Die Farbe des Weines  Rebstock
Dass die Farbe des Weines eine große Bedeutung für das Genußerlebnis hat, ist eine Binsenweisheit. In einem der großen deutschen Gourmet-Restaurants wurde uns vor einiger Zeit ein Wein in einem schwarzen Opalglas serviert und dabei trat die schon immer befürchtete Peinlichkeit ein, dass wir, alles erfahrene Weintrinker, nicht mit Sicherheit sagen konnten, ob es sich um einen Rot- oder um einen Weißwein handelte.Einen Hinweis auf den immens wichtigen psychologischen Effekt der Farbe bekam ich durch ein Experiment aus den USA. Man hatte einem relativ hellen, aber guten Pinot Noir etwas rote, geschmacksneutrale Speisefarbe zugegeben und ihn neben ein Glas des Originalweins gestellt. Eine Gruppe professioneller Verkoster sollte in einer Blindprobe die beiden Weine beurteilen. Das Ergebnis war verblüffend: alle Teilnehmer fanden den dunkleren Wein deutlich besser.
Für die Farbe eines Rotweins ist das Zusammenspiel von den blauen bis purpurfarbigen Farbstoffen, s.g. Anthocyanen (aus den Traubenschalen) und den roten Gerbstoffen, s.g. Tanninen (aus Schalen und aus dem Barrique-Holz) sehr wichtig. Ausserdem spielt die Säure des Weins eine Rolle. Die Interaktion all dieser Partner findet während der Flaschenreifung statt und so ändert sich die Farbe des Weins langsam während des Alterungsprozesses. Durch die Polymerisation der Tannine mit den Anthocyanen zu langkettigen Molekülen geht auch die Adstringenz des Weines zurück, wodurch er sich angenehmer trinken lässt. Voraussetzung dafür ist aber das Vorhandensein einer ausreichenden Konzentration von Anthocyanen. Diese komplexen Zusammenhänge erklären, glaube ich, sehr plausibel wieso die Farbe eines Rotweines die Erwartungshaltung des Geniessers so erheblich beeinflussen kann.
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Vortrefflicher Witz
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard
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