So wollte ich ihn schon immer haben: Cerro de la Retama 2010  Cerro de la Retama 2010 – ist ein wahrhaftiger Autorenwein geworden
Vor knapp drei Monaten haben César Ortega und ich die Cuvée des Cerro de la Retama zusammengestellt. Der Großteil des Weins kam, wie schon öfter, von unserem Rebgarten namens Loma de los Felipes. Dieser Mischsatz aus Tempranillo und Cabernet Sauvignon war mal wieder der komplexeste der uns zur Verfügung stehenden Jungweine. Dazu haben wir den Merlot und weiteren Cabernet Sauvignon gegeben und so ist schliesslich eine Coupage aus 58 % Cabernet Sauvignon, 22 % Tempranillo und 20 % Merlot entstanden. 24 Wochen, also relativ lange, haben wir den zukünftigen Cerro de la Retama 2010 sich im Edelstahltank unter striktem Sauerstoffentzug vermischen lassen bevor er am 19.06. 2012 abgefüllt wurde.Im Rahmen meines „Arbeitspensums“ diesen Sommer (Große erstklassige Rotweine als Sommerweine) habe ich auch den neuen Cerro am 18. August 2012, an einem Abend an dem das Thermometer noch 28 °C anzeigte und der Wein in einem Eiskübel stand, verkostet und schließlich die ganze Flasche „verputzt“. Es war ein riesiges Vergnügen! Hier meine Verkostungsnotizen:
Im Duft etwas verhalten (vielleicht war er doch etwas zu kalt!), jedoch sind zarte Beerenfrucht, Tinte und Unterholznoten zu erkennen. Am Gaumen strahlende Frucht von schwarzer Johannisbeere und Brombeere sowie zarte Gewürznoten von Nelke und Zimt auf dem Hintergrund balsamischer Töne. Deutlicher, weicher Tanninfonds und feine Säure, sehr ausgeglichene Struktur mit viel Eleganz und betonter Mineralität.
Alles in allem: selten ist es so gewesen, dass mir der eigene Wein so gut geschmeckt hat, gerade weil er zu 100 % das ausdrückt was ich ganz persönlich immer in meinem Wein wollte: Frische, Eleganz und Terroir. In diesem Sinne ist er tatsächlich ein klassischer Autorenwein geworden und ich bin gespannt, ob andere Weinfreunde meine Empfindungen zu diesem Wein teilen werden.
|
Vortrefflicher Witz
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard
|
Leave a Reply