Die japanische Katastrophe und der Wein Zu tiefst erschüttert vom menschlichen Leiden sehen wir die Bilder aus Japan. Zu der unermesslichen Naturkatastrophe kommen noch die Folgen des damit verbundenen Atomunfalls, die uns unter die Haut gehen. Gemessen an all dem ist das Schicksal der japanischen Weinmacher sicher eher bedeutungslos, aber ich möchte in diesen Tagen des Unglücks auch an sie erinnern, denn sie kümmern sich voll Liebe und Begeisterung um das zarte Pflänzchen namens Weinbau in ihrem Lande. Ihre Zukunft ist momentan so unsicher wie die der gesamten japanischen Wirtschaft aber ihre Vergangenheit ist voll von Geschichten. Zum Beispiel berichtet eine Sage von einem Heiligen, der im 8. Jahrhundert auf der Insel Honshu Reben gepflanzt und damit die Weinkultur im Lande begründet haben soll. Heute beläuft sich die Anbaufläche auf knapp 22.000 Hektar, davon entfallen allerdings fast vier Fünftel auf den Anbau von Tafeltrauben. Jedes Jahr werden rund 140 Millionen Liter Wein in Japan pruduziert. Nach Angaben der japanischen Firma Suntory beläuft sich der Weinumsatz im Lande auf ca. 347 Millionen Liter/Jahr, also erheblich über das Doppelte der Produktion.
Die Japaner redeten bis vor kurzem von einem regelrechten Boom des Weinmarktes. Nachdem Shinya Tasaki 1995 zum weltbesten Sommelier gekürt wurde, hat sich der Wein-Konsum in Japan mehr als verdoppelt. Seit dieser Zeit war Tasaki die treibende Kraft hinter dieser Weinbegeisterung. In Büchern und Fernsehsendungen machte er das Weintrinken populär und Japan zu einem wichtigen Importmarkt, auch für deutsche und spanische Kellereien, vorallem aber für die großen crus aus Bordeaux und dem Burgund. Ich wünsche den japanischen Geniessern bald wieder so viel Ruhe und Entspannung, daß sie sich an ihren geliebten Tropfen auf´s Neue erfreuen können!
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Vortrefflicher Witz
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard
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