Spanisch ist eine außerordentlich ausdrucksstarke Sprache in der sich das Lebensgefühl einer ganzen Kultur in einem einzigen Begriff widerspiegeln kann. Ich bin z. B. immer wieder fasziniert von dem Wort „regular“ („regularillo“ in der typisch andalusischen Verkleinerungsform), was bei wörtlicher Übersetzung eigentlich so viel wie „regelrecht“, „ordnungsgemäß“ oder „geordnet“ bedeutet, also eigentlich positive Eigenschaften beschreibt. In bestimmten Zusammenhängen kann es aber „mäßig“, „nicht besonders“ oder „soso“ ausdrücken und nimmt dann eine eindeutig negative Bedeutung an. Wenn ich auf die Frage nach meinem Befinden …. bitte lesen Sie hier weiter: „regular“ – ein merkwürdiges spanisches Wort
 Verschneite Mandelbäume in den Alpujarras (Granada)
Kurz vor Sylvester haben wir seit langer Zeit einmal wieder Schnee in Frankfurt erlebt. Ein Blick hinaus auf die einsame, nächtliche Straße ließ in mir Erinnerungen an eine jener seltenen Winternächte in den Alpujarra-Bergen, im tiefen Süden Spaniens, aufsteigen. Damals hatte es am vorausgegangenen Tag geschneit und als am Abend dann die Sonne im Westen hinter den Bergen untergegangen war erschien der Vollmond auf der gegenüberliegenden Seite des Tales. Im weiteren Verlauf der Nacht erfüllte sich das Land mit einem silbrig glänzenden, vom Schnee kalt und grell reflektierten Licht und ließ die mir so bekannte Landschaft gespenstisch unwirklich erscheinen. So hatte ich sie noch nie gesehen, die sanften Hügel waren aus poliertem Platin und die vertrauten Perspektiven hatten sich völlig verschoben. Was war das für eine wundervolle Winternacht!
…. bitte lesen Sie hier weiter: „Es gibt so wunderweiße Nächte…“
 Im Keller vergessen: 1971er Kinheimer Hubertuslay von der Mosel
Gut gereifte Weine begeistern mich, aber es muss ja nicht immer Spanien sein! Seit der Auflösung des Weinkellers meines Vaters vor etwa 30 Jahren ruhen bei mir gut temperiert zwischen älteren Gran Reservas aus der Rioja auch ein paar verstaubte Flaschen eines Moselweins des Jahrgangs 1971 („Kinheimer Hubertuslay Spätlese“ vom Weingut Alwin Römer. Über das Gut konnte ich übrigens nichts mehr in Erfahrung bringen, außer dass es in Kinheim heute noch eine Weinhandlung gleichen Namens gibt). Ich hatte die Flaschen im Keller völlig vergessen und wenn ich sie bei der Suche nach einem guten Tropfen für den Abend gelegentlich mal wahrnahm, verwarf ich sofort die Idee eine davon zu öffnen, denn ich war mir sicher, dass da nach so langer Zeit nichts Genussvolles mehr drin sein konnte. Dann erfuhr ich vor kurzem, dass der 71er in unseren Gefilden einer der besten Jahrgänge des 20. Jahrhunderts gewesen sein sollte und es dauerte keine Woche bis eine geöffnete Flasche neben einem bauchigen Burgunderglas vor mir stand. …. bitte lesen Sie hier weiter: Ein 1971 geborenes Kellerkind von der Mosel
 Auch in spanischen Tapa-Bars verweigert sich die Jugend dem Wein
In den letzten Jahren hat die spanische Weinindustrie einem Phänomen gegenübergestanden, dem sie tatenlos zusehen musste: dem ständigen Rückgang des Weinkonsums. Lag der Prokopf-Verbrauch in Spanien in den 80-iger Jahren des vorigen Jahrhunderts noch bei 45 Liter Wein weist die aktuellste Zahl nur noch weniger als 20 Liter im Jahr aus. Alles deutet darauf hin, dass sich dieser Trend fortsetzt und Pessimisten in der Branche rechnen bereits mit einem jährlichen Marktverlust von um die 2 %. Das ist eine dramatische Veränderung, deren Ursachen komplex sind.
Ein Grund für den Rückgang des Weinkonsums ist sicher die gesetzlich vorgeschriebene Regulierung der Alkoholwerbung gemäß einer EU-Richtlinie von 1989. Dieser Konsumrückgang war natürlich politisch gewollt und betrifft ganz allgemein den Alkoholkonsum auch in anderen …. bitte lesen Sie hier weiter: Spanien: ist Wein für die Jugend unattraktiv geworden?
 Die Winzerfamilie Pablo in Almonacid de la Sierra kümmert sich vorbildlich um die Garnacha-Variante „Vidadillo“
Auf einer Messe im spanischen Ciudad Real habe ich vor vier Jahren am Stand der Bodegas Pablo aus Cariñena einen reinsortigen Vidadillo-Wein namens Pulchrum getrunken. Damals hat er mich begeistert und deshalb haben wir eine kleine Menge davon nach Deutschland geholt. Vielleicht ist es mir nicht geglückt die Attraktivität dieses Weines mit den richtigen Worten darzustellen, denn es interessierte sich buchstäblich niemand für die paar Flaschen, die da im Keller lagen. So kam es, dass der Wein über einige Jahre in der Flasche reifen konnte, bevor ich ihn wieder entdeckte und erneut verkostete. Was mich da im Glas erwartete …. bitte lesen Sie hier weiter: Eine kleine Hommage an den Vidadillo
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Kreativität und Wein In meinem „önosophischen Blog“ widme ich mich im weitesten Sinne kulturellen Themen und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Weingeniessers gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum versuchen die unterschiedlichen Thematiken meiner Beiträge auszudrücken, wobei mir der Wein gelegentlich schöpferisch zu Hilfe kommt.
Wein trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene) , wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung der beiden Schlegels ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können natürlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein. „Vortrefflichen Witz“ hat auch Antonio Machado, Spaniens bedeutendster Lyriker des 20. Jahrhunderts mit einem wunderschönen, schnörkellosen Gedicht zustande gebracht (meine holprige Übersetzung bitte ich zu entschuldigen):
Un vino risueño me dijo el camino
Yo escucho los áureos consejos del vino
Que el vino es a veces escala de ensueño.
Abril y la noche y el vino risueño
Cantaron en coro su salmo de amor
Ein lächelnder Wein wies mir den Weg
Ich vernahm seine goldenen Ratschläge
Denn der Wein ist manchmal eine Stufe zu den Träumen.
Der April, die Nacht und der lächelnde Wein
Sangen gemeinsam ihren Psalm der Liebe
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog und an unserer kleinen und exklusiven Auswahl spanischer Weine haben.
Peter Hilgard
Wir meinen, Wein ist eine Kultur des moderaten Genusses
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