Was ich in der Schule nicht erfuhr… Als ehemaliger Schüler des Nicolaus-Cusanus-Gymnasiums in Bad Godesberg hätte ich eigentlich wissen müssen, dass der Namensgeber dieser Bildungsstätte ein großer Weinfreund war. Aber erst kürzlich, ein halbes Jahrhundert später, stiess ich auf einen Text dieses großen deutschen Philosophen, Theologen und Mathematikers, der mir diesen Zusammenhang deutlich machte. Cusanus war der erste Humanist in unserem Lande und wen wundert´s, daß seine Liebe auch dem Wein galt, kam er doch, wie sein Name verrät, aus Kues (heute Bernkastel-Kues) an der Mosel. Cusanus machte eine glanzvolle Karriere innerhalb der katholischen Kirche, wo er eine bedeutende Rolle, insbesondere in den Auseinandersetzungen um die Kirchenreform, spielte. Er brachte es zum Fürstbischof im tiroler Brixen und wurde schliesslich Generalvikar im Vatikan. Also ein Mann mit geistigem Gewicht!
Gerade deshalb ist sein Interesse am Wein so bedeutungsvoll, weil es uns etwas vom Wesen dieses Getränkes vermitteln kann. Der Ausspruch auf den ich neulich aufmerksam wurde lautete in seiner deutschen Übersetzung (Original auf lateinisch): „Gott wird irgendwie wie Wein erkannt: durch Hören, durch Sehen und durch Schmecken“. Wir hören den Wein bei der Gärung: das leise, zarte Blubbern im Tank vermittelt Leben, auch später beim Einschenken hören wir das Plätschern des Weines wieder als sei es Musik. Das Sehen ist eine der wesentlichen Vorbereitungen auf den Genuß, das leuchtende Strohgelb-grün der Jugend oder das Gold-gelb des reiferen Weißweines, bzw. die verschiedenen Rottöne beim Halten des Rotweinglases gegen das Licht, erwecken Erwartungen am Gaumen, die sich dann beim Schmecken (hoffentlich!) erfüllen. Der Geschmack ist, neben dem Geruch, zweifelsfrei das grösste Vergnügen beim Weintrinken. Im Umkehrschluss bedeutet Cusanus´ Spruch ja, daß der Genießer des Weins sich dem Göttlichen nähert. Eine schöne Vision, die wir Weinfreunde sicher schon mehr als einmal erlebt haben!
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Vortrefflicher Witz
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard
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