Gilgamesch-Epos: Enkidu wird durch den Wein zivilisiert Das Gilgamesch-Epos ist die älteste erhaltene Erzählung der Menschheit, die auf Tontafeln in babylonischer Keilschrift aufgeschrieben wurde. Darin wird von der Bedeutung des Weines, des Brotes und des Olivenöls, den drei „heiligen“ Nahrungsmitteln, für die Menschheit berichtet. Die Geschichte Enkidus, der durch die drei erwähnten Kulturgüter gebändigt wurde, ist auch die erste schriftliche Referenz an den Wein als Zivilisationsprodukt.
„Da aß Engidu Brot, bis er satt war,
Da trank er Wein, sieben Becher
Sein Geist löste sich, er wurde fröhlich
Sein Herz jubelte, und sein Antlitz strahlte.
Er salbte sich mit Öl und ward wie ein Edler…“
Es gibt verschiedene Übersetzungen des Gilgamesch-Epos und die Version, die ich kenne, stammt von dem Ägyptologen Herrmann Ranke (1878 – 1953)*. Sie zeichnet sich u.a. dadurch aus, dass Enkidu zum „Wein“-trinken erzogen wurde, während andere, frühere Autoren das Getränk aus dem Babylonischen mit „Bier“ übersetzt haben. Dies spielt eigentlich keine besonders wichtige Rolle, denn das Produkt war aus alkoholischer Gärung entstanden und darin unterscheiden sich ja Bier und Wein eigentlich nur durch ihre jeweilige materia prima. Wie großartig ist es doch zu wissen, dass unsere gastronomischen Vorlieben schon vor weit über viertausend Jahren im legendären Babylon von geniessenden Poeten gewürdigt wurden!
*Der Gilgamesch-Epos (Übersetzung), Hamburg (1924)
|
Vortrefflicher Witz
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard
|
Leave a Reply