Das Rebenkreuz der Heiligen Nino vor der Swetichoveli-Kathedrale in Mzcheta.
Unter der heutigen Jugend, soweit sie überhaupt dem Wein als Genussmittel zugänglich ist, haben die sog. „Naturweine“ so etwas wie Kultstatus. In unseren Breiten ist es eine zahlungskräftige, urbane Schicht junger Erwachsener (schon seit einiger Zeit als „BoBo“ = Bourgeois-Bohemiens, definiert) mit ausgeprägtem Umweltbewusstsein die sich beim Wein dem Geschmack der Väter und Großväter verweigert. Man möchte neue Wege gehen, möglichst rational begründbar, und da haben sich, dem ökologischen Zeitgeist voll entsprechend, die sog. „Naturweine“ angeboten. Für diese stellte man einige Kriterien in den Raum, die erfüllt sein müssen um den ungetrübten Genuss zu garantieren: (1) In den Prozess der Vinifikation sollte von Seiten der Weinmacher möglichst wenig eingegriffen werden, (2) der Wein sollte keine Zusätze, selbstverständlich auch keinen Schwefel, enthalten und schließlich sollte er (3) unfiltriert bleiben. …. bitte lesen Sie hier weiter: „Naturweine“: Georgien ist das große Vorbild
Aus Bolivien (?) für die Welt: süße und scharfe Paprika
Der Begriff „Nachtschattengewächse“, zu denen so beliebte Nahrungsmittel wie die Tomate, die Kartoffel, die Aubergine und die Paprika gehören, regt die Phantasie an. Die Herkunft des erstaunlichen Namens dieser Pflanzenfamilie ist nicht eindeutig geklärt. Er lässt aber vermuten, dass Aberglaube und Magie bei der Namensgebung eine Rolle gespielt haben könnten. Schon im Mittelalter war nämlich der „schwarze Nachtschatten“ (mittelhochdeutsch: nahtschade), der fast überall auf der Welt auf Brachland wächst, ein begehrtes Genuss- und Heilmittel. Das darin enthaltene Solanin, ein Alkaloid, konnte allerdings beim Verzehr der Blätter oder der tiefblauen Beeren erhebliche Magenbeschwerden verursachen und sogar von Todesfällen wurde berichtet. Aber insbesondere die in jenen Tagen besonders gefürchtete, magische Kraft der Hexen konnte durch die Einnahme von schwarzem Nachtschatten gebrochen werden! Wenn danach die Nebenwirkungen der Behandlung überwiegten waren es, im Glauben der Betroffenen, noch die Reste des erfolgreich kupierten Hexenzaubers.
Ein sehr spezifisches „Terroir“ in der Nähe von Toledo (Alt-Kastilien)
Über das sog. „Terroir“ habe ich an dieser Stelle schon vielfach geschrieben. Zu definieren, was der Begriff beinhaltet war eigentlich nie besonders schwer: (1) die Zusammensetzung des Bodens, (2) die klimatischen Besonderheiten und (3) die Gewohnheiten der Winzer ihre Rebstöcke zu pflanzen und zu pflegen sind die klassischen Trias der „Terroir“-Definition. Aber das wirkliche Problem ist, dass diese drei Begriffe nur theoretisch die besonderen olfaktorischen und gustatorischen Charakteristika eines Weines erklären können. Dem kritischen Genießer musste allerdings schon immer klar gewesen sein, dass es wesentlich mehr Geruchs- und Gechmacks- als mögliche „Terroir“ -Variationen gibt. Zu dieser wichtigen Frage haben bereits 2014 amerikanische Wissenschaftler in den renommierten „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (Jan 2014, 111 (1) 5-6) eine plausible Antwort gegeben. Um ihre Arbeit in einen allgemein verständlichen Zusammenhang zu bringen seien mir vorab einige wenige erklärende Sätze zur Thematik gestattet:
In den grauen, kontrastlosen Wintermonaten unserer nördlichen Geographie entsteht bei vielen Menschen die Sehnsucht nach Licht und Farbe. Nur ein paar Flugstunden entfernt, im Süden Spaniens, findet der Besucher genau das, nämlich das großartige Licht auf dem Alhambrahügel und in der Stadt Granada. Seit diese zu meiner zweiten Heimat geworden ist bin ich zu vielen unterschiedlichen Stunden des Tages durch die Gassen gestreift, nur um um die Augen auf zu machen, zu sehen und zu empfinden. Da ich nicht über die Begabung verfüge, diese großartigen Licht-Eindrücke selbst adäquat zu beschreiben, möchte ich eine kleine, sehr subjektive Auswahl von Schriftstellern aus den beiden vergangenen Jahrhunderten zu Worte kommen lassen, die dies plastisch und teilweise auch berührend geschafft haben. …. bitte lesen Sie hier weiter: Gegen den November-Blues: das Licht von Granada
Markt in Peschawer (Indien): Hier wurden u.a. auch die Gewürze für Currys verkauft (aus „Calwer historisches Bilderbuch der Welt“, 1883)
Wer kennt sie nicht, wenigstens beim Namen, die „Currywurst“? Ob Berlin, Wolfsburg oder der Ruhrpott ihr Geburtsort ist, ist eigentlich egal, denn sie wird heute von ihren Liebhabern als ubiquitär verfügbares „deutsches Nationalgericht“ angesehen. Eine zerschnittene Wurst mit Tomatenketchup und darüber gestreutem Currypulver soll tatsächlich eine Delikatesse sein? Vielleicht, denn die an sich langweilige Brüh- oder Bratwurst wird durch den Curry geschmacklich geadelt. Das magische, rostfarbene Pulver besteht aus einer Mischung von Safranwurzel (Kurkuma), Kreuzkümmel, Koriander, Pfeffer, Ingwer, Fenchel, Zimt oder Muskat und manchmal auch noch anderen orientalischen Gewürzen. Das Curry-Pulver aus dem Streuer an der Wurstbude ist allerdings nur ein Schatten der richtigen Currys aus der indischen Küche, und das obwohl diese auf dem Papier aus mehr oder weniger den gleichen Zutaten bestehen wie das Pulver der deutschen Gewürzfabrik. …. bitte lesen Sie hier weiter: Kommen Wein und Curry jemals zusammen?
In meinem „önosophischen Blog“ widme ich mich im weitesten Sinne kulturellen Themen und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Weingeniessers gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum versuchen die unterschiedlichen Thematiken meiner Beiträge auszudrücken, wobei mir der Wein gelegentlich schöpferisch zu Hilfe kommt.
Wein trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene) , wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung der beiden Schlegels ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können natürlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein. „Vortrefflichen Witz“ hat auch Antonio Machado, Spaniens bedeutendster Lyriker des 20. Jahrhunderts mit einem wunderschönen, schnörkellosen Gedicht zustande gebracht (meine holprige Übersetzung bitte ich zu entschuldigen):
Un vino risueño me dijo el camino
Yo escucho los áureos consejos del vino
Que el vino es a veces escala de ensueño.
Abril y la noche y el vino risueño
Cantaron en coro su salmo de amor
Ein lächelnder Wein wies mir den Weg
Ich vernahm seine goldenen Ratschläge
Denn der Wein ist manchmal eine Stufe zu den Träumen.
Der April, die Nacht und der lächelnde Wein
Sangen gemeinsam ihren Psalm der Liebe
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog und an unserer kleinen und exklusiven Auswahl spanischer Weine haben.