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Bahnt sich eine Katastrophe in den Weinbergen an?

Die Kirschessigfliege ist weit mehr als ein dämonischer Halloween-Scherz

Die Kirschessigfliege ist weit mehr als ein dämonischer Halloween-Scherz

Ein Gespenst in Form eines fliegenden Insektes geht in den Weinbergen Europas um, sein lateinischer Name ist Drosophila suzukii (deutsch: Kirschessigfliege). Manche Winzer setzen die potentielle Gefahr, die von dieser Mücke ausgeht, dem Unheil der Reblaus (Phylloxera) gleich, andere wiederum sehen es deutlich entspannter. Diese sehr unterschiedlichen Beurteilungen beruhen einerseits auf der erheblichen geographischen Variation der lokalen Verbreitung, d.h. was die Winzer davon mitbekommen und andrerseits auf der noch immer sehr geringen Kenntnis der Biologie des Tieres. Es kommt aus Südost-Asien und wurde in europäischen Breitengraden erstmals 2009 in Italien und zwei Jahre später in Deutschland gesichtet und beschrieben, wo es erhebliche Schäden in Kirschbaum-Plantagen anrichtete. Der Schaden, der von dem weiblichen Insekt ausgeht beruht auf einem Organ namens „Ovipositor“, dessen Aufgabe die Zerstörung der Frucht- bzw. Traubenschale und die Ablage der Eier im Fruchtfleisch ist. Während der folgenden Entwicklung der Larven (Maden) wird das Fleisch zerstört und die Frucht wird unbrauchbar. Das Insekt vermehrt sich mit rasender Geschwindigkeit.

Bei der uns interessierenden Vitis vinifera (klassische Weintraube) ist die Empfänglichkeit für den Ovipositor des Insekts sehr verschieden und ist wohl u.a. auch von der Dicke der Beerenschale abhängig. Es scheint allerdings keine wirkliche sortenspezifische Bevorzugung zu geben. Rote Trauben sind allerdings empfindlicher als weiße. Ausschlaggebend für die Gefährdung einer Traube ist ihr Zuckergehalt. In unreifen Beeren können sich die Maden nicht entwickeln. Daher werden die ersten Schäden an den Trauben auch erst nach dem Farbumschlag der roten Sorten, bzw. ab Mitte August, gesehen. Es kann sogar sein, dass sich die Löcher in der Beerenhaut wieder verschließen und der Befall zunächst überhaupt nicht erkennbar ist.

Ein bislang eher wenig beachteter Faktor ist die Tatsache, dass die Drosophila suzukii als Vektor, d.h. Träger, für einige andere Krankheitserreger fungieren kann. Der für den Weinbau wichtigster ist die Botrytis cinerea, der Erregerpilz der Sauer- und Graufäule, der ja auch sonst über Beerenverletzungen in das potentielle Lesegut kommt (siehe Blog “Der Januskopf unter den Schädlingen: Botrytis cinera“), kann, wie die Kirschessigfliege, ganze Ernten zerstören. Mit chemischen Keulen bzw. den etablierten Spritzmitteln wird man dem Insekt wohl kaum Herr werden und es müssen Strategien entwickelt werden, die dazu geeignet sind das Tier anstatt zur reifen Frucht in Fallen zu locken und dadurch vom Rebgarten fern zu halten.

Die klimatischen Bedingungen für das Gedeihen der Drosophila entsprechen mehr oder weniger denen, die in den nordeuropäischen Weinbaugebieten herrschen. Wärme und Trockenheit mögen sie nicht. Unter einer relativen Luftfeuchtigkeit von 70 % können sie langfristig nicht überleben. Dies ist auch der Grund dafür, dass wir die Kirschessigfliege in den andalusischen, 1.400 m hoch gelegenen Rebgärten von Los Barrancos noch nicht gesichtet haben.

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