Ein Dokument der Nächstenliebe in Granada Jetzt bin ich wieder im geliebten Granada und an einem jener lichtdurchfluteten Frühjahrsmorgen, die die Stadt golden aufleuchten lassen bin ich in die Casa de los Pisa, hinter der Chancilleria und am Fuße des Albaizin gelaufen. In den meisten Touristenführer findet man sie nicht. Dieser trotzdem überraschend schöne Palast mit einer Renaissance-Fassade gehörte einstmals der Familie Pisa, die im Gefolge der Katholischen Könige von ihrem ursprünglichen Wohnsitz in Almagro nach Granada gekommen ist. Doña Ana Osorio, die Gemahlin des Don García de Pisa y Villareal, war eine glühende Verehrerin von San Juan de Dios (Johannes von Gott), dem Mitbegründer des Ordens der Barmherzigen Brüder. Jeden Tag kam dieser an ihrem Haus vorbei und wurde dort immer reichlich mit Spenden für seine Kranken versehen. Eines Tages erschien Juan nicht und Doña Ana spürte sofort, daß dies nichts gutes bedeuten würde. Sie machte sich auf den Weg in das nicht weit entfernte Spital an den Cuesta de Gomérez, und fand Juan ernstlich krank vor. Sie wollte ihn überreden zu ihr in den Palast zu kommen, bis er wieder vollständig genesen sei. Aber Juan weigerte sich seine Kranken zu verlassen und erst durch Vermittlung des Erzbischofs gelang es ihn für die erforderliche Pflege in das Casa de los Pisa zu holen. Zu spät, zwei Wochen später, am 8. März 1550 starb er. Heute gehört das Haus den „Barmherzigen Brüdern“ und sie haben darin ein Museum eingerichtet. Es ist voll von interessanten und weniger interessanten Devotionalien, die im Zusammenhang mit dem Heiligen Johannes von Gott und dem späteren Orden stehen. Obwohl das Ganze eher wie ein Flohmarkt anmutet, gibt es manches Anrührendes, so z.B. die Korbtasche, mit der Juan durch die Strassen Granadas lief und für die Bedürftigen bettelte.
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Vortrefflicher Witz
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard
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