 Rebstock
Dass die Farbe des Weines eine große Bedeutung für das Genußerlebnis hat, ist eine Binsenweisheit. In einem der großen deutschen Gourmet-Restaurants wurde uns vor einiger Zeit ein Wein in einem schwarzen Opalglas serviert und dabei trat die schon immer befürchtete Peinlichkeit ein, dass wir, alles erfahrene Weintrinker, nicht mit Sicherheit sagen konnten, …. bitte lesen Sie hier weiter: Die Farbe des Weines
Weinfreunde sind oft sehr großzügige Menschen, insbesondere wenn es darum geht die eigenen Schätze mit Gleichgesinnten zu teilen. Aus diesem Grund durfte ich gestern an einer grandiosen Weinprobe teilnehmen in der ein ausgewiesener Sammler aus seinem Besitz ältere Jahrgänge eines Barolo mit den jeweils gleichen Jahrgängen aus der Rioja angestellt hatte. Beide Weine hatten ihren ganz eigenen Stil: die Barolos waren immer eher aggressiv säure- und tanninbetont mit einem Duft in dem sich Liebstöckl-, Tabak-, Schokoladen- und Lakritztöne fanden während die deutlich helleren Riojas weich und samtig mit betörenden Aromen von Juchten und Orangenschalen glänzten. Absolute Höhepunkte waren der 1976er Viña Tondonia Gran Reserva auf Seiten der Riojas und der 1982er Falletto di Serralunga von Bruno Giacosa auf Seiten der Barolos. Insgesamt waren sich alle 15 Probenteilnehmer aber einig in der Beurteilung, daß die Rioja was Aromatik und Trinkvergnügen betraf, die Nase vorne hatte.
Zu den Riojas, die voll ausgereift und dennoch kein bischen müde waren gehörten die 1978er Marqués de Caceres Gran Reserva, die 1981er Imperial Reserva, je eine Marqué de Murrieta und Contino Reserva 1982 und der deutlich jüngere Baron de Oña Reserva 1995 (der immerhin auch schon 16 Jahre auf dem Buckel hatte!). All diese Weine, die ja noch irgentwie zu den Klassikern zählten, haben mal wieder gezeigt, daß Riojas, wie natürlich auch die Barolos, bei richtiger Lagerung ganz hervorragnd altern können. Der italienische Nebbiolo und der spanische Tempranillo gehören zweifelsfrei zu den großen Rebsorten dieser Welt (und dennoch haben sie über Italien bzw. Spanien hinaus wenig Verbreitung gefunden)!
Im Madrider Prado hängt ein wunderbares Bild von Tizian betitelt „Das Bacchanal von Andros“. Auf diesem farbenreichen Renaissance-Gemälde wird der enge Zusammenhang von Wein und Erotik sehr deutlich. José Ortega y Gasset, der große spanische Philosoph, Historiker und Dichter, beschreibt und interpretiert Tizians Bild folgendermaßen: „Der Himmel mit seinem kräftigen Blau, eine weiße Wolke in seiner Mitte, ist die Hauptperson. Von ihm zeichnen sich die Bäume, der kleine Berg, die Arme und Köpfe einiger Gestalten ab, und was immer er anrührt, wird frei von den Peinlichkeiten des Materiellen. Diesen friedlichen Winkel des Universums haben Männer und Frauen zur Daseinsfreude ausersehen. Man trinkt, lacht, plaudert, tanzt, tauscht Zärtlichkeiten und schlummert. Sämtliche biologischen Funktionen scheinen hier zur Würde zu gelangen, alle scheinen sie das gleiche Recht zu genießen. Nicht weit von der Mitte des Bildes hebt ein kleines Büblein sein Hemdchen hoch und macht ein Geschäftchen. Oben auf dem Hügel nimmt ein nackter Alter sein Sonnenbad, und vorne rechts reckt sich Ariadne im Schlaf, hüllenlos und weiß.“ Der Dichter fährt dann fort: „Die Zechenden haben ihre Kleider abgetan, um auf warmer Haut die Liebkosung der Elemente zu verspüren, vielleicht auch aus dem heimlichen Trieb und Wunsch heraus, noch mehr mit der Natur eins zu werden. Und je mehr sie einschenken, mit um so klarerem Blick sehen sie die letzten Geheimnisse des Alls, die schöpferischen Formen aller Dinge sich ihnen offenbaren… Bei Tizian erhebt der Wein die rein organische Materie zu einer geistigen Kraft“. Da kommt Freude auf und ein wenig Neid, daß man bei dieser Versammlung nicht dabei sein kann.
Spargelzeit ist Weißweinzeit, aber ich hasse das Wort „Spargelwein“, denn es lässt – analog zum Apfelwein – vermuten, dass der Wein aus Spargeln gemacht wird. Das ist natürlich Quatsch. …. bitte lesen Sie hier weiter: Spargelzeit ist Weißweinzeit
Manchmal denke ich, dass in dem alten Sprichwort „Politik verdirbt den Charakter“ doch ein Funken Wahrheit steckt. Wie anders wäre das Verhalten unseres Verteidigungsministers bei der Abfassung seiner Doktorarbeit zu erklären? Andererseits wirft der Vorwurf er sei ein Plagiator bei mir die Frage auf, ob nicht das Abschreiben unter den Internet-, Artikel- und Buchautoren heutzutage etwas ganz Übliches ist. …. bitte lesen Sie hier weiter: Politik verdirbt den Charakter
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Vortrefflicher Witz
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard
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