Ein kleines Wunder bei der Vermählung von Wein mit Speisen  Weiße Bohnen mit Thunfisch
Nicht immer müssen zwangsläufig große Weine auf kulinarisches Raffinement stoßen um ihren Charakter vollständig zu entfalten. Ich erinnere mich bei guten Freunden aus Bremen das klassiche Kultgericht Grünkohl mit Pinkel gegessen und dazu einen großartigen 2me Cru aus Bordeaux getrunken zu haben. Mein Genuß war unvorstellbar und die Räuchernoten des Essens verbinden sich noch heute an meinem Gaumen auf wunderbare Weise mit der Frucht und den intensiven Kräutertönen des Weins. Es brauchte keinen Sternekoch für dieses lukullische Erlebnis, nur sehr gute Zutaten.
Ich bin auch kein Sternekoch und dennoch ist mir neulich (vielleicht durch puren Zufall?) eine geschmackliche Sternstunde bei der Vermählung von Wein und Speise gelungen: Dicke, weiße Bohnen mit Bonito (weißer Thunfisch) del Norte, Olivenöl und Oregano. Banaler könnte es kaum sein, aber – und das hat die einfache Speise geadelt – dazu habe ich einen Naiades 2008, einen großartigen Weißwein aus Rueda getrunken. Seine Verdejo-Trauben stammten von über 80 Jahre alten Rebstöcken, er wurde im Barrique vergoren und hat entsprechend vielschichtige Aromen in denen sich, neben Vanille und Kräutertönen, Äpfel, Melone und Pirsich wiederfanden, dazu große Fülle am Gaumen, mit weicher cremiger Struktur. Das Vorbild Burgund war unverkennbar, aber der Wein hatte dennoch einen sehr eigenen Charakter. Die zarte Süße der Bohnen und die pfeffrige Würze des Oregano, eingebettet in die Frucht des Olivenöls und die feinen Fischnoten ergaben mal wieder jene mysteriöse Harmonie mit dem Wein, von der der Weinfreund träumt.
Wem das alles absonderlich erscheint, der sollte es mit dem lateinischen Sprichwort „de gustibus non est disputandum“ (über Geschmack lässt sich nicht streiten) halten. Die Subjektivität des Geschmacks- und Geruchssinnes ist von keiner anderen Wahrnehmungsart zu überbieten.
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Vortrefflicher Witz
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard
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