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Gedanken zur Lagerfähigkeit von Weinen zuhause

Nach der Reifung im Barrique folgt die ebenso wichtige Flaschenreifung

Nach der Reifung im Barrique folgt die ebenso wichtige Flaschenreifung

Schon beim Kauf eines Weines sollte man sich im klaren darüber sein wann man ihn denn trinken möchte. Ist er für eine kurz bevorstehende Gelegenheit gedacht ist die Frage der Lagerfähigkeit natürlich irrelevant. Soll er aber als Vorrat für späteren Genuss dienen ist seine Lagerfähigkeit ganz ausschlaggebend. Ganz allgemein gilt, dass sich kleine und schwache Jahrgänge, insbesondere wenn sie keinen Holzfassausbau hinter sich haben, weniger gut zum Einlagern eignen, sie sollte man möglichst früh nach der Lese genießen, denn dann sind sie am schönsten! Das gilt für rote und für weiße gleichermaßen.

Häufig ist es allerdings so, dass die Abfüllung in die Flasche noch längst nicht das Ende der Weinentwicklung darstellt. Nach der Gärung reift ein Wein ja zunächst meist in Edelstahl- oder Betontanks bzw. in großen Holzfudern. Darin kann er entweder bis zur Abfüllung bleiben oder er wird vorher noch für eine gewisse Zeit in kleine Holzgebinde, wie z.B. Barriques, gefüllt, worin er u. U. noch weitere Jahre reifen kann. In jedem Fall soll sich eine gewisse Zeit der Flaschenreifung anschließen. In dieser Zeit fügen sich die Geruchs- und Geschmackelemente des Weins (man spricht auch von den Primär-; Sekundär- und Tertiäraromen) zusammen um schließlich jene sensorische Harmonie zu erzeugen, die einen großen Wein auszeichnet. Bis es zu diesem Stadium der absoluten Trinkreife kommt können 5 bis 15 Jahre, je nach Wein, vergehen. Sie müssen sich allerdings nicht als „Kindermörder“ bezeichnen lassen, wenn Sie eine Vorliebe für etwas jüngere, noch ruppig-rustikale Weine haben und entsprechend kürzere Lagerung bevorzugen.

Wann weiß man ob ein Wein mit der Reifung fertig ist? Es ist immer eine Ermessensfrage ob man einen älteren Wein jetzt oder später öffnet. Enttäuschungen sind dabei geradezu vorprogrammiert, denn es sind einige Faktoren, die die Reifung beeinflussen: falsche Positionierung der Flaschen, große Temperaturschwankungen oder Schwankungen in der Luftfeuchtigkeit können Weine schneller reifen lassen oder Korken luftdurchlässig machen und dadurch eine Oxydation bewirken. Schlechte Gerüche im Lagerraum übertragen sich nach einiger Zeit auf den Wein. Die besten Voraussetzungen für eine adäquate Lagerung bietet natürlich ein gut durchlüfteter oder gar klimatisierter Keller.

Natürlich spielen auch eigene Erfahrungen mit früheren Jahrgängen des gleichen Weines oder Verkostungsnotizen von Journalisten eine Rolle bei der Entscheidung für die Dauer der Lagerung. Mein Tipp: am besten man besorgt sich immer gleich mindestens sechs Flaschen eines guten Weines und probiert nach zwei der drei Jahren jedes weitere Jahr eine davon um seine Entwicklung zu verfolgen. Das kann nicht nur sehr lehr- sondern auch enorm genussreich sein! Vielleicht klingt mein folgender Ratschlag dazu etwas oberlehrerhaft: bringen Sie ihre Eindrücke zu Papier, denn nur so haben sie die Entwicklung nachvollziehbar dokumentiert und können bei Bedarf darauf zurückgreifen.

 

2 Kommentare zu Gedanken zur Lagerfähigkeit von Weinen zuhause

  • […] Man kann noch unendlich lange über das Dekantieren dozieren. Zwei Grundregeln lösen das Problem pragmatisch: (1) Wenn möglich, vorzugsweise gereiftere Weine trinken und (2) diese sich im Glas entwickeln lassen. Beides zusammen verspricht himmlische Genüsse! Und bitte nicht vergessen: Weißweine profitieren häufig noch mehr als Rotweine von der Sauerstoffzufuhr. Fast jeder kennt das Phänomen, dass das zweite oder dritte Glas  besser als das erste schmeckt. (Siehe auch Blog: Gedanken zur Lagerfähigkeit von Weinen zuhause) […]

  • […] einem vorangegangenen Blog (Gedanken zur Lagerfähigkeit von Weinen zuhause)  hatte ich über die Weinreifung zuhause gesprochen. Daraufhin erhielt ich mehrere Nachfragen was […]