Politik verdirbt den Charakter Manchmal denke ich, dass in dem alten Sprichwort „Politik verdirbt den Charakter“ doch ein Funken Wahrheit steckt. Wie anders wäre das Verhalten unseres Verteidigungsministers bei der Abfassung seiner Doktorarbeit zu erklären? Andererseits wirft der Vorwurf er sei ein Plagiator bei mir die Frage auf, ob nicht das Abschreiben unter den Internet-, Artikel- und Buchautoren heutzutage etwas ganz Übliches ist. Ich selbst gebe zu, daß ich in den vielen Schriftstücken, die ich in meinem Leben zum Thema Wein verfasst habe, hin und wieder auch eine Formulierung oder eine Definition, die mir gut gefallen hat, benutzt habe ohne gleich eine Fußnote zur Herkunft der Zeile hinzuzufügen. Der renommierte Ullstein-Verlag hat ja schliesslich das Buch von Helene Hegemann „Axolotl Roadkill“ veröffentlicht obwohl es sich meines Wissens ganz offensichtlich um ein Internet-Plagiat handelte, aber Hinweise darauf in dem Buch fehlten.
Im Weinjournalismus kenne ich mich ein wenig aus und weiß daher, daß auch dort viele Verfasser Plagiatoren sind. Dass einer vom anderen abschreibt geht gelegentlich so weit, daß sich bestimmte Fehlinformationen über mehrere Autorengenerationen im Schrifttum fortpflanzen (erkennbar manchmal auch an der konstant fehlerhaften Orthographie von Fremdwörtern). Aber daran nimmt niemand Anstoß, denn es wäre meist ein sehr mühsames Unterfangen die bewusste Absicht hinter solchen Verfehlungen nachzuweisen. Dass man bei wissenschaftlichen Publikationen, die ja einen Erkenntniswert haben sollen, nicht so lasch mit dem Diebstahl geistigen Eigentums umgehen kann, ist – aus meiner Sicht – selbstverständlich.
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Vortrefflicher Witz
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard
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