„regular“ – ein merkwürdiges spanisches Wort Spanisch ist eine außerordentlich ausdrucksstarke Sprache in der sich das Lebensgefühl einer ganzen Kultur in einem einzigen Begriff widerspiegeln kann. Ich bin z. B. immer wieder fasziniert von dem Wort „regular“ („regularillo“ in der typisch andalusischen Verkleinerungsform), was bei wörtlicher Übersetzung eigentlich so viel wie „regelrecht“, „ordnungsgemäß“ oder „geordnet“ bedeutet, also eigentlich positive Eigenschaften beschreibt. In bestimmten Zusammenhängen kann es aber „mäßig“, „nicht besonders“ oder „soso“ ausdrücken und nimmt dann eine eindeutig negative Bedeutung an. Wenn ich auf die Frage nach meinem Befinden mit „regular“ antworte ist klar, dass ich eigentlich meine, dass es mir schlecht bzw. deutlich besser gehen könnte. Wenn mir ein Wein „regular“ schmeckt sage ich, dass er im Grunde kaum genießbar ist. Was steckt hinter dieser Auffassung, dass etwas schlecht ist, was „nur regelrecht“ ist? Das wirklich Gute hebt sich eben vom Durchschnitt deutlich ab und das sollte jedermann auch verlangen dürfen, alles andere wäre nur „regular“. Ein ordnungsgemäßer, sprich erwartbarer, Zustand bedarf keiner besonderen Erwähnung, ist also negativ zu bewerten. Ich glaube, dass sich hinter der Auslegung des besagten Begriffes eine relativ elitäre Weltauffassung verbirgt: „Das Beste ist gerade gut genug“ – alles andere ist nur der Regel entsprechend und deswegen nicht akzeptabel. Don Quijote ist vordergründig genau das Gegenteil: der Ritter der traurigen Gestalt, ist zu vermeintlich großen Taten fähig ist, die aber, bei Lichte betrachtet, „regelrechte“ Albernheiten sind. Auch das „Plus Ultra“. („immer weiter“, „darüber hinaus“) im spanischen Wappen seit Karl V, könnte nicht nur auf die geographische Ausdehnung Spaniens sondern auch auf den hohen Anspruch der Spanier an Qualität und Güte bezogen werden.
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Vortrefflicher Witz
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard
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