Verbessert Musik den Wein? Über Lautsprecher ertönt Beethoven und Bach im Weinkeller, in denen die Barriques mit dem jungen Rotwein liegen. Der Wein wird rund um die Uhr beschallt erklärte mir vertrauensvoll der zuständige Önologe. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass die abgespielten Stücke „Betriebsgeheimnis“ seien, „zu laut sollten sie allerdings nicht sein!“ gab er zu bedenken. Der Wein wird harmonischer und ausgeglichener durch die Musik während des Reifungsprozesses – so jedenfalls lautete seine Hypothese.
Die Schallwellen sind ja bekanntlich Schwingungen, die sich nicht nur in der Luft sondern auch in Flüssigkeiten, wie Wein und im Holz der Fässer ausbreiten können. Sie sollen helfen die Hefen in der Schwebe zu halten und somit wie eine Art „bâtonage“ auf den reifenden Wein wirken. Die Wirkung von Musik auf biologische Systeme ist ja seit langen bekannt. Ein eklatantes Beispiel ist die Beschallung von Milchkühen zur Steigerung der Milchproduktion. Auch dabei kommt es auf die „richtige“ Musik an. Ein Favorit der Kühe scheint übrigens Beethovens „Pastorale“ zu sein. Während man bei den Hefen und Bakterien davon ausgehen kann, dass sie kein Gehör haben ist das bei Kühen natürlich anders. Musik ist ein sehr intensives emotionales Kommunikationsmittel und als solches findet sie in der Humanmedizin ja auch gelegentlich Anwendung (Musiktherapie). Vielleicht gilt das auch in einem bestimmten Umfang für Tiere. Was sich da allerdings auf molekularer Ebene tut ist völlig unbekannt und Gegenstand der Forschung. Vielleicht geben ja so einfache Systeme wie Gärhefen oder -bakterien (z.B. malo-laktische Gärung) eines Tages wichtige Aufschlüsse über den Effekt der Musik in der Biologie.
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Vortrefflicher Witz
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard
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