 Etikett des Corral de Castro 2012
In einer lauen Sommernacht sitze ich auf der Terrasse meines andalusischen Domizils und schlürfe den Wein aus den einige hundert Meter entfernten Rebgärten. Den Corral de Castro 2012 habe ich dekantiert, denn wir haben ihm während der Vinifikation wenig Gelegenheit gegeben Sauerstoff aufzunehmen. Im großen, bauchigen Glas entwickelt sich langsam das Aroma: Der typische Tempranillo-Duft mit ausgeprägten Brombeernoten und einem Hauch von Lakritz steigt mir in die Nase. Am Gaumen ist er weich und anschmiegsam, keine sehr ausgeprägten Tannine und ein feiner Säurehintergrund. Im Geschmack erkenne ich wieder rote Beeren und einen Hauch von Rauch. Der Abgang hinterlässt nochmals feine Fruchtnuancen auf der Zunge. Ich könnte mir vorstellen, dass man diesen Wein auf etwa 10 bis 12 Grad runtergekühlt ebenso genießen kann. Übrigens, er hat schon jetzt ein ganz leichtes Depot entwickelt als Folge unseres Verzichts auf jede Art von Filtration. …. bitte lesen Sie hier weiter: Mein Sommerrotwein: Corral de Castro 2012
 Die Rosenblüte: Vorbild für Name und Farbe des Roséweins
Rosé-Weine (span.: rosado) hatten lange Zeit ein schlechtes Image: „Nicht Fisch nicht Fleisch“ war die fast einhellige Meinung unter Weinfreunden. Das hat sich, Gott sei Dank, erheblich geändert, seit man verstanden hat, dass der Winzer viel Können und Gespür für das Machen eines richtig guten Rosés benötigt. Dass es überhaupt möglich ist Weine dieses Typs herzustellen, liegt daran, dass die meisten roten Trauben weißes Fruchtfleisch haben, d.h. der Most ist in seiner Farbe von dem eines Weißweins zunächst nicht zu unterscheiden. Beim Rosé geht es darum den Schalen der roten Trauben möglichst viel Aroma zu entlocken, ohne ein Übermaß an roter Farbe und Tanninen in den Wein zu bringen.
Ein Rosé sollte ein attraktives, leuchtendes Pink zeigen, in dem sich vielleicht auch Blau-, Orange- und Grautöne finden. „Oeil de perdrix“, Rebhuhnauge, nennen die Schweizer ihre Rosés aus Pinot Noir. Vielleicht steckt …. bitte lesen Sie hier weiter: Rosé: Charmeoffensive in Pink
 Das europäische Bio-Siegel (u.a. auch auf Bio-Wein-Flaschen)
Neulich stand ich vor dem Schaufenster eines Bioladens in der Frankfurter Innenstadt und traute meinen Augen nicht: da stand eine Flasche mit einem Zettel am Flaschenhals festgebunden, auf dem stand in Großbuchstaben „VEGANER WEIN“. Meine erste Reaktion war völliges Unverständnis, denn Wein ist ja wohl eindeutig ein pflanzliches Produkt – dachte ich. Erst im Laden wurde ich dann aufgeklärt, dass ich „vegan“ mit „vegetarisch“ verwechselt hatte. Unter vegetarischer Ernährung versteht man …. bitte lesen Sie hier weiter: Veganer Wein oder Ökowein?
 Weinliteratur: neben Zeitungen und Zeitschriften eine unerschöpfliche Quelle von Trinkempfehlungen
Als professioneller Weinfreund schaue ich mir natürlich auch das Weinangebot der Konkurrenz in Internet regelmäßig an. Dabei ist mir schon lange aufgefallen, dass es einige Händler gibt, die nur noch Weine anbieten, denen von allgemein bekannten Kritikern eine hohe Punktzahl gegeben wurden. Der Weinhändler hat sich in diesen Fällen offenbar zum bürokratischen Weinbeschaffer gemacht, der außer vielleicht einer kommerziellen, keinerlei weitere Qualifikation für seinem Beruf mitbringt. Damit degradiert er eigentlich die ganze Weinbranche und bezeugt, was ich schon immer vermutet habe, dass nämlich Weinkritiken nichts anderes sind als Verkaufsinstrumente. Die Tatsache, das Lidl kürzlich einen „Master of Wine“ angestellt hat, der die eigenen Weine im 100-Punkte-Schema für die hauseigene Werbung beurteilen muss …. bitte lesen Sie hier weiter: Trinken Sie Punkte?
Wer Frankfurt besucht kommt notgedrungen in Berührung mit dem Lokalgetränk Apfelwein, sei es auch nur beim Anblick der bunten, alten Strassenbahn namens „Äppelwoi-Express“ in dem sich fröhliche Touristen an den Hochhäusern vorbei schaukeln lassen. Apfelwein ist aber eine in vielen Teilen der Welt verbreitete Delikatesse, jeweils mit ihrer ganz spezifischen Note und Geschichte. Am Beginn derselben in Europa stehen die Römer (Lat.: vinum ex malis factum = Wein aus Äpfeln gemacht). So auch in Spanien. Die römische Liebe zu den Äpfeln ist unverändert auf die später ins Land eingewanderten Westgoten übergegangen. Isidor, Bischof von Sevilla und berühmter westgotischer Historiker, beschreibt eine Vielzahl von Apfelarten in den „pomarias“ (Apfelgärten) seines Heimatlandes. „Melimela“ war eine sehr beliebte, …. bitte lesen Sie hier weiter: Asturische Sidra – Apfelwein zum Geniessen
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Kreativität und Wein In meinem „önosophischen Blog“ widme ich mich im weitesten Sinne kulturellen Themen und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Weingeniessers gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum versuchen die unterschiedlichen Thematiken meiner Beiträge auszudrücken, wobei mir der Wein gelegentlich schöpferisch zu Hilfe kommt.
Wein trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene) , wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung der beiden Schlegels ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können natürlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein. „Vortrefflichen Witz“ hat auch Antonio Machado, Spaniens bedeutendster Lyriker des 20. Jahrhunderts mit einem wunderschönen, schnörkellosen Gedicht zustande gebracht (meine holprige Übersetzung bitte ich zu entschuldigen):
Un vino risueño me dijo el camino
Yo escucho los áureos consejos del vino
Que el vino es a veces escala de ensueño.
Abril y la noche y el vino risueño
Cantaron en coro su salmo de amor
Ein lächelnder Wein wies mir den Weg
Ich vernahm seine goldenen Ratschläge
Denn der Wein ist manchmal eine Stufe zu den Träumen.
Der April, die Nacht und der lächelnde Wein
Sangen gemeinsam ihren Psalm der Liebe
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog und an unserer kleinen und exklusiven Auswahl spanischer Weine haben.
Peter Hilgard
Wir meinen, Wein ist eine Kultur des moderaten Genusses
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