Kriesenbewältigung durch Lebensfreude?  Frisches Gras und Rosenblätter auf der Strasse beim Fronleichnamszug in Granada
Am Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitstag wurde Fronleichnam gefeiert. In Granada hat dieses Fest mit seinen feierlichen Prozessionen eine lange Tradition. Wie in vielen katholischen Regionen der mediterranen Welt wurden Altäre entlang des Prozessionsweges aufgebaut und die Strasse mit grünem Gras und Rosenblättern bestreut. Es duftete nach Heu und Weihrauch.Unter dem Sonnenschutzbaldachin, der den Strassen der Innenstadt etwas Schatten gibt, säumten unzählige Menschen die vorbeiziehenden Musikanten, kirchlichen Würdenträger und Gemeindemitglieder. In diesem Krisenjahr 2012 war die Stimmung trotzdem ausgesprochen ausgelassen, was in den Köpfen der Zuschauer allerdings vor sich ging, blieb mir naturgemäß verborgen. In der Woche um Corpus Christi (Fronleichnam) fand auch das jährliche Stadtfest (feria de Granada) statt. Auf einem Festplatz am Stadtrand war eine Kirmes aufgebaut und in Granadas ehrwürdiger Arena fanden Stierkämpfe statt, die mit berühmten Toreros die „aficionadas“ anlockten. Granada befand sich in diesen Tagen im Ausnahmezustand.
In den Tageszeitungen war seit langem nur noch von der akuten Bankenkrise die Rede, sie hat ja schon längst auch andere Teile des täglichen Lebens der Bürger in diesem Land erfasst. An einem sonnendurchtränkten Tag wie dem diesjährigen Fronleichmahmstag sieht niemand die unzähligen Verkaufsanzeigen für Wohnraum an den Häusern oder die herabgelassenen Jalousien vor den geschlossenen Läden. Da wurde gefeiert und für eine Weile das Unangenehme vergessen und den schönen Seiten des Lebens gehuldigt. Vor einem Strassenaltar angesichts der Mutter Gottes wurden zum Katagnettenrhytmus „Sevillanas“ getanzt. Mein Freund Pepe war allerdings skeptisch: „Du hast nur die Leute gesehen, die – wie Beamte und Staatsangestellte – sich keine Sorgen machen müssen, die anderen sitzen zuhause, blasen Trübsal und träumen nur von Sevillanas auf der Strasse.“ Ob er Recht hat?
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Vortrefflicher Witz
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard
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