Ich bin dann mal bei den Bienenfressern! Für beinahe jeden von uns hat der Sommer seinen ganz eigenen, individuellen Reiz. Wärme, Sonne, Meer, Berglandschaften oder die berühmte duftende Sommerwiese lösen Glücksgefühle aus und vermitteln das intensive Gefühl zu leben. Einen ganz besonderen Aspekt des Lebens repräsentieren für mich die Vögel. Sie sind ortsungebunden und scheinbar frei von jeglichen geographischen Zwängen. Manche von ihnen sind dazu noch wunderschön, andere können bezaubernd singen wieder andere vollführen ein kunstvolles Ballett in den Lüften. Kurzum, die Vögel sind Lebewesen, die in ihrer Ausdruckskraft der menschlichen Spiritualität ähneln. Sie haben Eigenschaften, die unseren geistigen Fähigkeiten nahe kommen. Auch die Vielfältigkeit des Geistes findet ihr Gegenstück in der Artenvielfalt der Vögel. Deswegen sind sie so faszinierend.
Die Sommerzeit in den Bergen der Alpujarras im tiefen Süden der iberischen Halbinsel ist die Zeit der Bienenfresser. Dieser farbenprächtige, elegante und offenbar Wärme liebende Vogel lebt von großen Insekten und brütet u.a. auch in Erdhöhlen an den Abhängen unseres andalusischen Tales. Von der Systematik her, gehört er zu den Rackenvögeln, zu denen auch solche optische Juwelen wie der Eisvogel und der Wiedehopf gehören. Bienenfresser sind Zugvögel und kommen erst sehr spät in die Täler der hochgelegenen Alpujarras, Sie fliegen meist in Schwärmen und geben dabei ein Trillerpfeifen ähnliches Geräusch von sich. Wenn sie am Abend in der bereits tief stehenden Sonne aufleuchten, erkennt man die wunderbaren Farben und Proportionen dieser einmalig schönen gefiederten Geschöpfe. Braun, rot, türkis gelb und schwarz fügen sich harmonisch zu einem exotischen Farbentraum in ihrem Federkleid zusammen. Im September ziehen sie wieder gen Süden und hinterlassen in der Landschaft Stille und die beginnende Melancholie des Herbstes.
Wegen dieser fliegenden Gesellen werde ich die nächsten zwei Monate in Spanien verbringen und meine Tage mit ihnen teilen – bis sie über´s Meer wieder nach Afrika ziehen. Was ich dabei erlebe erfahren Sie am Ende des Sommers hier an dieser Stelle. In der Zwischenzeit steht Ihnen La Vineria wie immer offen – Sie brauchen nicht auf guten Wein zu verzichten!
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Vortrefflicher Witz
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard
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