 André Brouillet (1857 – 1914): „Une leçon clinique à la Salpêtrière“
Selbst wenn wir schweigen spricht unser Körper mit all seinen dazu zur Verfügung stehenden Mitteln und diese reichen von der Kleidung über die Körperhaltung bis hin zur Gestik und Mimik. Manche Psychologen behaupten, dass die physische Kommunikation eine deutlich höhere Mitteilungswertigkeit habe als die verbale. Über unseren Körper drücken wir meist unbewußt aus was wir fühlen und denken. Die Inhalte der Körpersprache können direkt, intuitiv verstanden werden oder Sie brauchen eine Interpretation. Die Fähigkeit die Gebärden und die Pose seines jeweiligen Gegenübers korrekt zu interpretieren ist ein wichtiger Teil dessen, was wir „soziale Kompetenz“ nennen. Auch die Empathie, das Einfühlungsvermögen, ist ohne das Verständnis der Körpersprache nicht wirklich möglich. Auch der Tanz ist Körpersprache und vermutlich die natürlichste und älteste Kunstform des Menschen. Er verbindet Rhythmus und Musik mit Mimik und Gestik um nonverbal Emotionen zu beschreiben, dabei wurden bestimmte Körperhaltungen bzw. -bewegungen zum Ausdruck von Gefühlen eingesetzt. Im Laufe unserer Menschheitsgeschichte haben unterschiedliche Tänze feste kulturelle Zuschreibungen erhalten und sind zu Volkstänzen oder regionalen Kunsttänzen geworden. Der Flamenco auf der Iberischen Halbinsel ist ein Beispiel dafür. …. bitte lesen Sie hier weiter: Die „Rückbeuge“ als Ausdrucksfigur im Flamenco-Tanz
 Sklavenhandel als Konsequenz der kulturellen Unterdrückung. Aus Bilder-Tafeln zur Länder- und Völker-Kunde, Calw & Stattgart 1883.
Die laufende, gesellschaftspolitische Debatte über die „kulturelle Aneignung“ ist untrennbar mit dem Namen Susan Scafidi verbunden, der ersten amerikanischen Professorin für „Moderecht“ an der Fordham University School of Law in New York,. In ihrem Buch „Who owns Culture?“ (1) nennt sie „Cultural appropriation“ die Bereicherung von dominanten Kulturen, wie z. B. unserer, der weißen, europäisch-amerikanischen, an kulturellen Elementen schwarzer oder indigener Minderheiten. Neben deren intellektuellem Eigentum, traditionellem Wissen und kulturellen Ausdrucksformen sind es insbesondere die unautorisierte Inanspruchnahme von Tanz, Kleidung, Musik, Sprache, Folklore, Küche, traditioneller Medizin und religiöser Symbole, die sich, laut Frau Scafidi, unter dem Begriff „kulturelle Aneignung“ zusammenfassen lassen. Vielen Forschern und Denkern geht diese enge Begriffsdefinition zu weit, denn sie schließt eine ehrliche Anerkennung und Sichtbarmachung der kulturellen Leistungen von Minderheiten durch Dritte praktisch aus, ja kriminalisiert sie u.U. sogar! Diesem Umstand wird Abhilfe geschaffen durch einen weiteren Begriff, nämlich den der respektvollen „kulturellen Anerkennung“ (Cultural Appreciation). Im Gegensatz dazu ist die sog. „kulturelle Aneignung“ immer ein egozentrisches, auf den eigenen Vorteil fokussiertes rücksichtsloses Vorgehen auf Kosten einer Minderheiten-Kultur, dem natürlich jede Legitimation fehlt. …. bitte lesen Sie hier weiter: Kulturelle Aneignung und kulturelle Unterdrückung
 Klassische Armenküche: die Tortilla española
Im großartigen Schelmenroman eines anonymen, spanischen Autors aus der Mitte des 16. Jahrhunderts mit dem Titel seines Protagonisten, des „Lazarillo de Tormes“ erfahren wir von einigen Kohlstrünken, die dieser zum Frühstücke verzehrt hatte. Später, zu Mittag, teilte er sich einen „Kuhfuß“ mit seinem Herrn und schrieb: „Ich gab ihm den Kuhfuß und drei bis vier Stücke von dem weißesten Brote in die Hand. Er setzte sich neben mich und fing an zu essen wie einer, der sehr guten Appetit hat, indem er jedes Knöchelchen abnagte, besser als ein Windhund es würde getan haben. Mit einer Knoblauchbrühe, sagte er, ist dies ein ganz köstliches Essen.“ Die von Miguel de Cervantes (1547 –1616) beschriebenen Mahlzeiten des Don Quijote und seines Begleiters Sancho Pansa, eines vehementen Verfechters sinnlicher Freuden, sind nicht minder frugal und ein historisches Zeugnis der früheren Einfachheit spanischer Gastrosophie. Darauf ist man heute, in einer Zeit raffinierter Sterneküche, sehr stolz und zelebriert überall im Land die „Armeleuteküche“ am heimischen Herd und in den Luxusrestaurants der spanischen Metropolen. …. bitte lesen Sie hier weiter: Die spanische Armeleuteküche
 Joseph Mallord William Turner „Rain, Steam, and Speed – The Great Western Railway“ (https://www.nationalgallery.org.uk/paintings/NG538)
Mit dem 250. Geburtstag von Caspar David Friedrich rückt auch ein anderer Künstler, der ihm in seiner Bedeutung für die Landschaftsmalerei ebenbürtig ist, in den Brennpunkt: Joseph Mallord William Turner (1775–1851). Es scheint nur konsequent, dass das Münchner Lenbachhaus gerade jetzt unter dem Titel „Turner. Three Horizons“ eine Ausstellung aller Schaffensphasen des britischen Malers organisiert hat. Ins Detail gehende Texte erläutern die Exponate, die zu einem wesentlichen Teil aus der Londoner Tate Gallery, die Turners Nachlass hütet, stammten. Mit seiner rigorosen Konzentration auf die Farben, das Licht und die Landschaft, bzw. das jeweilige Thema rüttelte Turner die Betrachter seiner Bilder damals wie heute auf. In seinen frühen, noch sehr exakt gemalten Bildern identifizieren wir ihn als Romantiker par excellence. Seine Malweise wird aber immer flüchtiger, unschärfer und unbestimmter. Es sind diese Bilder, die wie eine Vorwegnahme der Moderne anmuten. Turner ist ein Impressionist, der in seinem Spätwerk schließlich zur abstrakten Malerei fand. Das waren atemberaubende künstlerische Schritte, die da jetzt an den Wänden des Lenbachhauses hängen! …. bitte lesen Sie hier weiter: William Turner in München
 Die klassische GAGGIA, wie sie auch in vielen spanischen Café-Bars anzutreffen ist (Foto: Gaggia S.p.A., Milano)
„Por favor, un café solo!”. Diese Worte lösen beim Barista seine sofortige Hinwendung zur großen, chromglänzenden GAGGIA-Kaffeemaschine aus. Was kurz danach vor einem auf dem Tresen steht ist aber kein Espresso sondern die spanische Variante davon, eben der café solo: mehr Flüssigkeit, weniger „Crema“ und geschmacklich deutlich milder und weicher. Spanischer Kaffee schmeckt anders als der Maschinenkaffee in unseren Breitengraden. Forscht man nach den Gründen für diese Unterschiede landet man bei der Prozedur des Kaffeeröstens, also jenes Vorganges, der aus einer rohen Kaffeebohne durch deren mehr oder weniger starkes Erhitzen am Ende einen helleren oder einen dunkleren Kaffee hervorbringt. In Spanien wird zusätzlich noch das sog. „Torrefacto“-Verfahren angewandt. Dabei wird während der Röstung Zucker beigefügt, die Kaffeebohnen werden also regelrecht karamellisiert. Dieser Torrefacto-Kaffee wird dann mit Kaffee aus konventioneller Röstung gemischt und als „mezcla“ (Mischung) in einem marktüblichen Verhältnis von etwa 20 % Torrefacto- und 80% normalgerösteten Bohnen in den Verkehr gebracht. Fast immer werden Arabica-Bohnen mit Anteilen von Robusta für spanischen Kaffee verwandt. Durch das „Torrefacto“-Verfahren (span.: torrefacto = geröstet) wird die Säure im Kaffee geschmacklich deutlich reduziert und die Bittertöne werden weitgehend neutralisiert. Ein zusätzlicher Vorteil der Karamellisierung der Kaffeebohnen ist deren längere Haltbarkeit und die Bewahrung der Kaffeearomen durch die „Versieglung“ der Kaffeebohnenoberfläche durch die Karamellschicht – im warmen, mediterranen Klima nicht ganz unbedeutend! …. bitte lesen Sie hier weiter: Café español, Spanien, dein Kaffee!
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Vortrefflicher Witz
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard
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