Essig – ein Abfallprodukt so wertvoll wie Wein. Für den Weinmacher sind die, praktisch überall vorkommenden, Essigbakterien sein grösster Feind, denn es gilt ihre Aktivität während der gesamten Vinifikation zu unterdrücken um nicht am Ende essigsauren Wein zu bekommen. Hier kommt der Schwefel ins Spiel; er unterdrückt in niedrigen Konzentrationen das Wachstum der Essigbakterien, behindert aber nicht die Umwandlung von Zucker in Alkohol durch die Gärhefen. Die Essigproduktion sollte aber geographisch unbedingt weit weg von der Weinherstellung liegen um eine Infektion des Weins zu vermeiden. In der Volksmedizin spielte Essig eine grosse Rolle. Er wurde innerlich und äusserlich angewendet, wobei die Indikationen von Hühneraugen über Nerven- und Faulfieber bis zum Scharlach reichten. Vielfach gab es auch s.g. Kräuteressige, die die Wohltaten des Essigs mit denen von Heilkräutern verbanden. Eine ganz besondere Spielart ist der „Balsamico“, der sehr aufwendig aus vergorenem, eingekochtem Most gewonnen wird und entsprechend dickflüssig, teuer und süß ist.
Der Verbrauch der Spanier von Weinessig liegt an der Weltspitze, praktisch in allen dortigen Weingegenden wird nämlich auch Essig gemacht und Essigmarinaden gehören zum festen Bestandteil der spanischen Kochkultur. Die weit verbreitete „Escabeche“, deren Name maurischen Ursprungs ist, besteht aus Öl, Essig, Zwiebeln, Knoblauch, Lorbeer, Möhren, Paprika und Gewürzen wie Zimt, Nelken, Pfeffer und gelegentlich auch Kreuzkümmel und Koriander. Darin werden Rebhühner, Fische, Muscheln, und Fleisch gebeizt. Der berühmteste (und beste) spanische Essig wird im Sherryland im für die Sherry-Produktion typischen Criadera-Solera-Verfahren hergestellt. Er ist meist ein würziger Aromenstrauss mit zarten Holznoten und viel Säure, was bedeutet, dass man sparsam mit ihm umgehen sollte.
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Vortrefflicher Witz
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard
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