Feuerwerke zur Vertreibung böser Geister?  Feuerwerk (Foto: Pixabay)
Wie jedes Jahr wurde auch kürzlich wieder vor Silvester die Diskussion über ein Verbot für Feuerwerke und Böller aller Art diskutiert. Die progressiven Niederlande gelten dabei für viele als Vorbild: ab 2026/27 darf das Neue Jahr nicht mehr mit einem Feuerwerk begrüßt werden. Sicherheitsbedenken werden als Grund dafür angeführt und das Parlament, die gewählte Volksvertretung hat es abgenickt! In der letzten Nacht des vergangenen Jahres habe ich das mitternächtliche Feuerwerk von der Terrasse unserer Wohnung im Westend erlebt und war wirklich begeistert von dem grandiosen Himmelsschauspiel aus bewegtem Licht und Farben. Und das wollen einige Mitbürger abschaffen? In der Geschichte müssen wir über 2000 Jahre zurückgehen, um die Erfindung von Knallkörpern aufzuspüren. Etwa zwei Jahrhunderte vor dem Beginn unserer Zeitrechnung wurden in China Bambusstangen ins offene Feuer geworfen. Die entstehende Hitze innerhalb ihrer Hohlräume ließ die Stücke mit einem lauten Knall explodieren. Man tat dies mit einer ganz speziellen Absicht, nämlich die bösen Geister zu vertreiben. Erst die Entdeckung des sog. „Schwarzpulvers“ in einer chinesischen Alchemisten-Küche (ca. 600–900 n. Chr.) – einer Mischung aus Salpeter, Schwefel und Holzkohle – ermöglichte die Herstellung von Feuerwerkskörpern im heutigen Sinne. In den Anfängen wurde das Pulver auch in Bambusrohre gefüllt und gezündet, gleichzeitig wurde die Anwendung der Feuerspektakel um die Ehrung des Paares bei Hochzeiten, beim Neujahrsfest und bei verschiedenen anderen, spirituellen Zeremonien, erweitert. Der tiefe Sinn Glück zu bringen und Dämonen abzuwehren blieb erhalten.
Nach Europa kam das Feuerwerk erst später. In Deutschland wurde das erste dieser Art von Kaiser Maximilian I. (1459 – 1519), anlässlich des Konstanzer Reichstages von 1507, der vornehmlich der Planung seines Romzuges zur Kaiserkrönung diente, angeordnet. Mit dieser in höchstem Maße erstaunlichen, öffentlichen Vorstellung konnte der Kaiser seine enorme Machtfülle und den Prunk seines Hofes demonstrieren. Fortan sind die Fürstenhöfe seines Reiches immer wieder dem Konstanzer Beispiel gefolgt und etablierten Feuerwerke zur Zurschaustellung ihrer Macht und zur Belustigung der Untertanen. Später, in der bürgerlichen Gesellschaft wurden Feuerwerke die Höhepunkte bei Stadtfesten oder Kirmessen und gar Hochzeiten. Was Jahrhunderte als symbolträchtiges Vergnügen für alle Bevölkerungsschichten galt, erfährt seit ein paar Jahren heftige Kritik, dabei stehen Sicherheitsrisiken, Tier- und Umweltschutz ganz im Fokus, aber auch der Schutz der Bevölkerung vor potenziellen Gesundheitsgefahren gewinnt an Bedeutung.
In der Silvesternacht, in der ich auf der Terrasse stand und mich an Frankfurts Himmelskrachern erfreute, starben in Bielefeld zwei Jugendliche an den Folgen unsachgemäßer Handhabung von Feuerwerkskörpern und das unkontrollierte Abfeuern von Raketen gefährdete, wohl überall in Deutschland, Leib und Leben unbeteiligter Bürger. In der Hauptstadt war die Pyrotechnik mit massiver Randale verbunden, die zu über 400 Festnahmen von Aktivisten führte. Jedes Jahr kommt es in der Silvesternacht zu Verletzungen wie Verbrennungen oder dem Verlust von Gliedmaßen, über die in den Medien gar nicht mehr berichtet wird. Zudem verursacht Feuerwerk in Deutschland rund 2.000 Tonnen Feinstaub, vornehmlich an Silvester, was zu verschiedenen Atemwegsreizungen führen und die Gesundheit nachhaltig schädigen kann. Die angsteinflößende Wirkung des Lärms der entzündeten Feuerwerkskörper auf die Haustiere und Vögel in der Stadt ist enorm. Ganz zu schweigen von den 200 Millionen Euro, die die Deutschen als Feuerwerkskörper und Böller vornehmlich in der letzten Nacht des Jahres in die Luft jagen! Alles zusammengenommen spricht tatsächlich für eine Einschränkung des Gebrauchs von Pyrotechnik. Trotzdem lehnten alle Bundesregierungen ein generelles Verbot privater Feuerwerke bisher ab und das ist gut so! Viele Gemeinden haben allerdings Verbotszonen für Pyrotechnik in Innenstädten oder in der Nähe sensibler Gebäude bzw. Veranstaltungen, eingerichtet.
Bei der „Nutzen-Risikoabwägung“ von Feuerwerken dürfen wir nicht die klassischen, utilitaristischen Maßstäbe anlegen, sondern uns auf den spirituellen Kern dieser, auch in unserer Kultur verhafteten Tradition besinnen. Es ist ganz ähnlich wie bei unserer Weinkultur, auch sie lässt sich nur aus unserer Lebensart und ihrer langen Geschichte rechtfertigen. Unsere Vorfahren glaubten, dass Lärm und Licht, insbesondere in den Tagen zwischen den Jahren, die bösen Geister der Dunkelheit vertreiben würden. Das Feuerwerk wurde auch zum Symbol der Hoffnung und markierte den Aufbruch zu neuen Ufern: Glück und die magischen Kräfte des Neubeginns wurden durch die Darbietung am Himmel gleichsam sensorisch erlebbar. Obwohl die meisten von uns Feuerwerke nur noch zu ihrem Vergnügen ansehen und vielleicht ein ästhetisches Empfinden daraus ziehen, bleiben diese Ereignisse ein emotionales Ritual und haben, bei entsprechender Einsicht, auch eine tiefe psychologische Wirkung auf den Betrachter. Wir wollen diese auf Minuten begrenzte Verschönerung unseres Daseins nicht aufgeben, sondern sie wieder auf ihre ursprünglichen Inhalte reduzieren und mit Bedacht anwenden, denn kleine Mysterien können den Alltag aufwerten. „Nichts verhindert den rechten Genuss so wie der Überfluss“ schrieb einst Michel de Montaigne (1533 – 1592) in seinen „Essais“. Diese Aufforderung zum Maßhalten gilt noch heute, sie lässt sich auch mühelos auf die Silvester-Feuerwerke unserer Tage anwenden und ist eine Kampfansage an alle Übermütigen, Randalierer und sonstigen Spassbremsen.
Bleiben Sie stets neugiereig… und genussvoll durstig!
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Etwas über uns … Im Blog "Spaniens Weinwelten" hat der Journalist und Weinkritiker Thomas Götz unter dem Titel „Los Barrancos – der Wein, der Vogel und die schönen Künste“ unser „Vogel-Projekt“ sachkundig beschrieben und kommentiert.
Und hier "Spanischer Biowein, Buchlesung und Kaminfeuer auf Langeoog“ finden Sie zusätzliche Informationen über unsere Aktivitäten.
Kreativität und Wein
In meinem „önosophischen Blog“ widme ich mich im weitesten Sinne kulturellen Themen und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Weingeniessers gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum versuchen die unterschiedlichen Thematiken meiner Beiträge auszudrücken, wobei mir der Wein gelegentlich schöpferisch zu Hilfe kommt.
Wein trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene) , wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung der beiden Schlegels ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können natürlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein. „Vortrefflichen Witz“ hat auch Antonio Machado, Spaniens bedeutendster Lyriker des 20. Jahrhunderts mit einem wunderschönen, schnörkellosen Gedicht zustande gebracht (meine holprige Übersetzung bitte ich zu entschuldigen):
Un vino risueño me dijo el camino
Yo escucho los áureos consejos del vino
Que el vino es a veces escala de ensueño.
Abril y la noche y el vino risueño
Cantaron en coro su salmo de amor
Ein lächelnder Wein wies mir den Weg
Ich vernahm seine goldenen Ratschläge
Denn der Wein ist manchmal eine Stufe zu den Träumen.
Der April, die Nacht und der lächelnde Wein
Sangen gemeinsam ihren Psalm der Liebe
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog und an unserer kleinen und exklusiven Auswahl spanischer Weine haben.
Peter Hilgard
Wir meinen, Wein ist eine Kultur des moderaten Genusses
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