Das Lied eines Mädchens weckt Erinnerungen  reift im Barrique: Tempranillo
Vergangenen Samstag stellte ich mich bei einem Geldautomat auf der Frankfurter Zeil an; vor mir war eine Frau damit beschäftigt die Technik der Maschine zu überlisten, damit diese Papiergeld aus dem Schlitz drückte. An ihrer Seite stand ein kleines, schätzungsweise 9-jähriges Mädchen und trällerte ein Liedchen vor sich hin. Da es mir sehr gefiel erlaubte ich mir das Kind zu fragen woher diese Melodie wohl käme und erntete wütende Blicke der Mutter. Ich spürte deutlich, daß ich, der potentielle Kinderschänder, mich schämen sollte ein kleines Mädchen einfach so anzusprechen. Beim zweiten Anlauf schien die Mutter ihre Vorurteile fallengelassen zu haben und ich wiederholte, wie schön der zarte Gesang ihres Kindes gewesen sei. „Es war ein Lied das in der Werkstatt meines Großvaters viel gesungen wurde“ sagte die Frau, jetzt unerwartet freundlich. Ja der Großpapa hatte eine Böttcherwerkstatt in einem oberhessischen Dorf und das Lied lautete etwa so: „…Küferstolz, macht das Faß aus Eichenholz. Man tut streifen, man tut fügen, Feuer und Wasser muß es biegen.“ Mitten im Frankfurter Großstadtgetümmel stiegen in mir die wunderbaren Gerüche der Küferei in den Bodegas Muga* hoch: süße Eichentöne und ein Hauch vom Qualm des Faßbrandes, der alle Rotweine dieser Kellerei durchzieht. Für einen Moment war ich wieder beim Wein und vanillige Barrique- und Kokosnoten erfüllten meinen Gaumen. Ich dankte der Frau und ging meinerseits an die Arbeit Geld aus der Wand zu fischen.
*diese Kellerei im Bahnhofsviertel von Haro in der Rioja ist noch eine der ganz wenigen, die sich eine eigene Küferei leistet.
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Vortrefflicher Witz
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard
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Ich habe mal die ganze Strophe recherchiert:
Lustig sind wir Küfer
sollten wir nicht lustig sein,
trinken stets vom besten Wein.
Bund und Ländern müssen wir dienen,
große und kleine Fässer fügen,
ist das nicht ein Küferstolz,
ja Küferstolz,
macht das Faß aus Eichenholz.
Man tut streifen, man tut fügen,
Feuer und Wasser muss es biegen.
Auch wenn nicht mehr viele Bodegas ihre Fässer selbst herstellen, eines hat sich nicht geändert:
.. Bund und Ländern müssen wir dienen, ..