Biologischer Säureabbau: ja oder nein?
Es war ein ca 1,3 Meter hohes Beton-Ei in einem versteckten Winkel der Kellerei von Chateaux Calon Segur was sich auf einer Reise in die Region von Bordeaux 2011 in mein Gedächtnis gebrannt hat. Man experimentiere damit, lautete die lapidare Erklärung des Gastgebers. Dass man in solchen 600-Liter-Behältnissen Wein machen konnte hörte ich damals zum ersten Mal. Mittlerweile habe ich sogar schon in Betoneiern ausgebaute Weine getrunken und genossen. Man gab mir zu verstehen, dass der Werkstoff Beton einige physikalische Ähnlichkeiten mit dem Eichenholz der Barriques habe, allerdings ohne Holzgeschmack abzugeben. Die feinen Poren erlaubten eine kontrollierte Sauerstoffzufuhr während des Ausbaus und der Reifung sowohl von Weiß- als auch von Rotweinen. Die Temperaturverhältnisse innerhalb des Eies bewahrten die Primärfrucht des Mostes und leicht zu reinigen seien sie, im Gegensatz zu den kleinen Holzfässern, auch. …. bitte lesen Sie hier weiter: Beton-Eier als Barrique-Ersatz?
|
Vortrefflicher Witz
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard
|