Skepsis geboten: „bag-in-box“-Weine Bag-in-Box nennt sich eine Verpackungsart von Wein, mit der ich persönlich noch keine Bekanntschaft gemacht habe. Sie setzt sich zusammen aus einem dünnen Beutel aus Plastik oder Aluminium, in den ein Zapfhahn eingelassen ist. Das Ganze ist von einem Pappkarton umschlossen, der die Verpackung stabilisiert und aufstellbar macht. Beim Aufdrehen des Hahns läuft der Wein hinaus und das dadurch entstehende Vakuum umgibt den übrigen Inhalt des Beutels bis er vollständig leer ist. Aufgrund dieses Systems gelangt nach dem Öffnen nur sehr wenig Sauerstoff ins Innere des Beutels und der Wein oxydiert nicht, oder deutlich weniger, als in herkömmlichen Flaschen. Außerdem soll des Ganze ökologisch günstiger sein als Flaschen mit Naturkorken, weil es weniger wertvolle Ressourcen vergeudet. Auf den ersten Blick ein beinahe geniales Sytem!
Anlässlich meiner vor kurzem veröffentlichten Blog-Beiträge zum Thema Lagerung und Haltbarkeit von Wein (siehe blog „Faustregeln zur Lagerung…“) wurde ich gefragt, wie es sich mit Bag-in-Box-Wein verhält. Dazu habe ich im amerikanischen „Journal of Agricultural and Food Chemistry“ einen Artikel von Helene Hopfer, Susan E. Ebeler , and Hildegarde Heymann von der University of California in Davis gefunden (“The Combined Effects of Storage Temperature and Packaging Type on the Sensory and Chemical Properties of Chardonnay”). Diese sehr sorgfältig durchgeführte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass das bag-in-box-System zu den heikelsten kommerziellen Verpackungen für Wein überhaupt gehört. Insbesondere, aber nicht nur, bei höheren Temperaturen (40 °C) traten bei dem gelagerten Chardonnay aus verschiedenen Gründen verstärkt Oxydationstöne, Essigaromen und Gelbverfärbung im Wein auf.
Die Schlussfolgerung aus dem Obigen kann eigentlich nur sein, dass man – wenn überhaupt – ausschließlich junge, rasch zu konsumierende Weine in bag-in-box-Einheiten abfüllen sollte. Der kritische Weinfreund ist sicher gut beraten grundsätzlich bei solchen Verpackungen Distanz zu halten, eine Enttäuschung über den Inhalt ist vorprogrammiert.
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Vortrefflicher Witz
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard
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