 Weißwein aus rotem Tempranillo sucht man in Spanien vergebens.
Manchem Weinfreund läuft beim Erwähnen des Begriffs „Blanc des Noirs“ ein kalter Schauer den Rücken hinunter. Er erinnert sich vielleicht an freudlose Tropfen , die noch einen leichten Rosaton aufwiesen und im Grund nach nichts schmeckten, obwohl „Spätburgunder“ daraufstand. Selbstverständlich kann man aus roten Trauben auch weiße Weine herstellen, vorausgesetzt das Fruchtfleisch der verwendeten Rebsorte ist farblos und der Winzer versteht sein Geschäft. Über Jahrhunderte haben die Weinmacher in der Champagne sich dieses Könnens bedient um aus Pinot Noir (Spätburgunder) und Pinot Meunier (Schwarzriesling) die Grundweine für ihren prickelnden Dauer-Bestseller herzustellen. Meines Wissens hat sich bislang noch niemand ernsthaft über diese Machart der Grundweine des Champagners beschwert. Aber der „Blanc des Noirs“ als Stillwein stand schon vielfach in der Kritik, gelegentlich wurde ihm sogar die Existenzberechtigung abgesprochen. Die beiden größten Geheimnisse des Blanc de Noirs-Machens sind einerseits die sehr kurze Zeit, die vergehen darf bis die Trauben nach der Lese in der Kelter ankommen und andrerseits ihr Gesundheitszustand, d. h. sie müssen tatsächlich weitgehend unverletzt zur Verarbeitung kommen. …. bitte lesen Sie hier weiter: Blanc de Noirs und warum es ihn in Spanien nicht gibt.
 Ausschnitt aus Edward Grutzner: Falstaff at the Boars Head Tavern (Wicki Commons gemeinfrei)
Bereits im 16. Jahrhundert gab es offenbar ein, wohl noch sehr rudimentäres Bewusstsein für den Datenschutz. Ein später Verwandter des Sir John Oldcastle, einst Diener seiner Majestät, beschwerte sich bei Shakespeare, dass dieser in seinem Drama „Heinrich der IV, Teil 1“ einen seiner Protagonisten Sir John Oldcastle genannt hatte, ohne dass dieser irgend einen Bezug zum historischen Vorbild hatte. Der Familienname sei also missbraucht worden und Shakespeare nahm die Angelegenheit sehr ernst: er änderte den Namen in seinem Stück zu Sir John Falstaff. Dieser Falstaff wurde über die folgenden Jahrhunderte zu einem der beliebtesten Charaktere der englischsprachigen Literatur. Er war ein fragwürdiger Saufkumpan des Prinzen Heinrich (Prince Henry, oder einfach Prince Hal). Dieser ließ sich als vergnügungssüchtiger und verantwortungsloser Mensch gerne von Falstaff verführen. Erst im Historiendrama Heinrich V, in dem auch vom Tod Falstaffs berichtet wird, wird aus ihm ein weiser, fähiger und verantwortungsvoller König, der bei Agincourt einen überwältigen Sieg über die Franzosen feiern konnte. …. bitte lesen Sie hier weiter: Wer und wie war Sir John Falstaff?
 Der Poseidon-Tempel in Paestum
Wenn man die große Treppe des Frankfurter Städel Museums hinauf geht trifft man im ersten Saal des oberen Stockwerks auf das spektakuläre Bild Johann Heinrich Wilhelm Tischbeins mit dem Titel „Goethe in der Campagna“. Die Erscheinung des auf einem waagerecht liegenden, steinernen Obelisken sitzenden Goethe hat, trotz aller anatomischer Ungereimtheiten der Darstellung, etwas Majestätisches. Es ist eben niemand anders als der Dichterfürst, dessen Macht nicht im Irdischen sondern im Intellekt liegt – und man sieht es seinen Gesichtszügen an. Kein anderer Schriftsteller hat uns Deutschen so viele Aphorismen und Lebensweisheiten hinterlassen wie er. In die südliche Landschaft der Römischen Campagna blickend muss er sich gedacht haben „die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen“. Stillschweigend annehmend, dass ich selbst ein gescheiter Mensch bin, habe ich diesen Goethe-Spruch schon vielfach beherzigt und bin erst kürzlich nach Kampanien gereist, …. bitte lesen Sie hier weiter: Rosen aus Paestum
 Auf 1.300 m.ü.M. ist selbst am 38. Breitengrad Schnee im Winter keine Seltenheit.
Ein Weingutsbesitzer, dessen Rebgärten („Bodega Los Barrancos“) sich am 38. Breitengrad auf 1.300 Metern über dem Meeresspiegel befinden, muss sich zwangsläufig mit dem Thema Sonneneinstrahlung und Rebwachstum beschäftigen. Alleine die geografische Lage, tief im Süden, bewirkt ja eine wesentlich höhere Strahlungsintensität der Sonne als sie im Norden vorkommt. Der Winkel in dem sie auf die Erde trifft ist im Sommer der Senkrechten angenähert, d.h. der Weg den die Sonnenstrahlen durch die Atmosphäre nehmen müssen um zur Erde zu gelangen, ist deutlich kürzer. Das hat konsequenterweise eine höhere Strahlungsintensität zur Folge. …. bitte lesen Sie hier weiter: Der Effekt von UV-Strahlen auf das Rebwachstum
 Anleitung zum Brauen und Genuss von Bier in einer anonymen Schrift aus dem 18. Jahrhundert
An dieser Stelle habe ich mich kürzlich zum sog. „Craft Beer“ bekannt und versucht klar zu machen, dass diese handwerklichen Biere, die mittlerweile zu einer regelrechten Massenbewegung geworden sind, durchaus in bestimmten Situationen den Wein ersetzen können. Was damals die sehr persönliche Meinung eines Bier- und Weinfreundes war, ist heute zu einer Marketing-Kampagne eines dynamisch aufstrebenden „Craft-Brew-Movements“ geworden. Köche sollten sich doch, bitte schön, intensiver mit dem Thema Essen-und-Bier beschäftigen und ihre gastronomischen Kreationen mit den Aromen bestimmter Gerstensäfte synchronisieren! Das fordern Berufsvereinigungen von Brauern und Restaurateuren. Bei etwas genauerem Hinsehen muss man allerdings feststellen, dass dieser Lobbyisten-Wunsch nur sehr schwer zu erfüllen sein wird, denn nicht nur aus sensorischen, sondern auch aus sehr praktischen Gründen kann man Bier nicht einfach mit Wein vergleichen. …. bitte lesen Sie hier weiter: Hat Bier gegen Wein überhaupt eine Chance?
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Vortrefflicher Witz
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard
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