 Ein gereifter Wein kann ein großartiges Geschenk sein.
„Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft“ sagt der Volksmund und damit ist auch schon eine hintergründige Definition des Sinns von Geschenken gegeben: man erwartet nämlich in irgendeiner Form eine Gegenleistung. Im Falle des obigen Spruchs soll Freundschaft erhalten bleiben. In der Philosophie wird gelehrt, dass eine Gabe ohne die Erwartung einer Gegengabe überhaupt nicht denkbar sei. Selbst wenn der Eindruck erweckt werden soll das Schenken sei eine rein altruistische Handlung lässt sich vermutlich immer eine Erwartungshaltung des Schenkenden nachweisen, die sich nach Erfüllung sehnt. Im täglichen Umgang mit unseren Mitmenschen stellen wir beim Schenken natürlich solche Überlegungen nicht an. Wir glauben fest an die Uneigennützigkeit des Vorganges. Unter Weinfreunden sind Weingeschenke an der Tagesordnung. Wenn man sich gegenseitig besucht bringt man Wein mit. Damit dieser nicht in der nächsten Bratensoße landet versucht man sich am Geschmack des Beschenkten zu orientieren. Dazu muss man diesen natürlich kennen und trotzdem kann man erheblichen Schiffbruch erleiden. Warum das so ist erklärt eine Studie aus der Soziologie. …. bitte lesen Sie hier weiter: Wein schenken
 In jeder Schublade ein Pülverchen für einen wohlschmeckenden Wein.
Das Aufsichtsratsmitglied einer kleinen Textilfirma, Martin F. war, zusammen mit seinem Chauffeur, auf dem Wege zur Jahressitzung dieses Gremiums am nächsten Tag in einer fränkischen Kleinstadt. Ein Motorschaden zwang die beiden Herren in einem nahe gelegenen Dorf eine Werkstatt aufzusuchen. Da es schon spät geworden war, entschloss man sich statt im Zielort im Dorfgasthof zu nächtigen. Die Speisekarte im Hotel war eher bescheiden und eine Weinkarte nicht vorhanden. Man wählte ein Bauernomlette zu dem sich der Chauffeur ein Bier bestellte. Herr F. bat die Kellnerin um ein Glas stilles Mineralwasser, aber bitte in einem großen Weinglas! Als ihm die verwunderte Bedienung das Glas auf den Tisch stellte, griff er in seine Jackentasche und holte ein kleines Tütchen hervor, in Form und Größe einem Umschlag für einen Teebeutel nicht unähnlich. Er riss eine Ecke auf und kippte den Inhalt in das Glas. Das Wasser färbte sich durch das Pulver tief rot. Er schwenkte das Glas vorsichtig und schnupperte: „Ist o.k.“ ließ er verlauten während sein Chauffeur ihm wie versteinert gegenüber saß und versuchte das leere Tütchen über den Tisch zu sich zu ziehen. Er las, immer noch reglos: „NESWINE – Red Bordeaux, Type Pomerol“. Während Herr F. sichtlich zufrieden an dem Glas hing und schnupperte war sein Chauffeur verwirrt und unsicher ob des gerade Erlebten. …. bitte lesen Sie hier weiter: Ein Alptraum: „NESWEIN“
 Auf diesem Flügel spielte Radu Lupu im Gewandhaus
Mitten auf der Bühne des Leipziger Gewandhauses steht ein Flügel und davor ein schlichter Bürostuhl mit Lehne. Radu Lupu soll heute (am 12. Februar 2017) spielen. Pünktlich um 20.00 Uhr geht links am Podium die Türe auf und ein großer, weißhaariger und bärtiger Mann kommt aufrechten Ganges mit etwas schlürfend-trippelnden Schritten hinaus, geht zum Piano, verbeugt sich kurz vor dem Publikum und setzt sich hin. Sofort beginnen die Töne den Saal zu füllen und eine wohlig warme Atmosphäre füllt langsam den Raum. Die Szene hat etwas Unwirkliches, der Pianist rührt sich kaum nur seine Hände streifen über die Tasten, es sieht etwas mechanisch aus, was aber aus dem Klangkörper kommt ist göttlicher Haydn. Zunächst spielt er die Variationen in f-moll des Hofmusikus von Schloss Esterhászy. Radu Lupo entlockt der Musik aus der sog. Wiener Klasssik wunderbar gefühlvolle Nuancen, die glücklich machen – die Töne klangen transparent und filigran wie ein zarter Luftstoß. …. bitte lesen Sie hier weiter: Ein Abend mit Radu Lupu
 Wieviel Alkohol ist in diesem Glas Wein?
Dem erfahrenen Weintrinker ist die Kennzeichnung des Alkoholgehaltes auf dem Etikett ziemlich egal, denn er weiß meistens sehr genau wann es für ihn persönlich genug ist – insbesondere wenn er noch Autofahren will. Leider geht es anderen, meist jüngeren und unerfahreneren Weinfreunden ganz anders. Sie lesen immer wieder, dass für Männer der tägliche Konsum von nur 24 Gramm und für Frauen von nur 12 Gramm Alkohol gesundheitlich risikoarm seien. Alles darüber hinaus sei schädlich für den Körper. Diese Zahlen basieren angeblich auf wissenschaftlichen Erkenntnissen sagt die deutsche „Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung“. In Italien wird für Männer eine Spanne von täglich 24 bis 36 Gramm Reinalkohol von den entsprechenden Behörden empfohlen und in Spanien liegen die Zahlen sogar noch höher, nämlich bei 30 bis 70 Gramm pro Tag. Sind die Lebern spanischer Weinfreunde besser trainiert, oder ist die Wissenschaft auf der Iberischen Halbinsel eine andere? Die unterschiedlichen nationalen Empfehlungen reflektieren die enorme biologische Variationsbreite bei der Alkoholtoleranz, die nicht nur zwischen den Gesellschaften sondern auch in jeder einzelnen Gesellschaft existiert. …. bitte lesen Sie hier weiter: Verbraucherfreundliche Angabe des Alkoholgehaltes
 In Mitteleuropa zu viele davon: Regenwolken
Man muss sich nur vergegenwärtigen wo der Wein herkommt um zu verstehen, dass er es im Norden Europas nicht leicht haben kann. In prähistorischer Zeit kelterten die Kaukasus-Bewohner irgendwo zwischen dem heutigen Georgien, Aserbaidschan und dem Irak den ersten Wein. Zwar wissen wir nichts Genaues über das Klima in diesen Gegenden vor etwa 5.000 Jahren, aber eins dürfte klar sein: es war vermutlich wärmer als heute in Mitteleuropa. Die Existenz der Wüsten im Nahen Osten legt auch nahe, dass es dort Jahrtausende lang wenig geregnet hat. Wärme und geringe Feuchtigkeit schienen die Rebstöcke offenbar zu lieben. Was sie heute in unseren Breitengraden vorfinden ist ziemlich genau das Gegenteil: relative Kühle und viel Regen. …. bitte lesen Sie hier weiter: Ökologischer Rebbau: bald am Ende?
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Vortrefflicher Witz
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard
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