 Das Paar auf Francisco de Goyas (1746 -1828), „El Parasol“ (Ausschnitt; Museo de Prado, Madrid)
Heute kennt ihm kaum noch jemand: Emanuel Geibel (1815–1884). In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war er einer der gefeierten Dichter Deutschlands. Er setzte sich aktiv für die deutsche Einigung ein und schrieb den Text zu einem der berühmtesten Volkslieder in deutscher Sprache, nämlich „Der Mai ist gekommen“, welches später von dem Theologen Justus Wilhelm Lyra (1822 v-1882) vertont wurde. Der Zeitgeschmack hat sich verändert und die manchmal etwas gestelzte Lyrik Geibels berührt gegenwärtig nur noch sehr wenige Menschen. Zum Niedergang seiner Akzeptanz führte auch die fatale Zeile „Und es mag am deutschen Wesen / Einmal noch die Welt genesen“ aus dem Gedicht „Deutschlands Beruf“, dessen Aussage die Nationalsozialisten zweckentfremdet und fürchterlich missbraucht hatten. Gott sei Dank konnte dies einer der bedeutendsten Verehrer Geibels noch nicht wissen: Robert Schumann (1810 – 1856). Wie Geibel wurde auch er von den geistigen und politischen Strömungen des Vormärz geprägt. Dennoch waren ihm, dem romantischen Melancholiker, revolutionäre Gedanken fremd und er missbilligte jede Art von Gewalt. Sein Wesen und sein Charakter fanden ihren musikalischen Ausdruck u. v. a. in den schlichten Takten seiner „Träumerei“ aus dem Klavierzyklus Kinderszenen, die allzu oft zum Klassikkitsch verfremdet wurde. …. bitte lesen Sie hier weiter: Schumann, Geibel und Rückert: Spanische Liebeslieder
 In Andalusien wird die alte Türe der „Vinos de Pasto“ wieder geöffnet (Bild von Manolo Franco auf Pixabay)
Der Frankenkönig Lothar der Erste soll im 9. Jahrhundert die alte Weisheit, dass sich die Zeiten ändern und wir uns in ihnen, im lateinischen Spruch „Tempora mutantur, nos et mutamur in illis“ für alle Zeiten festgehalten haben. Heute würden wir es durch „sich dem Zeitgeist anpassen“ definieren. Genau das tun gerade auch die Winzer in Jerez de la Frontera und ihr Kontrollorgan der sog. Consejo Regulador de la Denominación de Origen. Man hat den erheblichen und sehr schmerzhaften Rückgang des Sherry-Konsums im vergangenen Jahrzehnt mit dem üblicherweise hohen Alkoholgehalt des Getränks in Verbindung gebracht. Die Konsequenz aus dieser Erkenntnis war die Etablierung einer Arbeitsgruppe, die evaluieren sollte, wie man den Alkoholgehalt von biologisch gereiften Weinen, zunächst einmal nur von den unter einer flor Schicht ausgebauten Manzanillas und Finos, senken könnte. …. bitte lesen Sie hier weiter: Andalusien: ein alter Weinstil wird wieder entdeckt
 Schaugrab der Familien Nissen/Weber/Mozart in Salzburg
Die Geschichte, die ich erzählen will, beginnt im Badischen, nämlich im Städchen Zell im Wiesental. Ein gewisser Fridolin Weber wurde dort 1733 geboren und zum nahen Verwandten von zwei Ausnahmemusikern aus zwei einander nachfolgenden Generationen: er war der Onkel Carl Maria von Webers und der Schwiegervater von Wolfgang Amadeus Mozart. Die Witwe Mozarts war jene geborene Weber, deren Vater Fidolin sich mit seinem fürstlichen Arbeitgeber in Zell überworfen hatte und am Ende arm und mittelos für die Erziehung seiner vier Töchter aufkommen musste. Schließlich zog er mit seiner Familie nach Mannheim, wo seine von dort stammende Frau immer noch viele Kontakte, insbesondere in der Musikwelt, hatte. Weber wirkte an der Hofkapelle des Kurfürsten Karl-Theodor als Bassist, Souffleur und Notenkopist. Mannheim galt in jenen Tagen als eines der musikalischen Zentren Europas („Mannheimer Schule“). Zu jenen, die zu den Konzerten und Opernaufführungen in Mannheim pilgerten, gehörten neben den Mozarts auch Johann Christian Bach, Gluck, Klopstock, Goethe und Lessing. Im Hause Weber lernte Wolfgang Amadeus, der Mittzwanziger, die älteste Tochter, die Koloratursängerin Aloysia Weber kennen. …. bitte lesen Sie hier weiter: Eine Verneigung vor Constanze Nissen (verwittwete Mozart)
 Balsambaum (Myroxylon peruiferum) in Argentinien
Manchmal sind die Beschreibungen des Geruchs und Geschmacks eines Weines ein wenig daneben nämlich, wenn z.B. von „Sattelschweiss“, „Katzenpisse“, Fuselöl“ oder „Ginster“ geredet wird. Olfaktorische Wahrnehmungen dieser Art haben nur sehr wenige Menschen je bewusst erlebt und daher sind sie als sensorische Beschreibung von Wein völlig ungeeignet, weil eben kaum nachvollziehbar. Glücklicherweise gibt es noch ausreichend Weinfreunde, die nicht auf ausgefallene Duft- oder Geschmackserlebnisse zurückgreifen müssen um die sinnliche Welt des Weins akkurat zu beschreiben. Unter den Attributen, mit denen sowohl Rot- wie Weißweine öfter belegt werden fällt mir immer wieder das Wort „balsamisch“ auf. Was bedeutet das? Balsam ist eine Abscheidung der sog. Balsambäume und besteht aus einem Gemisch von Harzen und ätherischen Ölen mit einem angenehmen, charakteristischen Geruch, der im weitesten Sinne an Kampher, Menthol und Pfefferminz mit einem Schuss von Vanillin erinnert. …. bitte lesen Sie hier weiter: Was sind balsamische Töne im Wein?
 Lucas Cranach d.Ä (1472 – 1553): Der Junbrunnen (Ausschnitt)
Die Psychologie des Alterns kann entweder als ein biologisches oder als ein sozialpsychologisches Phänomen aufgefasst werden. Je nachdem ob man die biologischen Veränderungen oder die Bedeutung der sozialen Umwelt einer alternden Person betrachtet, kann man in vielen Fällen zu sehr unterschiedlichen Erkenntnissen kommen. Dies wird besonders deutlich wenn es zum Konflikt zwischen der objektivierbaren Geschwindigkeit des Ablaufs der biologischen Uhr und dem persönlichen Altersempfinden kommt. „Man sei so alt wie man sich fühlt“ wird geradezu als vermeintlich wissenschaftliche Erkenntnis gefeiert und deshalb von sehr vielen Menschen geglaubt. In ihrem sozialen Umfeld möchten sie zeigen, dass sie „jung“ und „fit“ sind und deswegen eine soziale Sonderstellung einnehmen. Manch einer erkämpft sich mit Hilfe einer Milliarden Euro schweren Anti-Aging Industrie „seine zweite Jugend“. Dass dieser “Jugendwahn” nicht unproblematisch ist, ergibt sich zwangsläufig. …. bitte lesen Sie hier weiter: Weisheit und Torheit im Alter
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Vortrefflicher Witz
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard
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