Bei Oscar Wilde (1854 – 1900) dem großen irischen Lyriker, Dramatiker und Bühnenautor habe ich eine Aussage gefunden, deren Inhalt mir sehr einleuchtend scheint: „Die Leidenschaft für die Lust ist das Geheimnis der Junggebliebenen.“ Als ich diese Zeile las erinnerte ich mich sofort wieder an meine Begeisterung in Studentenzeiten für die Schriften Sigmund Freuds (1856 -1939). In dessen faszinierendem Buch „Das Unbehagen in der Kultur“ (veröffentlicht 1930) stand zu lesen, dass ausschliesslich das Lustprinzip den Lebenszweck bestimmt. Hatte Wilde diese Erkenntnis schon Jahrzehnte vorher? Freud, der Begründer der Psychoanalyse, hat das „Lustprinzip“ als Antipoden des „Realitätsprinzips“ gesehen und gleichzeitig damit die psychische Regelung der sogenannten „Primärvorgänge“ definiert: alles was wir als Bilder oder Empfindungen direkt wahrnehmen und was in uns das Bedürfnis nach Befriedigung weckt, gehört in die vom Lustprinzip gesteuerten unbewussten Primärvorgänge. Die Bedingung dabei ist, …. bitte lesen Sie hier weiter: Die Leidenschaft für die Lust
 Leonardo da Vinci: Der truvianische Mensch
In den letzten Jahren gab es die Neigung im Getränke-Journalismus die gesundheitsfördernden Eigenschaften des Weins übertrieben positiv darzustellen. Ich selbst bin dieser Sichtweise mehr als einmal erlegen gewesen, wie sich jedermann in diesem blog überzeugen kann. Auch die Liebe zum Wein macht vielleicht blind und verstärkt die Tendenz der selektiven Wahrnehmung positiver Aussagen. Wein und Gesundheit ist ein weithin beachtetes Thema, dem sich auch medizinische Fachgesellschaften nicht mehr verschließen. Klinische Studien haben, allerdings so gut wie immer retrospektiv, herausgefunden, dass Weinkonsum vorbeugend bei so unterschiedlichen Krankheitsbildern wie Krebs, Depressionen, Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes, Demenz und Osteoporose wirken soll. Weniges davon scheint aber wissenschaftlich wirklich hieb- und stichfest zu sein, …. bitte lesen Sie hier weiter: Kein Wein in der Schwangerschaft!
Obwohl der Protagonist des Films „Hello I am David“ nur Coca-Cola und Tee trinkt ist es einer der schönsten Streifen, den ich in den letzten Jahren gesehen habe. Wie kein anderes Werk vermittelt er tiefe Einsichten über das Wesen der Musik. Unter den Künsten ist Musik ja die komplexeste, denn sie ist mit den Dimensionen unserer Wahrnehmungswelt alleine nicht zu verstehen. Während Malerei, Skulptur, Literatur und Poesie sich vermeintlich erlebbare Welten vorzustellen versuchen basiert die Musik nur auf Zeit und Gefühl und bleibt, trotz physikalisch messbarer Töne, immer abstrakt. Dies gilt in besonderem Maße für die „reine“ Musik, die ohne Gesangstext oder sonstigem Programm auskommen muss. Musik sind Klänge und Rhytmen, die in einem, vom Komponisten stammenden, mystischen Verhältnis zueinander stehen. Dies nachzuempfinden und dem Zuhörer deutlich zu machen ist die Aufgabe des musikalischen Interpreten. In ihm oder in ihr muss also ein Teil der Seele des Komponisten, dem Schöpfer des Musikstückes, zum Leben erweckt werden. Dass dies primär ein emotionaler Prozess sein muss zeigt nichts eindrucksvoller als das Klavierspiel von David Helfgott. …. bitte lesen Sie hier weiter: David Helfgott: Einsichten in das Wesen der Musik
Meine beiden Großeltern väterlicherseits stammten aus der Pfalz. Die Großmutter war aus „Lautre“ (Kaiserslautern) und mein Großvater war bekennender Bad Dürkheimer. Ich verbrachte als Kind unzählige Wochenende bei Ihnen auf ihrem Anwesen. In der Erinnerung an diese Tage ist mir, neben vielen Natur- und Landschaftserlebnissen, insbesondere die Küche meiner Großmutter geblieben. Sie ist noch heute das Maß aller kulinarischen Dinge in meinem Leben und immer wieder krame ich ihre Gerichte aus meinem sensorischen Gedächtnis hervor, um sie mit dem was mir die heutige Sterneküche gelegentlich bietet, zu vergleichen. Meistens schneidet meine Großmutter besser ab. Bis auf eine Ausnahme: die Weinsuppe. Die Misere fing schon mit der verbalen Einleitung meines Großvaters zum Mahl an. Genüsslich erzählte er allen am Tisch, dass in der Suppenschüssel eine ganze Flasche eines Forster Ungeheuers sei (für alle die es nicht wissen: das Forster Ungeheuer ist eine berühmte Reblage zwischen Deidesheim und Bad Dürkheim). Ich hatte damals gerade das Märchen der Brüder Grimm vom Geist im Glas gehört und nahm selbstverständlich an, dass das Ungeheuer in der Suppe etwas ganz ähnliches war. Ich wollte partout nichts davon zu mir nehmen. Erst als alle anderen davon gegessen hatten und die Teller leer waren ohne, dass etwas Fürchterliches passiert war, habe ich auch einen Löffel probiert. Es war eine „ungeheuerliche“ Tortur …. bitte lesen Sie hier weiter: Ein langer Weg zum Genusserlebnis: die Weinsuppe
Ziemlich genau vor einem Jahr hat der Chef und Önologe von Artadi, Juan Carlos López de la Calle verlauten lassen, dass sich ddie Bodega aus dem Kontrollorgan der Herkunftsbezeichnung „D.O.Ca. Rioja“ zurückziehen werde. Ich hatte an dieser Stelle darüber berichtet („Zerbricht die Einheit der D.O.Ca. Rioja?“). Vordergründig war der Streitpunkt die unzureichenden Möglichkeiten die Weine der Rioja nach Lagen zu charakterisieren. Artadi war bekanntlich Vorreiter der Einzellagen-Weine und Namen wie Valdeginés, La Poza de Ballesteros, El Carretil, Pagos Viejos, Grandes Añadas und Viña El Pisón haben sich tief im sensorischen Gedächtnis vieler Weinfreunde verankert. Schon bisher waren all diese Weine – auch über ihre teilweise sehr hohen Flaschenpreise – immer gut zu erkennen und kein Genießer hat sich meines Wissens je über mangelnde Kennzeichnung auf den Etiketten beklagt.
…. bitte lesen Sie hier weiter: Baskischer Nationalismus in der Flasche?
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Vortrefflicher Witz
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard
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