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Gedanken anlässlich einer Reise nach Spanien

Albarracín, eines der schönsten Dörfer Spaniens

Wir sind gerade zurückgekommen von einer Reise durch das südliche Aragonien. In den großartigen Dörfern Albarracín, Alcaníz, Rubielos de Mora, Valderrobres und Calaceite wird die Geschichte dieses Landes wieder lebendig. Bürgerliche und adelige Paläste im Stile der aragonesichen Renaissance zeugen von der einstigen Größe des Landes. Je intensiver man die Architektur in sich aufnimmt desto deutlicher wird die historische Tatsache, dass hier das heutige Spanien ganz wesentliche Wurzeln hat. Wenn wir von den „katholischen Königen“ reden denken wir fast immer zuerst an Elisabeth (Isabel) die Erste, Königin von Kastilien (1451–1504). Ihre Sprache war das Kastilische, das heutige Spanisch. Ihr Gemahl König Ferdinand (Fernando) der Zweite von Aragón (1452–1516) sprach Aragonesisch und war der bei Weitem Gebildetere der beiden Monarchen. Er war ein Liebhaber, nicht nur schöner Frauen, sondern auch der Musik und der bildenden Künste. Strategisch geschickt zweigte er vom geneinsamen kastilisch-aragonesichen Staatshaushalt Gelder für die Kultur seines Landes ab. Die architektonischen Monumente aus jenen Tagen zieren heute noch die Marktplätze und historischen Zentren der obigen Dörfer.

Gute Verbindungen mit öffentlichen Verkehrsmittel und ein gut ausgebautes Straßensystem machen Spanien zu einem Reiseland par excellence. Dazu kommt die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Bevölkerung sowie die unzähligen Sehenswürdigkeiten, die das Reisen tatsächlich zu einem aussergewöhnlichen Vergnügen machen. Das habe nicht nur ich erlebt sondern vermutlich auch die 75 Millionen ausländischen Touristen, die das Land 2016 bereist haben. Das sind weit über 1½ mal so viele Menschen wie das Land über Einwohner verfügt! Welche volkswirtschaftliche Bedeutung der Tourismus für Spanien hat, ergibt sich aus der Menge an Geld, die die Besucher im Lande lassen: 77 Milliarden Euros 2016. Das Madrider Ministerium für Energie und Tourismus, von dem die zitierten Daten stammen, hat berechnet, dass jeder Gast in Spanien am Tag seines Aufenthaltes im Durchschnitt 138 Euros ausgibt. Dem gegenüber stehen annähernd zwei Millionen Arbeitskräfte, die in der Touristikbranche im weitesten Sinne ihren Unterhalt verdienen.

Das Hauptkontigent der Touristen stellt das Vereinigte Königreich mit an die 17 Mio Besuchern, gefolgt von Frankreich und Deutschland mit je 10,7 Mio. Man stelle sich die Anzahl der deutschen Touristen einmal bildlich vor vor: sie entspricht ziemlich genau der gesamten Einwohnerzahl von Baden-Württemberg! Natürlich bleiben nicht alle Einnahmen aus dem Tourismussektor im Lande. Viele ausländische Hotelketten oder Verkehrsunternehmen profitieren ebenfalls vom großen Boom. Die Gründe für Spaniens Beliebtheit als Reiseziel sind natürlich nicht nur die zivilen Preise und die guten meteorologischen Gegebenheiten (so zeigt z.B. die Klimatabelle für Madrid im Juli durchschnittlich 12,3 Stunden Sonnenschein und im Jahresdurchschnitt 7,8 Stunden – gegenüber 4,7 in Berlin!). Die politischen Gegebenheiten in den anderen klassischen Touristenländern rund um das Mittelmeer haben sich 2016 dermaßen verschlechtert, dass offenbar sehr viele Touristen auf Spanien „ausgewichen“ sind – und ich bin mir da ganz sicher: wer einmal Blut geleckt hat, der wird bestimmt wiederkommen!

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