Frühstück auf spanisch  Café Alhambra an Granadas Bib-Rambla-Platz
Die meisten Spanienurlauber kennen vermutlich die „churros“. das iberische Äquivalent zu unserem „Schmalzgebäck“. Es besteht aus einer Masse aus Wasser, Mehl und Hefe und wird als kleine Ringe oder grössere Spiralen in Olivenöl ausgebraten und schliesslich, noch warm, vor dem Genuss mit Zucker bestreut. Es ist ein klassisches Frühstücksgericht. Heutzutage allerdings macht sich kaum mehr jemand die Mühe churros selbst herzustellen; man kauft sie fertig gebraten und tiefgefroren um sie dann ein paar Minuten vor dem Verzehr in die Mikrowelle zu legen. Die Mauren haben diese Köstlichkeit wohl erfunden und so verwundert es nicht, dass Granada eine der wenigen Städte ist, in der man churros frisch gemacht zum Frühstückskaffee serviert bekommt. Im Café Alhambra am Bib-Rambla-Platz kann man morgens die Frühaufsteher beobachten, wie sie die in rauchendem Öl hellbraun gerösteten churros in den Milchkaffee, oder dickflüssigen Kakao (ein klassisches „Katerfrüstück“) tauchen und mit Behagen verzehren. In ihren Gesichtern spiegelt sich nicht mor<gentliche Eile oder Hetze sondern der genüssliche Frohsinn eines Geniessers. Gerne steh<e ich unter ihnen an der Theke und teile ihre Freude an den aussen knusprigen und innen dennoch weichen, fettigen und warmen Stengeln, die eine gute Nahrungsgrundlage für den Tag bilden und so wunderbar mit dem bitteren Geschmack des „café solo“ harmonieren (obwohl die meisten im Café Alhambra augenscheinlich doch „café con leche“ vorziehen). Einmal habe ich in den Augen der um mich stehenden Gäste ein furchtbares Sakrileg begangen indem ich um Salz gebeten habe und mir statt Zucker Salz auf die churros gestreut habe. Ich wollte es einfach wissen wie sie salzig schmecken – und wurde nicht enttäuscht!
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Vortrefflicher Witz
An dieser Stelle stand bis vor Kurzem noch die Philosophie unseres Weinhandels „La Vineria“. Dieses Unternehmen ist mittlerweile Geschichte: Zum 31. März 2026 haben meine Frau, Isabel del Olmo, und ich unsere Geschäftsaktivitäten aufgegeben. Für uns beide waren die Jahrzehnte, in denen wir mit unseren Kunden ein Teil der spannenden und genussvollen Weinszene Spaniens waren, Herausforderung und Befriedigung zugleich. In meinem „önosophischen Blog“ hatte ich mich bereits vielfältigen kulturellen Themen gewidmet und dies, obwohl der aus dem Griechischen abgeleitete Begriff „Önosophie“ eigentlich nur die „Weisheit vom Wein“ bedeutet. Wie der Wein selbst können auch die Gedanken eines Hedonisten gelegentlich in ein breiteres zivilisatorisches Umfeld geraten und Bereiche wie die Musik, die Philosophie, die bildende Kunst, die Literatur und auch die Gesellschaftspolitik umfassen. Dieses Spektrum unterschiedlicher Thematiken möchte ich auch weiterhin in meinen Beiträgen bearbeiten. Trotz aller gesundheitspolitisch motivierter Kritik kommt mir der Wein dabei gelegentlich schöpferisch zu Hilfe. Wein in Maßen trinken und genießen ist etwas Emotionales, und im Wein kann der Künstler Inspiration finden. Keiner hat dies schöner und treffender ausgedrückt als Shakespeare in seinem "König Heinrich der Vierte" (2. Teil, 4. Aufzug, 3. Szene), wo er den lebensfrohen Falstaff in der Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel und Ludwig Tieck ausrufen lässt:
(Der Wein) „steigt Euch in das Gehirn, zerteilt da alle albernen und rohen Dünste, die es umgeben, macht es sinnig, schnell und erfinderisch, voll von behenden, feurigen und ergötzlichen Bildern; wenn diese dann der Stimme, der Zunge, überliefert werden, was ihre Geburt ist, so wird vortrefflicher Witz daraus".
Vortrefflicher Witz können selbstverständlich auch die schönen Farben und Formen des Malers oder Bildhauers bzw. die spannenden Klänge des Musikers sein.
Texte um reine Fakten können heute problemlos von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestellt werden. Um Sachverhalte aber wirklich verstehen zu können, bedarf es einer persönlichen Sicht und einer Interpretation. Die will ich mit meinen Beiträgen liefern, allerdings ohne besondere Ansprüche an Originalität, dafür aber immer mit der strikten Forderung nach Glaubwürdigkeit!
Ich hoffe, dass Sie Freude an meinem Blog haben und freue mich auf „Feedback“!.
Peter Hilgard
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