Bei 30 °C in einer Sommernacht: der Maduresa 2007  Mit bemerkenswertem Etikett: Maduresa 2007 aus Valencia
Ich wollte einmal wissen, wie sich rote Spitzenweine in einem warmen Sommerklima präsentieren. Um das rauszubekommen habe ich mir in Granada drei Weine gekauft, die es auch im Sortiment von La Vineria gibt. Dabei habe ich übrigens bemerkt, dass die Weine im Ursprungsland auch nicht billiger als in Deutschland sind. Ich habe sie während des heißen Sommers 2012 verkostet in dem in manchen Nächten das Thermometer nicht unter die 30 °C-Marke sank. Nachfolgend die letzte Verkostungsnotiz.
Der „Celler del Roure“ ist eine kleine Weinkellerei in der D.O.Valencia im Besitz von Pablo Calatayud, einem Weinbauingeneur, der mit Herz und Seele bei seinem Beruf ist. Er hat sich in eine fast ausgestorbene, valencianische rote Rebsorte namens „Mandó“ verliebt und setzt seine ganze Energie daran aus dieser einen Spitzenwein zu keltern. Noch verfügt er nicht über aureichend Rebstöcke um einen reinsortigen Mandó zu machen aber diese Traube ist schon zu 20 % Bestandteil des Maduresa 2007. „Für die aromatische Komplexität eines Weines ist hauptsächlich die Cuvée veranwortlich“ meint Pablo Calatayud und hat eine Mischung aus Mandó, Cabernet Sauvignon, Syrah, Merlot, Petit Verdot, Monastrell und Garnacha tintorera für sein Flaggschiff zusammengestellt und diese ein Jahr im Barrique aus französischer Eiche reifen lassen.
Schon das, noch im nächtlichen Kerzenschein erkennbare, brillant-leuchtende Kirschrot im Glas begeistert. Die intensive Aromatik zeigt in der Nase reife, rote Früchte auf dem Hintergrund cremiger Holznoten. Deutliche Mineralität. Am Gaumen hinterlässt der Maduresa viel Frucht mit ausgewogenen balsamischen und mineralischen Noten, hervortretende, aber ausgewogene Tannine. Der Wein brachte viel Frische auf der Zunge. Insgesamt ein großes Trinkvergnügen in einer heißen Sommernacht! Spaniens Weinguru José Penin hat ihm ganz berechtigt 92 Punkte gegeben.
Alle drei Verkostungen, hier in je einem Blog beschrieben, waren großartig und mein persönlicher Schluss ist eindeutig; ein warmer Sommer verhindert die Freude an einem guten Rootwein in keinster Weise!
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Vortrefflicher Witz
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard
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