Aus Bolivien (?) für die Welt: süße und scharfe Paprika
Der Begriff „Nachtschattengewächse“, zu denen so beliebte Nahrungsmittel wie die Tomate, die Kartoffel, die Aubergine und die Paprika gehören, regt die Phantasie an. Die Herkunft des erstaunlichen Namens dieser Pflanzenfamilie ist nicht eindeutig geklärt. Er lässt aber vermuten, dass Aberglaube und Magie bei der Namensgebung eine Rolle gespielt haben könnten. Schon im Mittelalter war nämlich der „schwarze Nachtschatten“ (mittelhochdeutsch: nahtschade), der fast überall auf der Welt auf Brachland wächst, ein begehrtes Genuss- und Heilmittel. Das darin enthaltene Solanin, ein Alkaloid, konnte allerdings beim Verzehr der Blätter oder der tiefblauen Beeren erhebliche Magenbeschwerden verursachen und sogar von Todesfällen wurde berichtet. Aber insbesondere die in jenen Tagen besonders gefürchtete, magische Kraft der Hexen konnte durch die Einnahme von schwarzem Nachtschatten gebrochen werden! Wenn danach die Nebenwirkungen der Behandlung überwiegten waren es, im Glauben der Betroffenen, noch die Reste des erfolgreich kupierten Hexenzaubers.
Ein sehr spezifisches „Terroir“ in der Nähe von Toledo (Alt-Kastilien)
Über das sog. „Terroir“ habe ich an dieser Stelle schon vielfach geschrieben. Zu definieren, was der Begriff beinhaltet war eigentlich nie besonders schwer: (1) die Zusammensetzung des Bodens, (2) die klimatischen Besonderheiten und (3) die Gewohnheiten der Winzer ihre Rebstöcke zu pflanzen und zu pflegen sind die klassischen Trias der „Terroir“-Definition. Aber das wirkliche Problem ist, dass diese drei Begriffe nur theoretisch die besonderen olfaktorischen und gustatorischen Charakteristika eines Weines erklären können. Dem kritischen Genießer musste allerdings schon immer klar gewesen sein, dass es wesentlich mehr Geruchs- und Gechmacks- als mögliche „Terroir“ -Variationen gibt. Zu dieser wichtigen Frage haben bereits 2014 amerikanische Wissenschaftler in den renommierten „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (Jan 2014, 111 (1) 5-6) eine plausible Antwort gegeben. Um ihre Arbeit in einen allgemein verständlichen Zusammenhang zu bringen seien mir vorab einige wenige erklärende Sätze zur Thematik gestattet:
In den grauen, kontrastlosen Wintermonaten unserer nördlichen Geographie entsteht bei vielen Menschen die Sehnsucht nach Licht und Farbe. Nur ein paar Flugstunden entfernt, im Süden Spaniens, findet der Besucher genau das, nämlich das großartige Licht auf dem Alhambrahügel und in der Stadt Granada. Seit diese zu meiner zweiten Heimat geworden ist bin ich zu vielen unterschiedlichen Stunden des Tages durch die Gassen gestreift, nur um um die Augen auf zu machen, zu sehen und zu empfinden. Da ich nicht über die Begabung verfüge, diese großartigen Licht-Eindrücke selbst adäquat zu beschreiben, möchte ich eine kleine, sehr subjektive Auswahl von Schriftstellern aus den beiden vergangenen Jahrhunderten zu Worte kommen lassen, die dies plastisch und teilweise auch berührend geschafft haben. …. bitte lesen Sie hier weiter: Gegen den November-Blues: das Licht von Granada
Markt in Peschawer (Indien): Hier wurden u.a. auch die Gewürze für Currys verkauft (aus „Calwer historisches Bilderbuch der Welt“, 1883)
Wer kennt sie nicht, wenigstens beim Namen, die „Currywurst“? Ob Berlin, Wolfsburg oder der Ruhrpott ihr Geburtsort ist, ist eigentlich egal, denn sie wird heute von ihren Liebhabern als ubiquitär verfügbares „deutsches Nationalgericht“ angesehen. Eine zerschnittene Wurst mit Tomatenketchup und darüber gestreutem Currypulver soll tatsächlich eine Delikatesse sein? Vielleicht, denn die an sich langweilige Brüh- oder Bratwurst wird durch den Curry geschmacklich geadelt. Das magische, rostfarbene Pulver besteht aus einer Mischung von Safranwurzel (Kurkuma), Kreuzkümmel, Koriander, Pfeffer, Ingwer, Fenchel, Zimt oder Muskat und manchmal auch noch anderen orientalischen Gewürzen. Das Curry-Pulver aus dem Streuer an der Wurstbude ist allerdings nur ein Schatten der richtigen Currys aus der indischen Küche, und das obwohl diese auf dem Papier aus mehr oder weniger den gleichen Zutaten bestehen wie das Pulver der deutschen Gewürzfabrik. …. bitte lesen Sie hier weiter: Kommen Wein und Curry jemals zusammen?
Farbintensive und extraktreiche Rotweine können das „Chow-Chow-Phänomen“ verursachen
Wir sitzen in netter Gesellschaft zusammen und verkosten verschiedene Rotweine der mittleren Preiskategorie aus den südlichen Weinregionen Europas. Nachdem ich mich ganz auf die Weine konzentriert hatte, blickte ich nach einer geraumen Weile auf und sah in die Runde: voll Schrecken nahm ich wahr, dass sich die Lippen und die Zähne meiner Genießerfreunde intensiv blau verfärbt hatten. Kurze Zeit später musste ich entdecken, dass ich selbst nicht anders aussah. Ich erinnerte mich sofort an Bodo, jenen Chow-Chow einer Nachbarin aus Kindertagen, dessen kuscheliges, rostfarbenes Fell und blaues Maul mich als Junge immer wieder aufs Neue fasziniert hatten. Gaumen, Zunge und Lefzen waren intensiv dunkelblau gefärbt und auf die neugierige Frage warum dies so sei bekam ich von der damals so genannten „Tante Adelheid“ als Antwort, dass Bodo in der Nacht immer von Blaubeeren im Wald träumen würde.
Meine Wein-Freunde und ich haben nicht von Waldbeeren geträumt sondern ganz handfest Rotwein getrunken und dabei Farbstoffe in den Mund bekommen, die tatsächlich identisch mit denen der vermeintlichen Blaubeeren von Bodo sind. Es sind sog. Anthocyane,blaue Farbstoffe die zur großen Gruppe der segensreichen, weil gesundheitsfördernden, Polyphenole gehören. …. bitte lesen Sie hier weiter: Das Chow-Chow-Phänomen bei Rotweintrinkern
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard