 Historische Postkarte: Das Melken einer Stute auf der Postnikov Dacha in Samara
Unter den deftigen und wortmächtigen „Volkserzählungen“ von Leo Tolstoi (1828 – 1910) befindet sich die Geschichte „Wieviel Erde braucht der Mensch?“ und diese handelt vom Bauern Pachom, der in die Region der Baschkiren wanderte um Land zu erwerben. Dieses am Südural-Gebirge lebende Turkvolk wird folgendermaßen beschrieben: sie „wohnen in der Steppe am Fluß in Zelten aus Filz. Sie treiben keinen Ackerbau und essen kein Brot. In der Steppe weiden ihre Vieh- und Pferdeherden. Hinter den Zelten sind die Füllen angebunden, und zweimal am Tage treibt man die Stuten zu ihnen hin. Die Stuten werden gemolken, und aus der Milch wird Kumyß bereitet. Die Weiber rühren den Kumyß und machen daraus Käse; die Männer tun nichts als Kumyß und Tee trinken, Hammelfleisch essen und die Flöte blasen.“ Ein beschauliches Leben, wie es schien. In diesem Text stieß ich erstmals auf den Kumyss, welcher in einer Fußnote als aus Stutenmilch bereitetes heißes, schäumendes, schwach alkoholisches Getränk beschrieben wurde. Man saß in fröhlicher Runde auf weichen Kissen oder Teppichen und trank den Kumyss aus Tassen. Kein Wunder, dass das „ungebildete Volk“ der Baschkiren „lauter gesunde, lustige Leute waren, die den ganzen Sommer lang feierten.“ …. bitte lesen Sie hier weiter: Kumyss: der „kultivierte“ Alkoholkonsum
 Alter suggeriert Weisheit und Erfahrung (Foto von Pixabay. Mit Dank an jpeter2!)
Wenn man einer Erhebung der Universität Leipzig Glauben schenken will, muss man leider anerkennen, dass 27 % der Deutschen der Meinung sind, die Bundesrepublik würde durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet. Während Antisemitismus in unserem Land unerwartet nur von etwa 10 % der Befragten gutgeheißen wird, geht die Ablehnung von Sinti und Roma sowie Muslimen wesentlich weiter und wird von etwa der Hälfte der Befragten geteilt. Alleine diese paar Zahlen lassen bereits vermuten, dass es in unserem Land tatsächlich ein ernst zu nehmendes Problem mit der Diskriminierung von Mitmenschen gibt. Insbesondere Personen mit Migrationsgeschichte leiden häufiger als „Einheimische“ unter Behinderung der Verwirklichung ihrer Freiheiten und Chancen. Man denke nur an die Vergabe von Ausbildunggsplätzen an Jugendliche mit fremdländischen Namen; das gilt gleichermaßen beim Kontakt mit Vermietern bei der Wohnungssuche. Aber nicht nur Migranten und deren Nachkommen werden diskriminiert, die unterschiedlichen Löhne für gleiche Arbeit bei Männern und Frauen sprechen Bände! Auch Behinderte können ein Lied von der potentiellen Diskriminierung singen, immer noch ganz zu schweigen von Menschen mit von der Masse abweichender sexueller Orientierung. …. bitte lesen Sie hier weiter: Die Altersdiskriminierung erhält zu wenig Aufmerksamkeit
 Das Paar auf Francisco de Goyas (1746 -1828), „El Parasol“ (Ausschnitt; Museo de Prado, Madrid)
Heute kennt ihm kaum noch jemand: Emanuel Geibel (1815–1884). In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war er einer der gefeierten Dichter Deutschlands. Er setzte sich aktiv für die deutsche Einigung ein und schrieb den Text zu einem der berühmtesten Volkslieder in deutscher Sprache, nämlich „Der Mai ist gekommen“, welches später von dem Theologen Justus Wilhelm Lyra (1822 v-1882) vertont wurde. Der Zeitgeschmack hat sich verändert und die manchmal etwas gestelzte Lyrik Geibels berührt gegenwärtig nur noch sehr wenige Menschen. Zum Niedergang seiner Akzeptanz führte auch die fatale Zeile „Und es mag am deutschen Wesen / Einmal noch die Welt genesen“ aus dem Gedicht „Deutschlands Beruf“, dessen Aussage die Nationalsozialisten zweckentfremdet und fürchterlich missbraucht hatten. Gott sei Dank konnte dies einer der bedeutendsten Verehrer Geibels noch nicht wissen: Robert Schumann (1810 – 1856). Wie Geibel wurde auch er von den geistigen und politischen Strömungen des Vormärz geprägt. Dennoch waren ihm, dem romantischen Melancholiker, revolutionäre Gedanken fremd und er missbilligte jede Art von Gewalt. Sein Wesen und sein Charakter fanden ihren musikalischen Ausdruck u. v. a. in den schlichten Takten seiner „Träumerei“ aus dem Klavierzyklus Kinderszenen, die allzu oft zum Klassikkitsch verfremdet wurde. …. bitte lesen Sie hier weiter: Schumann, Geibel und Rückert: Spanische Liebeslieder
 In Andalusien wird die alte Türe der „Vinos de Pasto“ wieder geöffnet (Bild von Manolo Franco auf Pixabay)
Der Frankenkönig Lothar der Erste soll im 9. Jahrhundert die alte Weisheit, dass sich die Zeiten ändern und wir uns in ihnen, im lateinischen Spruch „Tempora mutantur, nos et mutamur in illis“ für alle Zeiten festgehalten haben. Heute würden wir es durch „sich dem Zeitgeist anpassen“ definieren. Genau das tun gerade auch die Winzer in Jerez de la Frontera und ihr Kontrollorgan der sog. Consejo Regulador de la Denominación de Origen. Man hat den erheblichen und sehr schmerzhaften Rückgang des Sherry-Konsums im vergangenen Jahrzehnt mit dem üblicherweise hohen Alkoholgehalt des Getränks in Verbindung gebracht. Die Konsequenz aus dieser Erkenntnis war die Etablierung einer Arbeitsgruppe, die evaluieren sollte, wie man den Alkoholgehalt von biologisch gereiften Weinen, zunächst einmal nur von den unter einer flor Schicht ausgebauten Manzanillas und Finos, senken könnte. …. bitte lesen Sie hier weiter: Andalusien: ein alter Weinstil wird wieder entdeckt
 Schaugrab der Familien Nissen/Weber/Mozart in Salzburg
Die Geschichte, die ich erzählen will, beginnt im Badischen, nämlich im Städchen Zell im Wiesental. Ein gewisser Fridolin Weber wurde dort 1733 geboren und zum nahen Verwandten von zwei Ausnahmemusikern aus zwei einander nachfolgenden Generationen: er war der Onkel Carl Maria von Webers und der Schwiegervater von Wolfgang Amadeus Mozart. Die Witwe Mozarts war jene geborene Weber, deren Vater Fidolin sich mit seinem fürstlichen Arbeitgeber in Zell überworfen hatte und am Ende arm und mittelos für die Erziehung seiner vier Töchter aufkommen musste. Schließlich zog er mit seiner Familie nach Mannheim, wo seine von dort stammende Frau immer noch viele Kontakte, insbesondere in der Musikwelt, hatte. Weber wirkte an der Hofkapelle des Kurfürsten Karl-Theodor als Bassist, Souffleur und Notenkopist. Mannheim galt in jenen Tagen als eines der musikalischen Zentren Europas („Mannheimer Schule“). Zu jenen, die zu den Konzerten und Opernaufführungen in Mannheim pilgerten, gehörten neben den Mozarts auch Johann Christian Bach, Gluck, Klopstock, Goethe und Lessing. Im Hause Weber lernte Wolfgang Amadeus, der Mittzwanziger, die älteste Tochter, die Koloratursängerin Aloysia Weber kennen. …. bitte lesen Sie hier weiter: Eine Verneigung vor Constanze Nissen (verwittwete Mozart)
|
Vortrefflicher Witz
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard
|