 Ein Klassiker für Sußweine: Kelchglas aus dem 19. Jhrh.
Ich habe ein Problem mit süßen Weinen, sie schmecken mir in ihrer Mehrzahl nämlich nicht. Dabei lese und höre ich immer wieder, dass Restsüße bei den heutigen Weintrinkern absolut im Trend liegen würde. Wenn ich auf die Geschichte des Weins sehe, stelle ich erstaunt fest, dass Jahrhunderte lang die Süße geradezu ein Markenzeichen für Wein war. Homer spricht schon von honigsüßem Wein, den Odysseus auf seinen Reisen als Gastgeschenk in seinem Schiff hatte. Die Huldigung süßen Weines setzt sich über die Jahrhunderte fort. Schon immer war der ungarische Tokayer, der mit der Zugabe von edelfaulen Trauben eine Weinaromatik besaß, die den Geschmack der Weinfreunde offenbar traf, das Maß aller Süßweine. Im 18. Jahrhundert griff dann die französiche Region Sauternes die ungarische Machart erfolgreich auf. …. bitte lesen Sie hier weiter: Eine subjektive Sicht: Süße im Wein muss nicht sein.
 Landschaft bei der Venta Haza del Lino
Auf der Passhöhe an der Strasse zwischen den ostandalusischen Dörfern Orgiva und Albuñol, in der Sierra de la Contraviesa, gibt es die Wirtschaft (Venta) „Haza del Lino“. Einst war sie der einzige Ort weit und breit an dem man essen konnte. Die Standard-Mahlzeit bestand aus dem lokalen, auf 1.300 Metern ü.M. gereiften Schinken mit Bratkartoffeln und in reichlicher Menge Öl gebratenem Spiegelei. Dazu bekam man eine Karaffe des selbst gemachten Vino de la Costa auf den Tisch gestellt, dieser war ein rosa gefärbter, alkoholreicher Wein mit deutlichen Sherrynoten. Obwohl es kein Gourmet-Essen war, sind wir die 10 Kilometer von unsrem Haus oft dorthin gefahren um uns beim alten Paco satt zu essen. Haza del Lino war eine in der ganzen Gegend bekannte Institution, in der auch die neuesten Nachrichten ausgetauscht wurden. Im Laufe der Jahre wuchsen die Kinder und Enkel heran, wobei die jeweils ältesten der Einfachkeit halber auch Paco hießen. Heute gibt es zwei Pacos, den Sohn und den Enkel des „Alten“. Beide sind Wein-Freaks und haben sich u.a. auch von Cesar Ortega, unserem Önologen von Los Barrancos, ausbilden lassen. Der junge Paco ist …. bitte lesen Sie hier weiter: Klein aber fein: der Wein einer andalusischen Venta
 Titelblatt (Ausschnitt) des Kleinen Prinzen von P. Sloterdijk übersetzt
Als ich Ende August 2016 nach Andalusien fuhr befand sich Peter Sloterdijks neue Übersetzung von „Der kleine Prinz“ im Reisegepäck. Mit diesem für Erwachsene geschriebenen „Kinderbuch“ hat Antoine de Saint-Exupery noch kurz vor seinem Tode bekanntlich Weltliteratur geschaffen. Ich weiß nicht wie oft ich dieses kleine Werk schon gelesen habe, aber noch immer kann ich mich für die Aussage des Fuchses begeistern, der den kleinen Prinzen belehrte: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Wir alle spüren vermutlich, ohne viel nachzudenken, dass sich in dieser Zeile eine intuitive Wahrheit verbirgt, die allerdings schwer fassbar ist.
Für was steht das Herz in diesem Zusammenhang? Es kann eigentlich nur der Geist sein. Eben jene in uns lebende schöpferische Kraft, die die subjektiven Wahrnehmungen und Eindrücke mit unserer Seele verknüpft. Dem äußerlichen Erkennen von Gegenständen, Menschen und Landschaften steht ein inneres Verständnis des Sehenden gegenüber, was ihm hilft seine Beobachtung in einen subjektiven Zusammenhang einzuordnen. Nur so sind letztlich Schönheit und Harmonie bzw. deren Gegenteil vermittelbar.
…. bitte lesen Sie hier weiter: Mit dem Herzen sehen
 Das Altern: ein farbenfroher Herbst des Lebens
Der Aufenthalt bei den farbenfrohen Bienenfressern hat mich zur Nachdenklichkeit gebracht und ich habe ein wenig über mich selbst und mein Leben reflektiert. Nach der Aufgabe von „La Vineria“ war für mich offenbar der Zeitpunkt gekommen mich mit den Jahren meines aktiven Geschäftslebens einmal kritisch auseinanderzusetzen. Habe ich meine Ziele erreicht und hat mich das glücklicher gemacht? Vielleicht ist es ja völlig falsch ein Leben sezieren und in Bestandteile zerlegen zu wollen um diese dann anschließend getrennt von einander zu betrachten. Ist es nicht immer die Gesamtheit aller Zeitabläufe, die das komplexe Gewebe unseres Daseins zusammenhalten? Meine Überlegungen und Gedanken zur Vergänglichkeit der Zeit, wie ich sie immer wieder versucht habe in Wort und Schrift mit Freunden zu diskutieren, sind Ausdruck der Erkenntnis, dass für mich selbst letztlich nur meine eigene Zeit (Egozeit) von Bedeutung ist. Das ist nichts Spezifisches für meine Person, sondern gilt für jedermann.
…. bitte lesen Sie hier weiter: Eine sehr persönliche Sicht auf das Altern
 September: Zeit der Weinlese
Mehr oder weniger vor einem Jahr habe ich den nachfolgenden Text geschrieben. Er gefällt mir immer noch und deshalb gebe ich ihn nochmal zum Besten, zumal er eine gute Einleitung zu meinem spätsommerlichen, bzw. herbstlichen Vorhaben ist:
Für beinahe jeden von uns hat der Sommer seinen ganz eigenen, individuellen Reiz. Wärme, Sonne, Meer, Berglandschaften oder die berühmte duftende Sommerwiese lösen Glücksgefühle aus und vermitteln das intensive Gefühl zu leben. Einen ganz besonderen Aspekt des Lebens repräsentieren für mich die Vögel. Sie sind ortsungebunden und scheinbar frei von jeglichen geographischen Zwängen. Manche von ihnen sind dazu noch wunderschön, andere können bezaubernd singen wieder andere vollführen ein kunstvolles Ballett in den Lüften. Kurzum, die Vögel sind Lebewesen, die in ihrer Ausdruckskraft der menschlichen Spiritualität ähneln. Sie haben Eigenschaften, die unseren geistigen Fähigkeiten nahe kommen. Auch die Vielfältigkeit des Geistes findet ihr Gegenstück in der Artenvielfalt der Vögel. Deswegen sind sie so faszinierend. …. bitte lesen Sie hier weiter: Wieder zu den Bienenfressern
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Kreativität und Wein In meinem „önosophischen Blog“ widme ich mich im weitesten Sinne kulturellen Themen und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Weingeniessers gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum versuchen die unterschiedlichen Thematiken meiner Beiträge auszudrücken, wobei mir der Wein gelegentlich schöpferisch zu Hilfe kommt.
Wein trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene) , wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung der beiden Schlegels ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können natürlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein. „Vortrefflichen Witz“ hat auch Antonio Machado, Spaniens bedeutendster Lyriker des 20. Jahrhunderts mit einem wunderschönen, schnörkellosen Gedicht zustande gebracht (meine holprige Übersetzung bitte ich zu entschuldigen):
Un vino risueño me dijo el camino
Yo escucho los áureos consejos del vino
Que el vino es a veces escala de ensueño.
Abril y la noche y el vino risueño
Cantaron en coro su salmo de amor
Ein lächelnder Wein wies mir den Weg
Ich vernahm seine goldenen Ratschläge
Denn der Wein ist manchmal eine Stufe zu den Träumen.
Der April, die Nacht und der lächelnde Wein
Sangen gemeinsam ihren Psalm der Liebe
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog und an unserer kleinen und exklusiven Auswahl spanischer Weine haben.
Peter Hilgard
Wir meinen, Wein ist eine Kultur des moderaten Genusses
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