Ich muss zehn oder elf Jahre alt gewesen sein als ich in der Bibliothek meiner Eltern ein Taschenbuch mit dem provozierenden Titel „Der Ekel“ fand. Von seinem Autor Jean-Paul Satre hatte ich in Gesprächsfetzen meiner Eltern auch schon gehört. Er sei „ein Linker“ und Kommunist hatte ich vernommen und, dass beides nichts Erstrebenswertes war, wurde gleich dazu gesagt. Der aufreizende Titel des Buches und die Fragwürdigkeit seines Autors reizten meine Neugierde und so beschloss ich dieses Buch zu lesen. „Das ist, weiß Gott, nichts für Kinder“ war die einhellige Meinung meiner Mutter und meines Vaters und damit bekam das Buch noch eine weitere Eigenschaft, die mich ganz besonders reizte: seine Lektüre war für mich verboten! Also musste ich es lesen. Ich steckte das kleine Büchlein zurück in den Bücherschrank, allerdings an eine völlig andere Stelle und dachte mir dabei, dass meine Eltern, wenn sie es selbst lesen wollten, mich schon fragen würden wo das Buch sei, denn ich hatte es ja als letzter in der Hand. Sollte „Der Ekel“ die nächsten Wochen unbeachtet bleiben, …. bitte lesen Sie hier weiter: Nichts für Kinder: Jean-Paul Sartre und Wein
 Einer der drei Windkämme Eduardo Chillidas in Donostia/San Sebastian
San Sebastian, die Stadt im äußersten Nordosten Spaniens ist dem Heiligen Sebastian gewidmet. Auch ihr baskischer Name Donostia soll sich auf ihn beziehen: Don ist in dieser Sprache der Heilige, der aus Ostia kam. Tatsächlich hatte der Märtyrer die letzte Zeit seines Lebens in Rom verbracht, dessen Hafenstadt bekanntlich Ostia war. Aus heutiger Sicht ist die wichtigste Jahreszahl in der Stadtgeschichte 1813. In diesem Jahr ergaben sich die französischen Besatzer nach den napoleonischen Befreiungskriegen, nicht ohne die Stadt bis auf die Grundmauern abgebrannt zu haben. So grauenvoll dies auch war, der Wiederaufbau, der danach kam, vorwiegend in der Regierungszeit von Maria Christina von Österreich, der Witwe von König Alfons XII. und Mutter von Alfons XIII, war die Voraussetzung für die heutige großzügige Architektur dieser außerordentlich kosmopolitischen Stadt an der „concha“ (Meeresbucht in Muschelform).
Die Tapas-Kultur in San Sebastian wird in den unzähligen Bars mit den sog. „pinchos“ zelebriert. …. bitte lesen Sie hier weiter: Donostia/San Sebastian: ein Eldorado der Genüsse
Ist es nicht mehr als befremdlich, dass auf dem Berliner „Bar Convent“ im Oktober 2014 die spanische Außenhandelsorganisation zusammen mit dem Sherry-Kontrollrat in Jerez de la Frontera eine Veranstaltung unterstützt hat, die den Sherry als Partner für Mixgetränke propagiert? Als hätte dieser grandiose Wein nicht schon genug Imageprobleme! Die Verkaufszahlen des Sherry sind in den letzten Jahrzehnten ständig rückläufig gewesen und seine Wahrnehmung ist in einen Bereich gerückt, der mit dem „uncool“ der Jugendsprache noch schmeichelhaft umschrieben ist. Altbacken etikettierte Supermarktqualitäten mit hohem Alkoholgehalt haben das einst strahlende Bild des Sherry beim Konsumenten verblassen und unscharf werden lassen.
Zugegeben, in den Zeiten des Sherry-Booms im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert trank man …. bitte lesen Sie hier weiter: Irrwege des Sherry-Marketing
 Im Zentrum der Kritik: die Kontrollbehörde der D.O.Ca. Rioja in Logroño und deren Regularien
Jahrzehnte hat sie sich selbst als spanische Musterregion gefeiert, und heute wird immer mehr Kritik innerhalb der Mitglieder der garantierten Herkunftsbezeichnung laut. Der Präsident von einer der prestigeträchtigsten Kellereien der Region, Bodegas y Viñedos Artadi in Laguardia, Herr Juan Carlos López de Lacalle, hat kürzlich den Austritt seines Unternehmens aus den Kontrollrat (Consejo Regulador) der D.O. Ca. Rioja erklärt. In seiner Begründung für diesen Schritt führte er an, dass es nicht mehr angehe nur über ein einziges Gütesiegel zu verfügen, welches sowohl an junge Billigweine als auch an sehr teure Lagenweine vergeben wird. Sein Argument basiert auf der Tatsache, dass die riesige Fläche der D.O.Ca. von über 60.000 Hektar eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Terroirs hervorbringt, die sich auf dem Etikett nicht differenzieren lassen. …. bitte lesen Sie hier weiter: Zerbricht die Einheit der „D.O.Ca.Rioja”?
 Das Echaurren in Ezcaray: endlich eine Küche, die zu den Weinen passt!
Seit dem Beginn meiner Liebe zur Rioja und ihrer Weine, war eines der größten Probleme vor Ort zu den großartigen und meist sehr filigranen Tropfen das entsprechende Essen zu finden. Die lokale Küche der Rioja ist aus der sehr schmackhaften, kastilischen „Hausmannskost“ entstanden und entsprechend gut, aber oft schwer bekömmlich – und erschlägt den Wein!. Eine absolute Meisterin dieser Gastronomie war schon damals Marisa Sanchez im Echaurren, einer ehemaligen Poststation in der Ortschaft Ezcaray und, immer wenn ich in der Gegend war habe ich versucht Marisas Kochkunst mit meinen Lieblingsweinen aus der Region in Einklang zu bringen. …. bitte lesen Sie hier weiter: Das Echaurren: eine Sterne-Küche in der Rioja
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Kreativität und Wein In meinem „önosophischen Blog“ widme ich mich im weitesten Sinne kulturellen Themen und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Weingeniessers gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum versuchen die unterschiedlichen Thematiken meiner Beiträge auszudrücken, wobei mir der Wein gelegentlich schöpferisch zu Hilfe kommt.
Wein trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene) , wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung der beiden Schlegels ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können natürlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein. „Vortrefflichen Witz“ hat auch Antonio Machado, Spaniens bedeutendster Lyriker des 20. Jahrhunderts mit einem wunderschönen, schnörkellosen Gedicht zustande gebracht (meine holprige Übersetzung bitte ich zu entschuldigen):
Un vino risueño me dijo el camino
Yo escucho los áureos consejos del vino
Que el vino es a veces escala de ensueño.
Abril y la noche y el vino risueño
Cantaron en coro su salmo de amor
Ein lächelnder Wein wies mir den Weg
Ich vernahm seine goldenen Ratschläge
Denn der Wein ist manchmal eine Stufe zu den Träumen.
Der April, die Nacht und der lächelnde Wein
Sangen gemeinsam ihren Psalm der Liebe
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog und an unserer kleinen und exklusiven Auswahl spanischer Weine haben.
Peter Hilgard
Wir meinen, Wein ist eine Kultur des moderaten Genusses
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