 José Mercé und Tomatito (http://josemerceoficial.es)
Von Westen nach Almeria kommend fährt man kurz vor der Ausfahrt in die Stadt an einem Ort vorbei, von dem aus man einen großartigen Blick hat auf die ausladende Meeresbucht, die Schiffe und die weiße Stadt, in deren Mitte sich die alte arabische Burg rostfarben schimmernd erhebt. Dem Musikfreund kommen unweigerlich die Töne von Isaac Albeniz´ facettenreichem Klavierstück „Almeria“ aus der „Iberia“-Suite in den Sinn. Maurische Seufzer sowie die Takte eines lokalen Taranto (Flamenco-Tanz) mit seinen charakteristischen Rhythmen und Tönen. Es ist ein eindringliches Stück in dem das akustische Glitzern des Meeres in der Abendsonne schönster Ausdruck impressionistischer Musik ist. Die Stadt selbst macht dagegen eher einen etwas tristen und herabgekommenen Eindruck: geschlossene Geschäfte, unbewohnte Häuser und wenig Touristen selbst im Hochsommer, lassen die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der ganzen Region erahnen. …. bitte lesen Sie hier weiter: Eine Flamenco-Nacht in Almeria
 Die Freude über das Produkt eines Rebgartens kann einen Lebensabschnitt andauern.
Einst hatte mich Hermann Hesse voll in seinen Bann gezogen und eine kurze Passage aus seiner Essay-Sammlung „Wanderung“ wurde zu einem frühen Leitsatz meines Lebens: „Ich bin ein Verehrer der Untreue, des Wechsels, der Phantasie. Ich halte nichts davon, meine Liebe an irgendeinen Fleck der Erde festzunageln. Ich halte das, was wir lieben, immer nur für ein Gleichnis. Wo unsere Liebe hängen bleibt und zur Treue und Tugend wird, da wird sie mir verdächtig.“ Diese Worte riefen mich auf, mein Leben immer wieder zu hinterfragen und nicht in Nibelungentreue irgendwelchen Konventionen nachzulaufen. In einer Gesellschaft, in der beinahe die Hälfte aller Ehen wieder geschieden werden, hat sich auch ein tiefgreifender Wandel des Begriffs „Treue“ vollzogen: die Wertigkeit des „Bundes fürs Leben“ hat abgenommen und wurde ersetzt durch eine neue Definition des Zusammenlebens: der Ehepartner ist zum „Lebensabschnittspartner“ geworden. In dieser Wortschöpfung für eine Beziehung steckt schon ihre zeitliche Begrenzung. …. bitte lesen Sie hier weiter: Sind Lebensabschnittsweine wie Lebensabschnittspartner?
 Die Kakao-Frucht. Von Francisco Manuel Blanco (O.S.A.) – Flora de Filipinas […] Gran edicion […] [Atlas II].[Atlas II].[1], Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3311924
Immer wieder habe ich gehört, dass Wein und Schokolade am Gaumen ein sehr harmonisches Paar seien, es käme nur auf die passende Kombination der beiden an. Trotz kultureller Wurzeln, die unterschiedlicher nicht sein können, sollen Wein und Schokolade geschmacklich ein wunderbares Gespann abgeben? Beide, Wein und Schokolade, hinterlassen jeweils intensive und sehr komplexe Sinneseindrücke, die sich nicht immer unbedingt ergänzen, sondern gelegentlich sogar konträr gegeneinander stehen. Ich denke da z.B. an die Bitternoten dunkler Schokolade, die die Finesse eines lange gereiften Rotweins völlig erschlagen können und dem Attribut der Schokolade „glücklich“ zu machen nicht gerecht werden. Der Kakaoanteil spielt selbstverständlich eine große Rolle für den Charakter der Schokolade: viel davon bedeutet geringere Süße und mehr geschmackliche „power“. Dabei spielt für Fachverkoster offenbar die Kakaosorte eine entscheidende Rolle: besonders hoch im Kurs stehen Sorten wie Arriba, Criollo, Nacional oder Trinitario.
…. bitte lesen Sie hier weiter: Schokolade zum Wein: Fakten und Fiktionen
 Fayence-Mosaik aus dem Saal der Gesandten in der Alhambra: farbenfroh wie Debussys Musik.
Reisen scheint zur Lieblingsbeschäftigung aller Generationen geworden zu sein. Die leichte Verfügbarkeit von Transportmitteln zu Land, Wasser und Luft, gepaart mit dem unsäglichen Konkurrenzkampf der Reiseunternehmen untereinander haben die Reisekosten beinahe für jedermann erschwinglich gemacht. Es kann sogar preisgünstiger sein eine Junggesellenabschiedsparty am Ballermann zu feiern als in einer Frankfurter Kneipe. Den Sommer am Mittelmeer zu verbringen wird schon nicht mehr als Reise in ein fremdes Land betrachtet, denn Bier, „Wienerle“ und Brezeln gibt es auch dort überall und unter sich bleibt man meist auch. Es gibt genug Kritik an diesen Massen von reisenden Zeitgenossen, ja sogar die Gastgeber in der Fremde beginnen zu verstehen, dass man sie, trotz ihres Geldes, eigentlich nicht mehr haben will. Aber es gibt selbstverständlich auch noch andere Reisende, eben jene, die es mit dem großen deutschen Reise-Vorbild Alexander von Humboldt halten: „Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.“ Nicht um Bier zu trinken verreist man, sondern um zu sehen und zu verstehen was man gesehen hat. Damit erweitert sich der geistige Horizont des Betrachters und er oder sie haben vielleicht etwas fürs Leben gelernt. …. bitte lesen Sie hier weiter: Reisen mit Claude Debussy: ein Abend in Granada
 Dorischer Tempel in Alt-Korinth
Seit der epochalen Einsicht Albert Einsteins ist es für jedermann klar: Raum und Zeit sind eine Einheit. Der Haken dabei ist allerdings, dass dieses Naturgesetz ausschließlich in der Zukunft gilt, d.h., dass wirkliche Zeitreisen eines Tages nur in einen zukünftigen Raum möglich sein werden. Die Vergangenheit bleibt unserer physikalischen Wahrnehmung und Überprüfbarkeit verschlossen, so jedenfalls ergibt es sich aus der speziellen Relativitätstheorie. Um zu verstehen was war und warum Dinge so sind wie sie sind, benötigt man, gleichsam als „intellektuellen Gegenpol“ zu den Physikern, die Archäologen und Historiker. Wir, die wir diese akademischen Disziplinen nicht studiert haben, müssen uns Attribute der Vergangenheit suchen und sie in unserer Phantasie zu Denkmälern bzw. Monumenten, die wir verehren oder bewundern können, hochstilisieren. In diesem Prozess der persönlichen Erkenntnis unserer Geschichte spielt das Reisen eine ganz wichtige Rolle. …. bitte lesen Sie hier weiter: Der Peleponnes – eine Zeitreise rückwärts
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Kreativität und Wein In meinem „önosophischen Blog“ widme ich mich im weitesten Sinne kulturellen Themen und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Weingeniessers gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum versuchen die unterschiedlichen Thematiken meiner Beiträge auszudrücken, wobei mir der Wein gelegentlich schöpferisch zu Hilfe kommt.
Wein trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene) , wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung der beiden Schlegels ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können natürlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein. „Vortrefflichen Witz“ hat auch Antonio Machado, Spaniens bedeutendster Lyriker des 20. Jahrhunderts mit einem wunderschönen, schnörkellosen Gedicht zustande gebracht (meine holprige Übersetzung bitte ich zu entschuldigen):
Un vino risueño me dijo el camino
Yo escucho los áureos consejos del vino
Que el vino es a veces escala de ensueño.
Abril y la noche y el vino risueño
Cantaron en coro su salmo de amor
Ein lächelnder Wein wies mir den Weg
Ich vernahm seine goldenen Ratschläge
Denn der Wein ist manchmal eine Stufe zu den Träumen.
Der April, die Nacht und der lächelnde Wein
Sangen gemeinsam ihren Psalm der Liebe
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog und an unserer kleinen und exklusiven Auswahl spanischer Weine haben.
Peter Hilgard
Wir meinen, Wein ist eine Kultur des moderaten Genusses
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