Der Sommer ist in Sicht: Sangria oder tinto de verano?  Noch sind die Liegen leer, in den Sommerferien wird dann dort Sangria zur Erfrischung geschlürft
Es wird bald Sommer, das erkenne ich im Augenblick weniger am Wetter als daran, dass Kunden wieder beginnen nach Rezepten für eine Sangria zu fragen. Dazu ein paar Sätze: Die Sitte einfachen Rotwein im Sommer zu kühlen, kennen die Spanier schon lange. Auch das Vermengen mit kohlensäurehaltigem Mineralwasser, ist nichts außergewöhnliches und geht im übrigen auf eine jahrhundertealte Tradition zurück. Die alkoholreichen Rot- und Weißweine des Landes hat man im Sommer schon immer „auf Trinkstärke“ verdünnt. Der „tinto de verano“, der „Sommerrote“, ist die Erfindung des bekannten spanischen Getränkeunternehmens „Gaseosa“. Man verdünnt den Rotwein hälftig mit einer klaren Zitronenlimonade (eben jenem zuckerfreien Gaseosa) und gibt viel Eis dazu; entsprechend kalt serviert schmeckt es zur Sommerküche sehr gut. Vorteil dieses Getränks ist vor allem, dass es, bei mäßigen Genuss, gut bekömmlich ist. Dies kann man von einer klebrig süßen Sangría, dem Klischee des spanischen Sommergetränks, nicht immer behaupten. Spanien-Urlauber lieben die Sangria aber trotzdem, denn sie vernebelt den Geist und lähmt die Glieder, so dass die „siesta“ in der größten Mittagshitze ein Muss wird.
Es gibt aber auch trinkbare und gut verträgliche Sangria, die sogar schmecken kann. Hier ein persönlich vielfach erprobtes Rezept: Eine Flasche eines jungen, möglichst fruchtigen Rotweins (sehr gute Qualität sollte es schon sein!) in eine Karaffe oder Kanne von mindestens 1,5 l Inhalt giessen, dazu in kleine Würfel (ca. 0.5 x 05 cm) geschnittenes Obst (z.B. Äpfel, Birnen, Orangen, Pflaumen oder was sonst verfügbar ist), einige Schalen ungespritzter Zitronen, Limetten oder Orangen sowie eine Zimtstange und/oder 2 Gewürznelken geben und 2 bis drei Stunden im Eisschrank stehen lassen (kann z.B. auch schon mittags vorbereitet werden). Wenn man ein etwas stärkeres und noch aromatischeres Getränk wünscht kann man ein Glas Rum (weiß, oder besser noch braun) oder sogar eine entsprechende Menge eines spanischen Brandys hinzufügen. Kurz vor dem Servieren wird Eis dazu gegeben und das ganze mit 0.7 Liter heller (durchsichtiger), Zitronenlimonade aufgefüllt. Wer es ganz lieblich will fügt ggf. noch Zucker oder Süßstoff dazu. Am bekömmlichsten ist das Getränk wenn es nur aus Wein, Obst, Gewürzen und Limonade besteht.
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Vortrefflicher Witz
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard
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