 Aus: „Bilder-Tafeln zur Länder- und Völker-Kunde“ Tafel 112, Calw & Stuttgart 1883
Die Palme ist eine Wüstenpflanze und versinnbildlicht für uns Nordeuropäer. die Wärme, das Licht und das Fremdländische. Ein Sonnenuntergang am Palmenstrand ist der Inbegriff der romantischen Verklärung des wohl temperierten Südens. Die Palme ist tatsächlich ein besonderer Baum: aufrecht, ewig grün und sehr widerstandsfähig. Kein Wunder, dass sie in manchen Kulturen zu einem Symbol des Sieges und Triumpfs geworden ist: als Jesus einst auf einem Esel in Jerusalem eingeritten kam, breiteten die Menschen ihre Kleider vor ihm aus und streuten Palmzweige auf seinen Weg, als Zeichen der Ehrerbietung. Der Name des Baums stammt vermutlich vom lateinischen Palma (= Handteller) ab, vielleicht weil die gefächerten, konkav. nach unten gewölbten Blätter einer menschlichen Hand ähneln. …. bitte lesen Sie hier weiter: Palmen in Spanien: Datteln, Palmwein und Co.
 Stolperstein auf dem Kettenhofweg im Frankfurter Westend
In der Mittagszeit an einem Altweiber-Sommertag ging ich durch das Frankfurter Westend. Vor einem Haus auf dem Kettenhofweg sah ich einige Menschen stehen, zwei oder drei der Männer trugen eine Kippa. Als ich näher trat nahm ich ein paar Rosen auf dem Boden verstreut wahr und schließlich entdeckte ich den neu ins Pflaster eingemauerten „Stolperstein“ mit seiner blitzenden Messingoberfläche. Ein etwas älterer Herr und eine jüngere Dame bemerkten mein Interesse und stellten sich namentlich vor. Sie seien Geschwister und aus Amerika gekommen um bei der Einweihung dieses Stolpersteins, den sie beide gesponsert hätten, dabei zu sein. Wohin denn der ehemalige Bewohner des Hauses vor dem wir standen deportiert wurde, wollte ich wissen. Er sei nicht deportiert worden sondern hätte sich diesem Schicksal durch Selbstmord entzogen. Dann erzählten sie beide abwechselnd die traurige Geschichte des Dr. Karl Gumbel, während in mir wieder jene Gefühle von Trauer und tiefer Scham aufkamen, genau wie ich sie einst in der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz erlebt hatte.
Der hier geehrte Dr. Gumbel war jüdischen Glaubens und lebte von 1936 bis zu seinem Tod als Anwalt und Notar im Frankfurter Westend. …. bitte lesen Sie hier weiter: Über einen Stolperstein gestolpert
 Polysaccharide im Wein beeinflussen die Kellertechnik
Mit der Feststellung ein bestimmter Wein sei ein Sol können die meisten Menschen nichts anfangen, aber versuchen wir der Sache einmal auf den Grund zu gehen: Jeder Weinliebhaber kennt trüben Wein. Wenn man das Depot aufgeschüttelt und danach dem Wein zu wenig Zeit zum sedimentieren gelassen hat, erscheint er naturgemäß trübe. Sobald der Bodensatz durch die Schwerkraft wieder da ist wo er hingehört ist der darüber stehende Wein klar. Es gibt aber eine Trübung, die sich nicht durch Stehenlassen bzw. durch Dekantieren der Flasche klärt und – bei Weißweinen besonders gut zu sehen – die Transparenz verändert und ein leicht-milchiges Erscheinungsbild zeigt. Der Chemiker nennt derartige Flüssigkeiten ein Sol, was nichts anderes als eine kolloidale Lösung ist, ähnlich der Tinte, dem Kaffee oder der Milch. …. bitte lesen Sie hier weiter: Was machen Polysaccharide im trüben Wein?
 Cava: Genuss statt Frust aus Katalonien.
Meine in diesem blog geäußerte Meinung zum sog. Katalonien-Problem möchte ich im Folgenden noch ein wenig konkretisieren. Als ich zur Jahreswende 2018/19 Spanien besucht und mit „Durchschnittsbürgern“ gesprochen habe, bekam ich auf die immer im Raum stehende Frage „wie geht es mit Katalonien weiter?“ entweder ein Achselzucken oder die schlichte Antwort „Ich weiß es nicht“. Ich liege wohl nicht so falsch, wenn ich dieses Verhalten als völlige Ratlosigkeit bezeichne. Und es scheint in der Tat so, als sei das ganze Volk zu tiefst verunsichert über seine Zukunft als Nation. In Neujahrsansprachen und -botschaften haben der König und seine Politiker viel von „Gemeinsamkeit mit gesellschaftlicher Vielfalt und Verantwortung“ gesprochen, aber diese Worthülsen blieben, wie die verpufften Sylvester-Böller auf den Strassen, in den Köpfen und Gefühlen der Menschen als bedeutungsloser Müll liegen. Ich war in jenen Tagen in der Hauptstadt und in Andalusien, kann mir aber lebhaft vorstellen, dass die Frage nach der Zukunft in Barcelona und seinem Umland völlig anders beantwortet worden wäre. …. bitte lesen Sie hier weiter: Quo vadis España?
 Reis aus Spanien: eine Delikatesse für Gourmets
Obwohl der Anbau von Reis im Vergleich zum Getreide zu den schwierigeren landwirtschaftlichen Aufgaben zählt und viele geografische und klimatische Voraussetzungen erfüllt sein müssen, hat er sich in Spanien durchgesetzt. Ursprünglich kommt diese Jahrtausende alte und komplexe Ackerbautradition aus Asien, wo Reis in allen Ländern das Grundnahrungsmittel schlechthin ist. Die fortschrittliche und genussorientierte maurische Gesellschaft Spaniens hat bereits im 8. Jahrhundert den Reisanbau aus China importiert und bei sich heimisch gemacht. Das spanische Wort „arroz“ für Reis stammt tatsächlich vom arabischen Begriff „al-ruzz“. Das Wesentliche beim Anbau von Reis ist die Verfügbarkeit von Wasser, denn darin muss die Pflanze praktisch während ihres Lebens bis zur Ernte stehen. …. bitte lesen Sie hier weiter: Gastrosophische Fakten zum spanischen Reis
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Vortrefflicher Witz
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard
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