 Palacio de Pimentel, Geburtshaus Philips II. in Valladolid
 Die Fassade der Kirche San Pablo, Valladolid
Terra castellorum, „Burgenland“, nannte man im Mittelalter das Land, das heute – davon abgeleitet – Kastilien heißt. Im Gegensatz zum österreichischen Bundesland gleichen Namens, wo es überhaupt keine Burgen gibt, ist das spanische Kastilien tatsächliche ein Eldorado für Liebhaber von Burgen als lebendige Kulturdenkmäler. Burgen sind Wehrsiedlungen hinter deren Mauern Menschen Schutz vor feindlichen Kriegern bzw. anderen Aggressoren suchten und sich entsprechend verteidigen konnten. Ihre Baustile und ihre Gestaltungen spiegelten nicht nur den jeweiligen Zeitgeist, sondern in hohem Maße auch die Bedürfnisse und Lebensgewohnheiten ihrer einstigen Bewohner wider. Häufig waren Burgen auch Herrensitze von adeligen Familien, die sich dann sogar nach dem Namen der Burg oder nach deren Standort nannten. Der Tatsache, dass Kastilien lange Zeit das Grenzland zum maurischen Al-Andalus war und sich den Angriffen der Muslime erwehren musste, ist die große Anzahl der Burgen in diesem Landstrich geschuldet. Andererseits gab es immer wieder lange Friedensperioden, in denen sich maurische und kastilische Kultur gegenseitig befruchten konnten. Noch lange nach der Eroberung von Al-Andalus durch die Christen (1492) wurde der Mudejarsstil, d.h. der von arabisch-stämmigen Architekten entworfene, maurische Baustil, vorwiegend in den kleineren kastilischen Städten und Burgen gepflegt. Er zeichnete sich durch gerade Linien, klare Kanten und eine sehr ästhetische, beinahe spirituelle, Schlichtheit aus. Man findet ihn innerhalb der Städte bei Wohnhäusern oder Kirchen verwirklicht und gelegentlich eben auch bei Burgen, die nach 1492 allerdiungs vorwiegend zu repräsentativen Zwecken von begüterten Familien gebaut wurden. …. bitte lesen Sie hier weiter: Ein Blick in die Seele Kastiliens
 Einzug der Mitglieder des sog. Vorparlaments in die Frankfurter Paulskirche, Holzstich, 1896 mit späterer Kolorierung
Ich sitze in einem Straßen-Café auf dem Frankfurter Paulsplatz, schlürfe einen Espresso, betrachte die unzähligen Touristen, die mit Bussen an- und abfahren und denke an das Paulskirche-Bild im nahegelegenen Frankfurter Historischen Museum. Darauf sieht man den mit schwarz-rot-goldenen Fahnen geschmückten Platz, auf dem am 18. Mai 1848, die Mitglieder des sog. Vorparlaments, eskortiert von Militärformationen, in die Kirche, ihren Tagungsort, ziehen. Die mir gegenüberliegende, heutige Paulskirche sieht zwar ähnlich aus wie auf dem kolorierten Holzschnitt, aber eben nicht ganz: es fehlt die Kuppel über dem Plenarsaal, den im Inneren zu restaurieren man sich nach dem 2. Weltkrieg erst garnicht die Mühe gab. Bereits von 1947 bis 1948 wurde das Gebäude nach alten Plänen durch spärlich fliessende Spenden der Bürger aus dem ganzen Land wieder aufgebaut. Warum die Eile? Die Geschichte der Paulskirche als erste Heimat einer demokratisch legitimierten, deutschen Nationalversammlung sollte, zusammen mit dem von ihr erarbeiteten Katalog der „Grundrechte des deutschen Volkes“, die ideelle Basis der neu gegründeten Bundesrepublik Deutschland werden, und die Pauskirche war deren sichtbares Symbol. …. bitte lesen Sie hier weiter: Paulskirchen-Jubiläum: auch ein Gedenken des Scheiterns?
 Stille in der morgendlichen Natur
Wenn es nach der Anzahl von internationalen Auszeichnungen oder Ehrenpreisen ginge, müsste man annehmen, dass Arvo Pärt (geb. 1935) aus Estland der bedeutendste Komponist unserer Zeit sei. Ein Urteil darüber steht mir nicht an, aber ich gebe zu, dass seine Musik für mich der Einstieg in die faszinierende Welt der Neuen Einfachheit war. Die zwanzig Minuten seiner Klavierkomposition „Für Alina“ , man denkt bei dieser Überschrift unweigerlich an Beethovens „Für Elise“, mit der die Alina aber überhaupt nichts zu tun hat. Dafür enthält sie vieles von dem, was Pärts Musik ausmacht: Einfachheit, Glockenklang („Tintinnabuli-Stil“). Stille, Meditation, Schönheit, klangliche Kontraste und maximale Freiheit des Interpreten. Gleichzeitig ist „Für Alina“ der Prototyp minimalistischer Musik und ich spüre die Verpflichtung in mir die asketische Klarheit dieser Musik nicht kaputtzuschreiben, d.h. durch meine erklärende Worte zu zerstören. Pärt selbst schrieb über das Stück „Für Alina“: …. bitte lesen Sie hier weiter: Die Stille in der Musik von Arvo Pärt
 Beton-Ei im Versuchskeller der LWG (aus der im Text zitierten Publikation der LWG, Veitshöchheim)
Als langjähriger Beobachter der Szene habe ich im Laufe der Jahre bei Produktion und Vermarktung von Wein viele Trends kommen und wieder gehen sehen und darüber berichtet. Mein heutiges Thema, der Gebrauch von Beton-Eiern bei der Vinifikation, ist zwar nicht mehr brandneu, aber dennoch eine Nische geblieben, die von einigen wenigen Winzern enthusiastisch aufgegriffen wurde. Von was reden wir beim Beton-Ei? Es ist ein Behälter mit einem Fassungsvermögen von etwa 500-1.000 Litern aus einem besonderen Beton, der ohne Innenverkleidung in der Form eines großen Eies produziert wird und als Ersatz für das Barrique zur Reifung des Weins dienen soll. Die Porosität des Betons soll durch seine kontrollierte Durchlässigkeit für Luft, ähnlich dem Holz, für eine dosierte Oxydation des Weins sorgen, ohne den Holzgeschmack des Barriques zu vermitteln. Das Fehlen von Ecken innerhalb des Eis sollte dessen Reinigung erheblich vereinfachen. Beton ist ausserdem ein guter Thermosbehälter. …. bitte lesen Sie hier weiter: Der betonierte Wein
 Thanatos und Eros auf dem Friedhof von Hamburg-Ohlsdorf. Foto: Christine Behrens in der Zeitschrift für Trauerkultur Ausgabe Nr. 85, II, 2004
Die geistige und emotionale Verzahnung von Musik mit dem Tod (dem mythologischen „Thanatos“) ist ein von fast allen Komponisten bearbeitetes Feld. Fast immer ist die Trauer das große Thema und damit steht nicht der Tod im Focus sondern die Hinterbliebenen des oder der Verstorbenen. Die Toten selbst trauern natürlich nicht mehr, es ist der Verlust ihrer Gegenwart der die „zurückgelassene“ Gemeinde schmerzt. Wir sprechen daher von „Trauermusik“, die dazu dienen soll die Trauer leichter zu verarbeiten. Eine gewisse Popularität haben in diesem Zusammenhang die sog. „Trauermärsche“ gewonnen, unter denen diejenigen von Richard Wagner, Frederic Chopin, Ludwig van Beethoven und Franz Schubert besonders hervorstechen und auch bei politisch motivierten Beerdigungsfeiern ge- bzw. miss-braucht werden und wurden. Der schier unendlich große Schatz von klassischen Trauerliedern wird von den verschiedenen komponierten „Ave Marias“ angeführt. Aber auch die Popmusik verfügt über ein großes Arsenal von Liedern mit der gleichen Intention. Das schönste ist, meiner Meinung nach, „Candle in the Wind“ von Elton John in der Version von 1997, das er der verstorbenen Prinzessin Diana gewidmet hatte.
…. bitte lesen Sie hier weiter: Thanatos und Eros in Musik und Wein
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Vortrefflicher Witz
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard
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